Nachrichten getagged: ernst

Fehlende Ikonographie

Von , 24. Mai 2011 18:06
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Bestimmte Ereignisse sind in unserer medialisierten Welt in der Regel mit bestimmten Bildern verbunden. Je dramatischer oder einschneidender die Ereignisse, desto besser prägen sich die Bilder ein. Natürlich relativiert sich dies mit der Zeit: War man “live” dabei1, so haben auch jetzt noch entsprechende Bilder eine andere Wirkung auf einen selbst, als auf “nachfolgende” Generationen. 9/11 ist hier wohl das beste Beispiel. Wer 2001 alt genug war, um zu verstehen was da gerade vor sich geht, der verbindet andere Gefühle und Erinnerungen mit den Bildern, wie jemand, der diese Bilder “jetzt schon” als Geschichte ansieht. Die Ereignisse am 11. September 2001 stellen allerdings eh einen besonderen Fall dar, da bei kaum einem anderen, vergleichbaren Ereignis die mediale Abdeckung so schnell und so andauernd war.
Im Zuge der Berichterstattung kommt es meist früher oder später zur Bildung von Ikonen. Bestimmte Bilder sind entweder so “passend” oder werden so oft wiederholt, dass sie plötzlich mehr sind, als ein “Begleitmaterial” für die Berichterstattung. Sie entwickeln eine Bedeutungsebene, die über das eigentliche Ereignis hinausgehen. Sei es nun der flüchtende NVA-Soldat, die brennenden oder einstürzenden Zwillingstürme oder das berühmte Bild “Raising the Flag on Iwo Jima“. Auch Flutbilder nach Tsunami-Katastrophen oder anderen Überflutungen haben teilweise einen ähnlichen Prozess durchlaufen, allerdings scheinen Ereignisse an denen Menschen als “Täter” beteiligt waren eher zu einer Ikonbildung zu neigen, als Naturkatastrophen.

Interessant wird es, wenn man einmal betrachtet, welche, von Menschen irgendwie gemachte Katastrophen keine Ikonbildung nach sich ziehen, obwohl sie ebenfalls schwere Folgen haben. Gemeint sind an dieser Stelle atomare Katastrophen. Während man bei Atombomben, nicht zuletzt durch die markante “Pilzwolke”, noch von einer gewissen Ikonographie sprechen kann, so scheinen diese Ikons bei Reaktorunfällen zu fehlen. Harrisburg oder Three Mile Island, Tchernobyl oder eben auch Fukushima rufen, zumindest soweit es mich betrifft, keine bestimmten Bilder auf, höchstens ein gewisses Gefühl der Bedrohung. Woran könnte dies liegen? Im Gegensatz zu den bisher aufgezählten Beispielen sind atomare Katastrophen schleichende und vor allem nicht oder kaum visuell erfassbare Katastrophen. Atombomben explodieren und produzieren den typischen Pilz, dadurch werden sie für die visuell-dominierte Medienlandschaft fassbarer. Kaputte Kernkraftwerke bieten zwar auch ein gewisses Bild der Zerstörung, welches sich z.B. allerdings kaum von Bildern von Großbränden unterscheidet. Auch Bilder der Strahlenkrankheit sind, so schlimm sie auch sein mögen, scheinbar nicht zur Ikonbildung geeignet.

Was daraus zu folgen scheint, ist eine, für sonstige Verhältnisse, merkwürdig bilderlose bzw. bildlich distanziert wirkende Berichterstattung. Geht damit auch eine Marginalisierung der Ereignisse einher? Die Anti-Atom-Bewegung scheint zwar seit Fukushima wieder an Bewegungsmomnent gewonnen zu haben und auch die Wahlergebnisse der Grünen werden oft mit dem letzten GAU in Verbindung gebracht. Ebenfalls damit einherzugehen scheint ein schnelleres Verschwinden der Ereignisse aus dem Gedächtnis bzw. dem Interesse der Menschen, die weit genug von den Ereignissen entfernt wohnen, so dass sie auf die Medienberichterstattung angewiesen sind. Später liest man dann vielleicht nochmal von der “vergessenen Katastrophe” oder ähnlichem.

[Endet hier, da ich irgendwie wieder nicht zu nem vernünftigen Schluss komme, aber den Draft nicht noch länger liegenlassen will.]

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  1. Also in einem entsprechenden Alter oder gerade vor dem TV. []
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Der Hauptmann dreht sich im Grabe um

Von , 17. März 2011 13:44
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Wilhelm Voigt, in der Version von Zuckmayr, sagte dereinst:

Richtig! Die [Wanze] lebt, Friedrich! Und weißte, warum se lebt? Erst kommt de Wanze, und dann de Wanzenordnung! Erst der Mensch, Friedrich! Und dann de Menschenordnung!

Im Hauptmann von Köpenick geht es um einen Mann, der einfach seinen Altersplatz im Leben finden will, es aber nicht schafft gegen die “Menschenordnung” anzukommen, eben weil zuerst an die Ordnung und dann an den Menschen gedacht wird.1

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  1. Später versucht er genau diesen Umstand gegen die Ordnung selbst zu verwenden. []
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Denken in roten Lettern

Von , 11. März 2011 22:19
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Guttenberg ist toll.

