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Sehr verspäteter Nachtrag

Da mir gerade aufgefallen ist, dass ich an dieser Stelle was von Audioaufnahmen gesagt habe: Ich habe damals tatsächlich gefragt, ob ich die Aufnahmen veröffentlichen darf und ja, ich durfte. Nur irgendwie habe ich es nie getan. Also dann eben jetzt, fast zwei Jahre später.

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Ein Wortwahlproblem

„Kein Ausländerproblem: Nur 2,7 Prozent der Bewohner im Landkreis ohne deutschen Pass“, so titeln die „Ostfriesischen Nachrichten“ in ihrer Ausgabe vom 5. Februar 2010 auf Seite 1, unten. Ich habe zuerst die Kurzform des Artikel in der „Online Ausgabe“ der ON gelesen, habe mir dann den ganzen Artikel schicken lassen. Die böse Vorahnung, die sich bei mir in der Online-Variante einstellte wurde leider durch den eigentlichen Artikel bestätigt. Die Argumentation, die Wolfgang Witte in seinem Artikel aufmacht, ist ungefähr folgende: Im Landkreis Aurich gibt es wenig Ausländer, deswegen gibt es auch kein „Ausländerproblem“. Interessant ist an dieser Stelle aber die „Definition“ oder was auch immer es sein soll, von „Ausländern“: Wolfang Witte redet in der ersten Hälfte seines Artikels rein von Asylbewerbern und stellt fest, dass der Anteil an Asylbewerbern in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Der Autor stellt treffend fest, dass die Änderungen des Asylrechts in den letzten Jahren, allen voran die Drittstaatenregelung für diesen Umstand verantwortlich sein dürfte. Die Tatsache, dass diese Drittstaatenregelung durchaus umstritten ist, wird allerdings verschwiegen.1 Sicher war „in der zweiten Hälfte der 90er Jahre […] die Zahl [der Asylbewerber] 40 bis 80 Mal höher, sodass jede alte, längst stillgelegte Landgaststätte sich als Asylantenheim zur Geldquelle entwickelte.“, allerdings wollen wir mal nicht nach den Bedingungen fragen, unter denen die Asylbewerber damals in diesen Räumlichkeiten untergebracht waren. Wolfgang Witte fragt jedenfalls nicht danach, aber das ist sicherlich auch nicht weiter wichtig für den Artikel. In der zweiten Hälfte des Artikels kommen dann zu den 8 Asylbewerbern im Landkreis Aurich noch einmal 5118 „andere“ Ausländer hinzu, darunter 266 Geduldete und der Rest halt Menschen mit einer befristeten oder unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung. Diese und andere Zahlendreschereien belegen, dass im Landkreis Aurich 2,7% Ausländer leben. In diesem Zusammenhang wird der Landrat Walter Theuerkauf (SPD) mit den Worten „Ein Ausländerproblem gibt es bei uns nicht“ zitiert. Bei der ganzen Feststellerei, dass es im LK Aurich kein Ausländerproblem gibt, stellt sich die Frage: Ab wann hat man denn ein Ausländerproblem und was ist eigentlich ein Ausländerproblem?

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  1. Günter Grass trat damals u.a. wegen dieser Regelung aus der SPD aus, wie auch auf den Auricher Wissenschaftstagen festgestellt wurde. []

Fast unglaublich und leicht bizarr

Die SPON-Autoren Matthias Gebauer und Marcel Rosenbach versuchen in ihrem Artikel „Liebes-Mails aus der deutschen Botschaft“ die Hintergründe zu den Meldungen über zwei verhaftete deutsche Diplomaten aufzuarbeiten.

Die Schlagzeile sorgte für Aufregung: „Deutsche Diplomaten in Teheran festgenommen“. Die Festnahme gab es zwar nicht. Hinter der Meldung steckt aber nach SPIEGEL-Informationen die fast unglaubliche Story eines verliebten Bundespolizisten, des iranischen Geheimdiensts und der ganz großen Politik.

