Archiv der Kategorie: Schrank and beyond

Es steht in der Luft zwischen uns

Lange Zeit passte das Leben im Schrank. Irgendwas ist immer, aber als Schrankbewohner hat man sich eingerichtet. Die Schranktüren stehen Freunden immer offen, man trinkt Kaffee und pafft gemütlich eine. Aber irgendwas hat sich verändert, irgendwas ist anders geworden. Wenn ich mir meinen Schrank im Vergleich zu anderen so anschaue, dann haben alle eine gewisse Individualität. Wo bei mir das Rohr meines kleinen Reiseofens aus dem Schrank guckt, prangt bei manchen eine Klimaanlage. Wo mein Schrank viele versteckte Fensteröffnungen hat, so dass ich oft rausgucken kann, haben andere kleine, an Schießscharten erinnernde Öffnungen. Jeder Schrank hat außen andere Macken, andere Gebrauchsspuren usw. Auch innen sehen Schränke natürlich anders aus. Bei manchen wohnlich und gemütlich, bei anderen eher spartanisch und praktisch.

Es steht in der Luft zwischen uns weiterlesen

Schränke

So als kleine Erinnerung an die vergangenen Schrankzeiten. 3 Bilder, die die Praktikantin gezeichnet hat.
Schränke weiterlesen

Schrankvermietung

Bevor manche jetzt anfangen zu jubeln: Nein, es kommt keine neue Schrankepisode, zumindest nicht in dem Sinne. Mein Schrankkoffer befindet sich momentan an einem ganz geheimen Ort. Dieser Ort ist so geheim, dass selbst ich ihn momentan nicht finde. Aber das Prinzip ist ja nicht an Die Ur-Idee gebunden, sondern kann fröhlich weiter benutzt werden. Momentan denke ich nämlich darüber nach das Prinzip zu vermieten. Um dies näher zu erklären, ein kleiner Exkurs:

Schrank
Wahnvorstellung, Rückzugspunkt und Spiegel in einem

Das ist das, was den Schrank in kurzen Worten schon immer ausmachte. er war ein Rückzugsort vor der manchmal verwirrenden Realität, auch wenn dieser Rückzugsort manchmal an kafkaeske Welten erinnerte. Trotzdem war dieser Rückzugsort wichtig um die „Realität“ mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und dieser Realität und sich selbst einen Spiegel vorzuhalten. Gut, natürlich war der Schrank auch eine Wahnvorstellung, denn kein geistig gesunder Mensch denkt sich sowas aus, oder? Auf jeden Fall begegnen mir in letzter Zeit immer mehr Menschen, die einen eigenen Schrank gebrauchen könnten. Ach was, Menschen! Ganze Institutionen! So zum Beispiel die Universität. Man sollte ja eigentlich davon ausgehen, dass so eine Universität einer Art Leitbild folgt (zumindest erzählen u.a. die Pädagogen gerne so ein Gedöns) und dass so einer Institution daran gelegen ist ihren Angehörigen eine möglichst konstruktive und angenehme Atmosphäre zu schaffen. Dies gelingt oberflächlich auch ganz gut…interessant wird es, wenn man etwas tiefer bohrt.

Unter der „Wir sind Uni“-Schale herrscht nämlich scheinbar die schönste Mein-Feuer-dein-Feuer-Mentalität. Es ist echt erstaunlich, wie gerne doch einzelne Teile der großen Organisation Uni, namentlich die Institute, anderen Einzelteilen, nämlich anderen Instituten, an den Karren fahren. Konkurrenzverhalten ist sicherlich einer Weiterentwicklung irgendwie förderlich, aber irgendwann ist auch mal gut. Nämlich dann, wenn das Ersatzteillager, die Studenten, anfangen darunter zu leiden. Da versuchen die Institute alles mögliche für die Bachelorstudenten zu tun. Jedes für sich natürlich, denn Zusammenarbeit (Interdisziplinarität) wird ja nur in der Theorie gefordert. Demnächst steht ja auch die Akkreditierung an und man will ja gut dastehen. Ich versteh das und wünsche den Bachelorstudenten auch von ganzem Herzen, dass sie eine möglichst gute Lehre bekommen. Wäre ich ein Institut, dann wäre das wohl anders. Bin ich aber nicht, ich bin Student. Allerdings gehöre ich zu den Studenten, die nicht ganz so viel Prestige einbringen. Mein Studiengang wird nämlich an meiner Uni nicht mehr immatrikuliert, ich bin schon viel zu lange da und außerdem schlägt sich die mir angedeihende Lehre zwar in der Lehre, aber nicht in der Forschung wieder. Ich habe nämlich immer noch vor, trotz einer an sich wissenschaftlichen und theoretischen Ausbildung, Lehrer zu werden. Ergo promoviere ich wahrscheinlich nicht, bringe die Forschung nicht weiter, fahre keine Drittmittel ein usw. Aber das nur so am Rande. Wenn man das Ersatzteillager wieder heranzieht gehören ich und meine Kommilitonen wohl zu den sperrigen Ersatzteilen, die viel Arbeit machen ohne die es aber nicht läuft. Wir werden eingebaut und unserem Schicksal überlassen.