Ausländer sind böse.1

Christentum ist toll.

Islam ist böse.

National ist toll.

Multi ist böse.2

Tut mir einen Gefallen. Geht weg.

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  1. Türken und Russen immer, Griechen ab und an mal. []
  2. Außer im Vitaminsaft. []
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Frag mich was

Von , 26. Februar 2011 18:46
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Die NPD in Sachsen-Anhalt hat sich zur anstehenden Landtagswahl was ganz besonderes ausgedacht, nämlich den “NPD Wahlkompass”. Mit diesem kann der Besucher der Seite, der vielleicht die “Orientierung verloren” hat, seinen politischen Kurs bestimmen. Damit das Land nicht “ausblutet”, kann man gucken, ob man “auf der gleichen Route” segelt wier die braunen Kameraden mit den verlorenen Emails. Na, dann wollen wir mal gucken, mit was für Themen die sich so beschäftigen, und vor allem welche Antworten man so geben kann.

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Es steht in der Luft zwischen uns

Von , 21. Februar 2011 14:06
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Lange Zeit passte das Leben im Schrank. Irgendwas ist immer, aber als Schrankbewohner hat man sich eingerichtet. Die Schranktüren stehen Freunden immer offen, man trinkt Kaffee und pafft gemütlich eine. Aber irgendwas hat sich verändert, irgendwas ist anders geworden. Wenn ich mir meinen Schrank im Vergleich zu anderen so anschaue, dann haben alle eine gewisse Individualität. Wo bei mir das Rohr meines kleinen Reiseofens aus dem Schrank guckt, prangt bei manchen eine Klimaanlage. Wo mein Schrank viele versteckte Fensteröffnungen hat, so dass ich oft rausgucken kann, haben andere kleine, an Schießscharten erinnernde Öffnungen. Jeder Schrank hat außen andere Macken, andere Gebrauchsspuren usw. Auch innen sehen Schränke natürlich anders aus. Bei manchen wohnlich und gemütlich, bei anderen eher spartanisch und praktisch.

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Bilder und ihre Kontexte

Von , 22. Januar 2011 01:50
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Mit Bildern ist das immer so eine Sache. Bilder zeigen nur einen Augenblick, lassen nicht immer einen Rückschluss auf den Kontext zu und werden außerdem durch die Zeigesituation beeinflusst. Das Internet hat es nun möglich gemacht, dass eigentlich jeder auf eine nahezu unendliche Anzahl von Bildern zugreifen kann. Dadurch werden mitunter die selben Bilder in völlig unterschiedlichen Artikeln benutzt oder aber Bilder werden einfach “geklaut”, d.h. von irgendeiner Internetseite runtergeladen und dann für die eigenen Inhalte genutzt. Bei manchen Bildern darf man das unter Umständen sogar, mit verschiedenen Einschränkungen/Optionen zum Beispiel bei allen Bildern, die unter Creative Commons veröffentlicht werden. Weiter lesen 'Bilder und ihre Kontexte'»

Augen auf!

Von , 1. Dezember 2010 22:27
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Unser Innenminister Thomas de Maizière hat uns gewarnt. Deutschland stehen Anschläge bevor. Wann und wie genau, das kann nicht so genau gesagt werden. Panisch sollen wir auch nicht werden, wir sollen nur ein bisschen besser auf unsere Umgebung achten. Wie genau wir das tun sollen und auf was wir achten sollen? Das weiß keiner so genau, aber es gibt da verschiedene Ansätze. Berlins Innensenator Körting empfiehlt uns:
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“Ich möchte mit Ihnen über einen Vermittlungsvorschlag sprechen.”

Von , 7. Oktober 2010 13:11
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Am 29. September bekam ich einen Brief von der ARGE Aurich. Der Betreff, schön fettgedruckt, war: 1. Einladung. Nach der Anrede ging der Brief dann so weiter:

bitte kommen Sie am 07.10.2010 um 10:00 Uhr in die Arbeitsgemeinschaft Arbeit und Soziales Aurich, D 26603 Aurich, Fischteichweg 7-13, Raum 3.062.

Ich möchte mit Ihnen über einen Vermittlungsvorschlag sprechen.

Es werden Ihnen verschiedene Stellenangebote vorgestellt.

Danach kamen dann die üblichen Rechtsbelehre, was bei Nichterscheinen passieren könnte usw. Was erwartet man das als Normalbürger, wenn man dahin geht?