Oha…keine Festnahmen, dafür eine „fast unglaubliche Story“ und die ganz große Politik. Liebe ist auch noch dabei und sogar Geheimdienste! Und mittendrin ein deutscher, verliebter Bundespolizist. Ist es tatsächlich endlich so weit? Steigen deutsche Polizisten aus der Riege eines „Bayern auf Rügen“ endlich auf in den Rang eines James Bond oder John McCLane? Sortieren wir den Artikel mal entsprechend und gucken, was dahintersteckt.

Der verliebte Bundespolizist: Zwei Bundespolizisten wurden aus dem Iran ausgeflogen. Beide seien, so Gebauer/Rosenbach, im Dezember festgenommen worden. Im entsprechenden Artikel und im Artikel von Gebauer/Rosenbach ist zwar ansonsten von Diplomaten die Rede, aber vielleicht sind Bundespolizisten ja auch Diplomaten, ich weiß es nicht. Jedenfalls wurden zwei ausgeflogen, aber nur einer hat nachweisbar irgendwas „angestellt“. Er war verliebt und das scheinbar in eine Iranerin. Eine oppositionelle Iranerin. Der verliebte Polizist heißt „Jörg B.“.

Die Iranerin: Da wir uns beim Spiegel und nicht bei der BILD aufhalten, gibt es kaum Informationen über die „femme fatale“ der Geschichte. Die Iranerin soll Kontakte zu Oppositionsführer Hossein Mussawi haben1 und soll verschiedene Dinge für die Opposition erledigt haben, darunter Anstiftung zum Aufruhr usw. Aber vor allen Dingen ist wichtig, dass sie scheinbar „Liebes-Mails“ von Jörg B. bekommen habe. Die Liebes-Mails wurden abgefangen und gelesen. Halt Dinge, die Geheimdienste so tun, wenn sie unliebsame Menschen beobachten. Jörg B. war dabei auch noch so „schlau“ und hat die Mails von seinem Dienstaccount aus geschrieben. Wahrscheinlich damit der deutsche Geheimdienst auch was davon hat.

Die Liebesbeziehung: Bei der Liebesbeziehung wird es dann erst richtig interessant, denn scheinbar wissen die Autoren des SPON-Artikels etwas, was sie nicht mitteilen wollen oder dürfen. Es handelt sich nämlich keinesfalls um eine „normale“ Liebesbeziehung zwischen einem Mann und einer Frau, zumindest wenn man der Wortwahl der Autoren glaubt. Zunächst handelt es sich um eine Liebesbeziehung, also wahrscheinlich ganz große Gefühle, nicht nur Spaß oder eine reine „Beziehung“. Um etwas Abwechslung reinzubringen, wird die Liebesbeziehung auch mal als Affäre bezeichnet.2 Nun ist eine Affäre nicht unbedingt das gleiche, wie eine Liebesbeziehung, zumindest wenn man so nach den landläufigen Konnotationen geht. Gegen eine normale Beziehung spricht auch die weitere Wortwahl der Autoren. Zur Beschreibung der Beziehung zwischen Jörg B. und der namenlosen Iranerin werden folgende Wendungen benutzt:

  • eine heikle Liebesbeziehung
  • die leicht bizarre Affäre eines Bundespolizisten mit einer Iranerin
  • seine private Beziehung

Heikle kann man ja noch bedingt nachvollziehen, privat steht außer Frage, aber: warum „bizarr“? Was ist an der Affäre/Beziehung/whatever eines Mannes zu einer Frau (leicht) bizarr? Im Zusammenhang mit „fast unglaublich“ und anderen Wendungen, die sich zwar eher auf die politische Affäre beziehen dürften, wirkt es, als wüssten die Autoren mehr, als sie zugeben wollen würden. Oder sie finden irgendeinen Aspekt an der Sache sehr merkwürdig. Welcher Aspekt genau das sein soll, wird allerdings nicht deutlich.3

Die große Politik: Damit scheint vor allem gemeint zu sein, dass die Beziehung zweier Menschen zu einem Politikum gemacht wird, bei dem sich sogar Guido Westerwelle „genötigt sah“ vor die Kameras zu treten4 und das Auswärtige Amt seine Mitarbeiter seinsibilisieren muss/soll.

