Schlagwort-Archive: Vergangenheit

Geschichten

Jeder von uns hat seine eigene Geschichte zu erzählen und jeder von uns ist Bestandteil unzähliger Geschichten anderer. Mal nehmen wir nur Statistenrollen ein, zum Beispiel den unbekannten Fahrgast in der Straßenbahn, den jemand sieht, der sich gerade von seinem Partner getrennt hat. Manchmal sind unsere Rollen auch größer, zum Beispiel, wenn wir der Partner waren.

Auch verändern sich unsere Geschichten mit den Jahren. Die Zeit verzerrt unsere Erinnerungen oder wir werden älter und was uns als Kinder in baffes Erstaunen versetzte lässt uns vielleicht schon ein paar Jahre später kalt. Manche unserer Rollen werden auch vergessen oder verdrängt.

Geschichten weiterlesen

Zeit zu gehen…

Wie bereits hier im P.S. erwähnt: Es gab eine Zeit, in der habe ich den örtlichen Friedhof abgeschlossen und am Wochenende auch aufgeschlossen. Hatte sich durch Zufall ergeben und das zusätzliche Geld war auch recht verlockend. Also hieß es an sieben Tagen in der Woche den Friedhof Abends abschließen (Sommer: 20 Uhr, winter 17 Uhr) und am Wochenende den Friedhof auch aufschließen (Sommer: 7 Uhr, Winter 8 Uhr). 3 Zugänge, reine Laufzeit so 15-20min, zumindest morgens. Abends gestaltete sich das Ganze meistens etwas komplizierter. Aber der Reihe nach: Bevor ich das Ganze übernommen hatte, wurde nur unregelmäßig, wenn überhaupt, abgeschlossen. Nachts kam es häufiger zu Beschädigungen, also entschied sich die Kirche dazu, dass der Friedhof ab jetzt regelmäßig abgeschlossen werden müsse. Keine Ahnung, wie sie da gerade auf mich gekommen sind, aber ich hab den Job halt angeboten bekommen. Bezahlung war zwar an sich seeeehr gering, aber für die Tätigkeit selbst angemessen. Und so machte ich mich mit knapp 15 Jahren daran, die Auricher Bürger daran zu erinnern, dass das Schild mit den Öffnungszeiten nicht umsonst an den Eingängen steht.

Was ich dabei erlebt habe geht, wie man so schön sagt, auf keine Kuhhaut.

Zeit zu gehen… weiterlesen

Alte Fotos

[ … ] jede zweite Schuld setzt eine erste voraus – hier: die Schuld der Deutschen unter Hitler. Die zweite Schuld: die Verdrängung und Verleugnung der ersten nach 1945. Sie hat die politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland bis auf den heutigen Tag wesentlich mitgeprägt, eine Hypothek, an der noch lange zu tragen sein wird. Denn es handelt sich nicht um einen bloß rhetorischen Prozess, nicht um einen Ablauf im stillen Kämmerlein. Die zweite Schuld hat sich vielmehr tief eingefressen in den Gesellschaftskörper der zweiten deutschen Demokratie. Kern ist das, was in diesem Buch der „große Frieden mit den Tätern“ genannt wird – ihre kalte Amnestierung durch Bundesgesetze und durch die nahezu restlose soziale, politische und wirtschaftliche Eingliederung während der ersten zehn Jahre der neuen Staatsgeschichte.[…]

Aus: Ralph Giordano, Die zweite Schuld oder Von der Last, Deutscher zu sein. Hamburg – Zürich: Rasch und Röring 1987, S. 11

Alte Fotos weiterlesen