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Shoppingguide für Bürger

Von , 5. Oktober 2010 09:51
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Anbetracht der jüngsten Entwicklungen kommt nun endlich1 der Shoppingguide für den bewussten Bürger von heute. Waren früher noch Trillerpfeifen und liebevoll gestaltete Plakate und Transparente das must-have der Saison, liegt der Fokus heute eher auf den persönlichen Accesoires. Ohne Ellenbogen- und Knieschützer aus Spezialschaum sollte heute keiner mehr zum gemütlichen Sit-In in den Park gehen. Aufgrund der hohen Nachfrage wird es auch demnächst Versionen speziell für Kinder und Rentner geben. Letztere auch integriert in Stützstrümpfe o.ä., für den besonderen Tragekomfort. Fragen sie einfach nach den Spezialmodellen bei ihrem örtlichen Waffenhändler Modehändler. Für die Aktivsportler und Beweugungsfanatiker, die nicht nur im Park sitzen wollen, sondern auch ein bisschen hin und herlaufen wollen, empfehlen sich kombinierte Modelle, speziell für den Beinbereich. Familienplanung noch nicht abgeschlossen? Auch kein Problem!

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  1. Früher ging nicht, weil fehlendes Internet. []
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Wo soll man anfangen?

Von , 29. September 2010 10:31
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“Blogge doch mal wieder!”, “Erlebst du nichts?”, das sind so die Fragen oder Ausrufe, die mir gegenüber in letzter Zeit häufiger getätigt werden. Ich denke mir bei diesen Gelegenheiten immer: Wo soll ich denn anfangen? In meinen Entwürfen liegen ein paar lustige Artikel und ein paar Lückenfüller. Lustig erscheint mir aber gerade zu unpassend und Lückenfüller zu unbedeutend. Es gäbe genug, über das ich hier gerne berichten würde oder berichtet hätte. Meine Meinung zu Sarrazin1, meine Meinung zu dem, was unsere Regierung als “sozial” ansieht2 oder aber die Ignoranz, die einem so täglich in der einen oder anderen Form begegnet. Die Leitartikel vieler Tages- und Wochenzeitungen lassen mich frösteln, die häufige Abwesenheit von Nachrichten in den sogenannten Leitmedien andererseits lässt mich bald erfrieren. Ein bisschen resigniert man schon, wenn vom “Herbst der Entscheidungen” die Rede ist.

„Es geht in dieser globalisierten Zeit darum, die Wirtschaft voranzubringen“, sagte Fraktionsvorsitzender Volker Kauder. Deutschland stehe in einem Wettbewerb, in dem uns nichts geschenkt werde. „Die Auseinandersetzung in der Globalisierung kennt keine Pause“, betonte Kauder. Die soziale Sicherheit unseres Landes müsse erwirtschaftet werden.“Die wird einem nicht geschenkt.“

Angesichts dieser deutlichen Worte muss man doch wirklich froh sein, wenn die soziale Sicherung in Form von ALG II um satte 5€ angehoben wird und endlich dafür gesorgt wird, dass die dummen Arbeitslosen kein Geld mehr für Zigaretten und Alkohol haben. Der Winkelzug dürfte seine Wirkung nicht verfehlen und der Regierung bleibt eine wirkliche Reformation erspart. Wir machen es uns leicht, wenn wir auf Arbeitslose einprügeln und uns dabei jegliche Debatte über Armut und ihre verschiedenen Formen ersparen. Fast schon genial erscheint dabei das Zusammenspiel zwischen dieser Entwicklung und der Änderung des Rundfunkänderungsstaatsvertrages. Die Archive der öffentlich-rechtlichen Sender werden beschnitten. Ein Vergleich zwischen Debatten und Hintergründen wird also fast unmöglich, sofern man nicht private Sender hinzuzieht. Was mag man von einem Staat halten, der es zulässt, dass solche Archive gelöscht werden müssen?

„Es geht in dieser globalisierten Zeit darum, die Wirtschaft voranzubringen“, sagte Fraktionsvorsitzender Volker Kauder.

Unter Informationsfreiheit stelle ich mir etwas anderes vor. Einen kleinen Lichtblick “zivilen Ungehorsams” stellt depub.org mit ihrem Tagesschau-Archiv dar. Ständig hört man Flüche über die GEZ, weil man ja nicht für Soaps oder Filme bezahlen möchte. Geflucht über das Verschwinden von Wissen wird allerdings nicht.

Ja, der Hauswart kratzt mit Bürste,
Eifer, Fleiß und Terpentin
Fluchend an der Hauswand an der kühnsten aller Utopien,
Nur mein Pulsschlag pocht noch immer
das Graffiti, das da stand:

Vernunft breitet sich aus über
die Bundesrepublik Deutschland!

Das singt Reinhard Mey und wie so häufig ist auch heute die Musik mal wieder ein Anker, den ich nicht missen möchte. Was ich nicht ausdrücken kann, das haben garantiert Mey, Wader, Rether oder Kling für mich ausgedrückt. Manchmal versteckt sich so ein Lichtblick aber auch in Alltagsbegegnungen. Wenn ein Mann die Straße entlang läuft und laut fröhlich in einer anderen Sprache3 in sein Handy singt. Sowas gefällt.

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  1. Der ist auch schon fast wieder vergessen, oder? []
  2. Weswegen Sarrazin wohl schnell vergessen wird. []
  3. Könnte türkisch gewesen sein. []
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