Ich weiß ja nicht, wie genau man es bei der Wortwahl in der SPON-Redaktion nimmt, aber wenn man schon ohne genaue Angabe der Quelle5 arbeitet, dann sollte man Wertungen außenvor lassen oder zumindest seine Wertungen begründen. Ist nicht geschehen, ergo bleibt ein merkwürdiger Beigeschmack.

  1. Behauptet der iranische Geheimdienst. []
  2. Wikipedia sagt zu Affäre: „Eine Affäre ist eine unangenehme, dunkle, peinliche oder skandalöse Angelegenheit. Der Begriff kann ironisch beziehungsweise hämisch ein Liebesverhältnis ansprechen […]“ []
  3. Man könnte jetzt Vermutungen äußern, aber das lassen wir mal. []
  4. Dies tat er, als es noch um angeblich verhaftete Diplomaten ging. []
  5. „nach SPIEGEL-Informationen“ []

ene mene muh

In letzter Zeit fällt mir immer häufiger auf, dass die Kurzformen im Internet, zu denen wahrscheinlich viele neigen, mitunter sehr merkwürdige bzw. falsche Auswüchse annehmen. Mir ist das an den Kurzformen von unbestimmten Artikeln aufgefallen. Unbestimmte Artikel sind im Deutschen vor allem die vielfältigen Formen von „ein“. Den unbestimmten Artikel „ein“ kann man flektieren, d.h. beugen, um ihn in Kasus und Genus dem zugehörigen Substantiv anzupassen. Im Normalfall sieht das dann wie folgt aus:
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Interjektionen und Onomatopoetika

In einer Vorlesung über Wortarten hatten wir als letzte Wortart des Semesters die Interjektionen. In der Vorlesung und auch hier sollen Interjektionen wie folgt definiert werden:

prototypische Merkmale der Interjektion:1
„expressiver Ausdruck einer spontanen Emotion, Abwesenheit referentieller Bedeutung, Unflektierbarkeit, syntaktische Autonomie, eventuelles Vorhandensein onomatopoetischer Strukturen“

Dröseln wir das mal etwas auseinander für alle, die sich, wie ich, mit zu vielen Fachwörtern etwas schwer tun.
Flektion ist grob gesagt die grammatikalische Anpassung der Form eines Wortes an so etwas wie Kasus oder Nummerus. Unflektierbar bedeutet dementsprechend, dass eine solche Anpassung nicht vorgenommen wird/werden kann. Syntaktische Autonomie sagt aus, dass Interjektionen nicht an einen festen Platz im Satz gebunden sind. Was onomatopoetisch ist, das klären wir nach der Bestimmung einer „Interjektion“. Interjektionen sind an sich schlicht „Einwürfe“, die wir in unsere Sätze einbauen. Dies geschieht meistens in der gesprochenen Sprache. Beispiele wären: ah, brrr (frieren), hui, nanu, oi, puh, tja, uff, ui, pst, ätsch oder brrr (zum Tier). Nun können Interjektionen auch eine onomatopoetische Struktur haben. Onomatopoetika sind „lautmalerische Wörter“, d.h. Wörter die ein außersprachliches akustisches Phänomen nachahmen. Beispiele hierfür sind zum Beispiel miau, piep, Kuckuck, tatütata, kikeriki oder brumm. Onomatopoetika können Interjektionen – „haha“ zum Beispiel – sein, manchmal sind sie aber auch nur Onomatopoetika.
Neben der gesprochenen Sprache sind Interjektionen und Onomatopoetika besonders in Comics und der „Internetkommunikation“ verbreitet. Besonderer „Dank“ gilt hier wohl Erika Fuchs, ihres Zeichens Übersetzerin der Donald Duck Comics. Erika Fuchs sind besondere Leistungen in Bezug auf die Verbreitung des Inflektivs im Deutschen zuzuschreiben. Der Inflektiv oder scherzhaft „Erikativ“ genannt ist ein Verb in der „Grundform“, welches nicht gebeugt wird2 , bei der auch die deutsche Infinitivendung -n/-en weggelassen wird. So wird aus dem Infinitiv „gähnen“ das Wort „gähn“. Oder aus „lachen“ wird „lach“. Man sieht, dass viele im Internet, besonders in Messengern, ständig mit Inflektiven rumwerfen ohne dies zu wissen.3

