Das Schreckgespenst der 68er
In Wirklichkeit nämlich, das zeigt das seit Mitte Januar 2010 online zugängliche „Medienarchiv68“ der Axel Springer AG, in der auch die WELT erscheint, gab es in den vier Wochen vor dem Attentat des Rechtsextremisten Josef Bachmann gerade sechs durchweg kleine Artikel in den Blättern von Axel Springer über Dutschke, außerdem fünf kurze Erwähnungen in Leserbriefen – eine „Kampagne“ sieht anders aus. Natürlich hätten Nocke und Krohmer ihren Film vor der Ausstrahlungen an die erst seit drei Monaten verfügbaren Erkenntnisse anpassen können. Doch wichtiger war ihnen offenbar das Festhalten am Vorurteil.
So endet der Artikel von Sven Felix Kellerhoff auf Welt.de. Auf diesen Artikel gestoßen bin ich, weil Stefan Niggemeier die Argumentation von Herrn Kellerhoff bezüglich der “verfälschten” Verwendung von BILD-Schlagzeilen recht ansehnlich demontiert. Lesenswert, allerdings will ich speziell auf den oben zitierten Absatz hinaus. Mit diesem beantwortet Kellerhoff die von ihm gestellte Frage: “Darf man fälschen, um den Mythos der „Hetze“ gegen Dutschke aufrecht zu erhalten?” Diese Frage und die oben zitierte “Beantwortung” zielen meiner Meinung nach in eine völlig falsche Richtung, ganz abgesehen davon, dass die Grundlage der Fragestellung zu wünschen übrig lässt, aber dazu siehe Stefan Niggemeier. Sven Felix Kellerhoff beantwortet seine Frage damit, dass in den Zeitungen der Springerpresse vier Wochen vor dem Attentat auf Dutschke kaum die Rede von Rudi Dutschke war. Hieraus zieht Herr Kellerhoff den Schluss, dass es keine Kampagne der Springerpresse gegen Rudi Dutschke gegeben habe. Die angeführten Beispiele stimmen, wie jeder im Medienarchiv68 nachvollziehen kann. Der Suchbegriff “Dutschke” ruft im entsprechenden Zeitraum die angegebenen Beispiele hervor, allerdings gibt es hierbei zwei bedeutende Probleme:
- Warum der Zeitraum von nur vier Wochen?
- Warum nur der Suchbegriff “Dutschke”?