  1. nach Nübling, D.: Die prototypische Interjektion: Ein Definitionsvorschlag.
    In: Zeitschrift für Semiotik. 26 (2004) 1-2, 13 []
  2. Eine infinite, unflektierte Verbform []
  3. Ich wollte auf irgendwas bestimmtes hinaus, hab aber vergessen auf was. Deswegen endet der Eintrag „einfach so. []

Test zum Wortschatz – Teil 2

Einer unserer Dozenten “prüft” gerade den Wortschatz seiner Studentinnen und Studenten. Das Ganze ist nicht wirklich empirisch und geschieht eher aus Interesse, da der Dozent der Meinung ist, dass der Wortschatz der angehenden “Germanisten” zurückgeht. Alle Wörter stehen wohl noch so im Duden, nachgeguckt habe ich allerdings nicht. Nachfolgend wiedergegeben mal der zweiteTeil des “Tests”.
Antworten dürfen gerne in den Kommentaren hinterlassen werden. Aber bitte erstmal die Wörter nicht weiter erklären. Wikipedia muss niemand benutzen, so ernst ist die Sache ja nicht.
Fettgedruckt das Wort, um das es geht, vier Antwortmöglichkeiten, eine ist richtig. Zusätzlich kursiv sind die Wörter, die ich selbst nicht wusste. Ich bin ja so ehrlich und gebe das zu.

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Ode an die Freude (Liveblogging)

„Was machst du denn hier?“, schallmait es durch den Seminarraum kurz vor Beginn der Nachholsitzung des Seminars „Sportsprache“. Nachholsitzung ist ein gängiger Euphemismus für „Der Dozent schafft es nicht das Seminar regelmäßig stattfinden zu lassen und lädt deswegen an einem Freitagnachmittag zur schlecht organisierten und wahrscheinlich viel zu knapp kalkulierten Zusatzsitzung“. Wie man schnell merkt ist Nachholsitzung viel, viel kürzer. Jedenfalls haben der Zyniker und ich uns gedacht, dass wir mal ein bisschen Liveblogging veranstalten. Da wären wir jetzt also, es ist 15.05Uhr und eben hat sich die erste Referatsgruppe, die dran ist, unsere Boxen ausgeliehen. Man erkennt: Vorbereitung ist alles. Wenn man ein Referat hält und irgendwas mit Ton machen will, dann bringt man sich selbst Boxen mit. Naja, an einen Fernseher und einen Laptop haben sie wenigstens gedacht. Der Fernseher hat eine Diagonale von so ca. 55cm und steht so 10-15m weit weg. Das wird sicher was. Der Dozent trägt einen Schal von Eintracht Braunschweig zum braunen Sakko und einer quietschbunten Krawatte.

15:09Uhr. Reihenfolge der Referate aufgezählt, uns vergessen. Wir haben ihn nicht darauf hingewiesen. Der Typ mit den Boxen, der jetzt doch nicht dran ist, deutet auf uns und sagt irgendwas mit „von den beiden Herren“. Ja, wir sind hier, was gibt es? Wollt ihr mit uns reden? Braucht noch jemand unsere Boxen? Hallo? Irgendjemand? Nicht?

Während der Dozent so redet und das Handout so rumgeht wird es…

15:11Uhr. Referat beginnt mit der Geschichte des Turnens…

…aber darauf wollte ich gar nicht hinaus. Ich wollte was über den bisherigen Tag schreiben oder interessiert sich hier jemand für die Geschichte des Turnens? Wohl kaum, gibt es ja auch bei Wikipedia nachzulesen. Aber zum bisherigen Tag: Gestern Abend hat sich eine „Verblendung“ an meinem Zahn verabschiedet. Heute morgen zum Zahnarzt, der war von meinen Zähnen restlos begeistert und will mich ab Februar regelmäßig sehen. Ich glaube der mag mich irgendwie. Ich mag Leute, die mir das neue Auto finanzieren auch immer. Das wird noch was. Interessant daran ist, dass sich das alles bei meinem eigentlichen Zahnarzt (ich war jetzt bei einem neuen) nie so schlimm angehört hat. Probleme mit den Zähnen habe ich, aber die aktuelle Dimension ist neu. Mir jedenfalls scheint die Sonne aus dem Allerwertesten und nach mir die Sahara. Sollten meine Einträge in naher Zukunft irgendwie…nun…angesäuert sein, so wisst ihr jetzt warum.

15.18Uhr.  Geschichtlicher Abriß, ohne nennenswerte linguistische Aspekte immer noch nicht beendet.

Der Zyniker,die Praktikantin und die Nachbarin sind übrigens auch da, so leide ich wenigstens nicht ganz alleine. Obwohl, leiden tue ich eigentlich gar nicht so sehr. Der Zyniker meint dazu:“Tja, ohne meinen Laptop wäre dein Leben ganz schön arm.“ Hm, recht hat er, da ich gerade auf seinem Laptop schreibe.

15.21Uhr. Geschichtlicher Abriß endet nach 7 Minuten und 53 Sekunden und wird abgelöst mit einer biographischen Abhandlung über den Turnvater Jahn. Referentin kaum zu verstehen, Dozent ergänzt unwichtige Details, zumindest unwichtig in Bezug auf die Linguistik. Nach knapp 2 Minuten Biographie scheinbar erledigt. Ging ja noch gerade.

Die Praktikantin hat „Sportsprache“ auf ihren Block geschrieben, ein Szaf gemalt und meint zu der ganzen Sache hier: „Gott, watt’n Blödsinn!“.

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Wir hören zu! Wir tun es wirklich! Nur ist es halt absolut uninteressant. Wir sind nachher, theoretisch, auch noch dran und unser Thema ist jetzt auch nicht gerade der absolute Bringer, aber…ja…äh…Ich gebe ab an den Zyniker. 15.25Uhr

15.32Uhr. Bin wieder dahaa. Es gibt fahrende Turngeräte…oder Turngeräte die pferden. Schlecht zu sagen bei miserabler Akkustik und leise sprechenden Referntinnen (mittlerweile übrigens Nr. 3).

Die Anwesenheitsliste hat es mittlerweile bis zu uns geschafft, nach 30 Minuten eines 3-Stunden Seminars. Mal gucken wie lange es dauert, bis die ersten wieder gehen. Die Referentin scheint einen ausformulierten Text zu lesen, guckt kaum hoch, wenig motivierend. Die Frisur is aber ganz nett, könnte der Praktikantin auch stehen. Die Praktikantin findet die Referentin hübsch…gut, jetzt hat sie es zuerst gesagt, dann darf ich auch! Hübsch anzusehen, doch. Vorlesen kann sie auch halbwegs, gibt es ja auch nicht alle Tage. Der Zyniker will was… 15.36Uhr.

15.42Uhr. Ich soll was zum Ablauf berichten? Öh…auf’m Klo war das Licht aus, Referat beendet, Dozent fragt uns was. UNS! Erst vergessen, dass wir heute dran sind und dann was von uns wollen. Das haben wir gerne, so eine Frechheit. Aber nun fallen dem Dozenten keine Beispiele mehr ein. Der Dozent fragt, wie man „Frisch, fromm, fröhlich, frei!“ denn in die heutige Zeit übersetzen könnte. Keiner sagt was, aber er selbst hat einen Vorschlag: „Yes, we can!“ An dieser Stelle einen freundlichen Gruß zu „Coffee and TV„!

15.46Uhr. Neue Referatsgruppe. Sportmetaphern in Politik und Alltag. Na, mal gucken. Dieses Mal gibt es sogar mehr als genug Handouts. Es geschehen also noch Zeichen und Wunder. Wir können trotzdem besser, die haben nämlich nur drei Seiten, wir haben vier! Jawollja! Draußen Sturm, Schnee und Regen. Ich gebe ab. Bringt jemand Kaffee vorbei? Oder weiches Brot?1 Nudel-Schinken-Auflauf nehme ich auch. Im Referat fiel der Ausdruck „männlicher Habitus“. Ugga!

15.56Uhr. Der Zyniker bloggt übrigens hier. Das aktuelle Referat ist übrigens, trotz ablesender Referentin, relativ interessant, wenn auch nicht unbedingt erkenntnisbringend. Okay, jetzt legen sie eine Folie auf und verlieren ihren bisherigen Symphatievorsprung. Viel zu klein das Ganze. Schriftgröße 12, würde ich sagen. Gerade eben ist die erste Kommilitonin gegangen. Also so richtig gegangen, nicht nur Kaffee holen, Klo oder rauchen. Das Handout der aktuellen Gruppe ist übrigens toll: „2schneidig“, „1dimensional“, „Vollpröfis“. Zweites Beispiel auf Folie wieder viel zu klein. Schade eigentlich. Die Körperhaltung der Nachbarin sieht gerade, 16.00Uhr, nicht so sonderlich gesund aus. Viel zu verkrümmt, das Mädel muss mal den Rücken gerade halten. Der Zyniker meint: „Die liest!“ Ach, sag bloß? Jetzt faselt er was von Buch und roten Dingern oder Katapulten. Keine Ahnung, er nuschelt. Und er spricht leise…aber er kann ja auch nicht lauter sprechen, als die Referentin und da die jetzt auch nicht sooo laut spricht…

Sollte jemand den Eindruck haben, ich sei gerade irgendwie schlecht drauf oder zynisch, der hat recht. Trotzdem wünsche ich den Referenten und Referentinnen nichts schlechtes und die hier getroffenen Aussagen beziehen sich natürlich rein auf das handwerkliche Geschick.

16.10Uhr. Die Referentinnen machen ein Rollenspiel, wir sollen die Sportmetahphern zählen. Das „Skript“ dazu hab ich vorhin im Büro liegen gesehen. Sie haben es mit der Auswahl und Häufigkeit der Sportmetahphern etwas übertrieben. Die lyrische „Sie“ hat einen „Er“ getroffen, der gerne mit ihr „anbändeln“ würde. Sagt man das heute noch so? Ich bin der Meinung es waren genau 42 Sportmetaphern. War klar, oder? Ich könnte euch jetzt sagen, wie viele es wirklich waren, aber die Folie ist wieder viel zu klein. Zyniker wirft „15“ in den Pott, Praktikantin weiß nich, was los is. Der Dozent mischt sich wieder ein, schätzungsweise ab Reihe fünf versteht keiner mehr was. Kommilitonin Nummer zwei geht. Ich gehe auch, Kaffee holen.

16.20Uhr. Neues Referat, Handouts reichen bis hinten, aber ich muss den Zyniker korrigieren. Es geht fast die komplette vorherige Referatsgruppe den Weg aller Studenten, nicht nur Kommilitonin Nummer drei. Mittlerweile sind wir beim Radsport angelangt und erfahren wieder etwas über die Geschichte des Radsports. Ich habe dem Zyniker übrigens nur keinen Kaffee mitgebracht, damit ich meinen nächsten Toiletten- oder Rauchgang tarnen kann. Verratet es aber keinem, ja? Geschichte des Radsports ist vorbei, jetzt kommen wir zur Vorstellung des Teamaufbaus usw. Viele Sportfachbegriffe werden genannt, erklärt eher weniger. Dabei ist es doch eigentlich interessant, dass es auch im Radrennsport Sprinter und Kletterer gibt. Ich dachte immer, die laufen nicht, sondern fahren. Zyniker will was…16.25Uhr.

16:28Uhr. Ging ja fix, oder ging eben nicht, so wie das Fahrrad. Verwirrend das alles. Die junge Dame da vorne rappelt Begriffe runter, erklärt was sie bedeuten. Problem dabei ist: Hier geht es nicht um Lexikoneinträge, sondern um linguistische Aspekte. Betrachte doch mal irgendwas, bitte! Nein! Keine Trikots! Warum Trikots? Können die sprechen2 Während vorne das gelbe Trikot vorgestellt wird, gehen wieder vier Kommilitoninnen. Genau genommen Referatsgruppe Nummer 1. Die Frisur ist nun also auch weg. Auffällig, dass bisher noch irgendwie keine Kerle gegangen sind, sondern nur Mädels. Huch, Kaffee ist schon alle. Den hat mir doch einer geklaut! Die Nachbarin war es, ich weiß es ganz genau. Ich versuche gerade ihren Rücken mit bösen Blicken zu durchbohren, aber irgendwie prallen meine Blicke wirkungslos an der Rückenkrümmung ab. Deswegen sitzt die da also so, damit sie sicher vor meinen bösen Blicken ist!

Langsam wird der Sauerstoff hier im Raum knapp. Man merkt es an meinen Einträgen, oder? Ich gehe frische Luft schnappen und gebe zurück ins Sportstudio.

16.40Uhr. Frische Luft geschnappt, linguistischen Aspekt zum Teil verpasst. VerdammT! Hey…das große T passt ja sogar, obwohl es ein Tippfehler ist3 , da es gerade um T-Mobile geht. HaHa! Welch Witz. Eine Minute hier drin, schon wieder Sauerstoffmangel. Wo sind eigentlich unsere Boxen und warum steht der Fernseher da immer noch rum? Unterschiede zwischen furchtbar und fruchtbar stehen gerade auf der Tagesordnung. „Wer lesen ist, kann klar im Vorteil.“, sagte schon der Zyniker. Liest hier eigentlich jemand mit?

16.58Uhr. Praktikantin mit ihrem Teil durch, Zyniker dran, ich stehe in den Startlöchern. Scheiss Luft.

17:20Uhr. Fertig, nächste Gruppe hat kein Handout, reicht es Dienstag nach, obwohl sie Dienstag nicht da sind. Wir haben ungefähr eine halbe Stunde gebraucht, bei 20 angesetzten Minuten und ohne geschichtlichen Abriß ist das okay. Zugehört hat wahrscheinlich eh keiner, aber man sagte, ich solle leiser sprechen. Warum? LAUTES SPRECHEN hat doch was für sich, es wachen wenigstens alle auf. Der Dozent fand unser Referat informativ, naja, wenn er meint. Wir leiden langsam alle an Sauerstoffmangel. Der Zyniker meint er tue das nicht, er schnauft also einfach so vor sich hin, der alte Mann. Die Praktikantin sitzt immer noch neben mir, frisst aber die ganze Zeit über Zwiebelringe…irgendwie sitzen wir mittlerweile recht alleine hier…hmm…äh…dafür holt sie Kaffee! Diese Zweibelringe muchten aber ooch…nachher noch ein Bild dazu. Das Referat über Fangesänge usw. wäre eigentlich ganz interessant, wäre die PowerPointPräsentation lesbar. Ist sie leider nicht. Habe ich eigentlich erwähnt, dass manche Bachelor in diesem Seminar eine Klausur schreiben? Über was eigentlich? Die Referate kann man wohl kaum als Grundlage nehmen, da sich die wenigen erkennbaren linguistischen Aspekte auf sich stets wiederholende Beispiele beschränken. Vernünftig kategorisiert kommt man da nicht auf viel. Der Fernseher steht da immer noch untätig rum. Armer Fernseher. Unsere Boxen stehen auch noch vorne. Ist der Typ, der sie haben wollte eigentlich noch da? Referat gehalten hat er zumindest noch nicht. Ich trink mal Kaffee…17.28Uhr.

17.36Uhr. Es gibt irgendein Problem bei den Referenten. Keine Ahnung was für eines. Die Referenten sagten aber etwas in die Richtung. Aber nun, langsam interessiert es wohl wirklich keinen mehr. Der Dozent erzählt mal wieder Fußballgeschichten…er hat scheiße gesagt, er hat scheiße gesagt! Verfall der Sitten, also wirklich!

Damit kein falscher Eindruck entsteht, das Thema ist wirklich interessant und voll…äh…ach, was soll’s. Ich geb es zu: Ich will nach Hause, was essen! Das Thema ist, unter linguistischen Aspekten, nicht sonderlich interessant. Seminar sollte bis 18.30Uhr gehen, wird jetzt vom Dozenten abgebrochen. Der Zyniker macht das Schlusswort! 17.35Uhr.

Fertig.

  1. An hartes trau ich mich wegen dem Zahn nicht ran. []
  2. Naja, nach einer ganzen Etappe der Tour de France kann das Trikot wahrscheinlich schon sprechen. Zumindest kann es schön in die Ecke gestellt werden. Oder als Fahrradständer benutzt werden. []
  3. der erste Kerl geht übrigens gerade []

Wenn man schon klugscheißen will

Ich halte ja grundsätzlich wenig davon irgendwelche Plakate oder Aushänge zu kommentieren. Aber manchmal kommen dabei ja wenigstens lustige Dinge heraus. Wenn man aber schon kommentiert, dann vernünftig und nicht so wie auf diesem Plakat:

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Zum Vergrößern auf das Bild klicken. Da der Kommentar trotzdem recht unleserlich ist, hier die gekritzelte Antwort auf die Frage „Was ist Philosophie?“:

die Biedeutet Garten für wissenschaft.
Alle Wissenschaften da wachsen auf.

Ich ziehe ja sogar die Möglichkeit in Betracht, dass ein ausländischer Student da mal seinen Senf ablassen wollte. Wenn dem so ist, würde ich für die Zukunft empfehlen: Schreib es in deiner Heimatsprache auf und setz eine Übersetzung drunter!
Wenn es ein deutscher Student war, fehlen mir einfach die Worte. Ich hoffe inständig, dass es kein Student war oder wenigstens einer mit einem recht bescheidenen Humor. Ich hoffe es wirklich…

P.S.: Nein, das auf dem Plakat ist nicht George W. Bush! Auch wenn bei dem Ausschnitt eine gewisse Ähnlichkeit vorhanden ist.

Verhörer

Peinliche oder lustige Verhörer geben ja immer wieder Anlass zur Vermarktung. Sei es nun in Form von Radiosendungen wie den Agathe-Bauer-Songs bei SAW oder den Oma-fiel-ins-Klo-Songs bei FFN, oder halt in Form von Büchern, wie „Der weiße Neger Wumbaba“. Vermarktung hin oder her, ich finde es immer wieder lustig und meistens auch sehr erheiternd, wenn ich Gelegenheit habe an den Verhörern anderer Leute teilzuhaben. Wahrscheinlich vor allem dann, wenn ich meine eigenen Verhörer wiedererkenne, die ich mir so in meinem Leben geleistet habe. Allen voran wohl meine eigene Version von Juliane Werdings1 „Geister über Afrika“. Hat mich nicht im mindesten gestört, dass meine Version überhaupt keinen Sinn ergab, wenn ich voller Inbrunst von „Kleister über Afrika“ gesungen habe.

Einen anderen Verhörer hat erst „Der weiße Neger Wumbaba“ aufgelöst, wobei ich aber sagen muss, dass ich „meine“ Version viel stimmiger finde! Nena singt in ihrem Lied „99 Luftballons“ ja von „Streichholz und Benzinkanister“, nech? „Streichelten Benzinkanister“ finde ich da viel bedrohlicher und aussagekräftiger.

Wer hat noch solche Verhörer auf Lager? Immer raus damit!

  1. Nicht meine Schuld! Stand halt im Plattenschrank!! []

„Alle waren engagiert.“

Oft genug beschweren sich ja Sprachkritiker, Hobbysprachforscher und „normale“ Leute  darüber, dass mit dem heutigen Sprachgebrauch irgendwas nicht ganz richtig sein kann. Beliebt ist das Fluchen über Anglizismen, Euphemismen und (häufig leeren) Phrasen. Von diesen Phrasen hört man aber auch im studentischen Umfeld eine Menge, ebenso von Anglizismen, die oft genug relativ sinnlos sind, weil es vernünftige und bekannte Entsprechungen in unserer Sprache gibt. Nur bei den Euphemismen, wie Null-Wachstum sind die Politiker und die Medienvertreter scheinbar recht weit vorne. Hier und jetzt soll es aber um das studentische Umfeld gehen.

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