Gut, ganz so schlimm ist es sicherlich nicht immer, aber es kommt einem manchmal so vor. Und wenn man dann auch noch versucht etwas an der eher schlechten Situation zu ändern und dadurch erstmal wirklich mitbekommt wie viele einzelne Feuerchen so geschürt werden, dann, ja dann kommt man auf den Gedanken Schränke zu vermieten. Damit die tapferen Feuerstellenbewacher mal mitbekommen, wie schwer sie es dem „Nachwuchs“ eigentlich machen. Wie schwierig es manchmal ist der Situation (oder der Ausbildung) noch einen praktischen Nutzen abzugewinnen. Wo bleibt der Mehrwert für die Studenten? Wo bleibt der Mehrwert für das spätere Leben? Wie lange kann man sich hinter solchen Floskeln wie „Mehrwert“ eigentlich verstecken? Zumindest Gremien gucken gerne nach dem Mehrwert für Studenten, aber auch das wäre jetzt ein Thema für sich. Ich glaube ich vergebe am Ende des Semesters Gutscheine für eine Schrankrundfahrt an die Dozenten, Studenten und Mitarbeiter.

Nach all den negativen Worten muss ich aber nochmal klarstellen, dass natürlich nicht alle so sind! Es gibt auch durchaus Mitarbeiter, die sich für die Belange der Studenten auch institutsübergreifend interessieren und einsetzen. Und damit meine ich nicht nur die beiden netten Damen in der Mensa…

Rückkehr der Spinnen

Es war einmal ein kleines Fleckchen Land. Auf diesem Fleckchen lebten ein paar Menschen, denen ging es eigentlich ganz gut. Sie hatten, sich stets regelmäßig abwechselnde, Arbeits- und Ruhephasen, die sie durchaus nicht überforderten, was man vor allem daran bemerkte, dass die meisten bis spät in die Nacht auf waren und immer genug Energie hatten sich mit den anderen um sich herum zu unterhalten. Ein halbwegs ausgefülltes Leben, möchte man meinen.

So war auch mein Eindruck, als ich mit meinem Schrank auf einer Anhöhe halt machte und mir Fleckenhausen ansah. Kurz war ich am Überlegen, ob ich hier Hilfe gegen die Kakerlakenplage bekommen würde, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, das würde nicht viel werden und dementsprechend habe ich es gelassen. Gegen die Kakerlaken, die selbst Kafka schockiert hätten, würde ich hier keine Hilfe finden. Aber da es schon spät war dachte ich mir: Hey, bleibst du einfach über nacht hier, unterhältst dich ein wenig mit den Leuten, hörst neue Geschichten, die das Leben schreibt und machst dich dann morgen früh, nach ein paar Stunden Schlaf, wieder auf den Weg. Gedacht, getan!

So steuerte ich meinen Schrank vorsichtig näher an das Dorfzentrum heran, die Reaktionen der Einwohner abwartend. Aber selbst wenn ein fahrender Schrank an dem ein paar letzte Spinnweben hängen, der staubig ist und aus dem Staubflusen neugierig die Menschen mustern nun nichts wirklich alltägliches ist, so wurde ich doch so gleich freundlich aufgenommen und begrüßt. Also lüftete ich ein bisschen den Schrank, gönnte meinen Flusen ein bisschen Auslauf und setze mich mit auf den Marktplatz. Bei einem kühlen Bier lauschte ich den Geschichten der Anwesenden. Was sie nicht alles erlebt hatten! Ich hörte Geschichten voll Freude, Trauer, Witz und Grauen. Begeistert hörte ich zu und merkte so erst gar nicht, dass scheinbar nur ich und der jeweilige Erzähler mit Feuereifer dabei waren. Der Rest schaute desinteressiert in der Gegend rum oder tuschelte in scharfen Tönen miteinander. Mit jeder Minute schien die Stimmung der Agression immer deutlicher zu werden. Wurde erst nur getuschelt wurden die scharfen Worte nun deutlicher und lauter. Desinteresse wandelte sich in offene Ablehnung gegenüber den anderen.

Meine Staubflusen schienen den Stimmungswechsel auch wahrgenommen zu haben, denn sie sammelten sich am Schrank und versuchten durch die nur angelehnte Tür ins Innere zu kommen. Schnell half ich ihnen, zum Teil aus Mitleid, zum Teil um selbst etwas weitervon den Dorfbewohnern wegzukommen. Was war nur passiert? Warum wurde aus der Unterhaltung plötzlich so ein Hexenkessel? Vielleicht weil es keine Unterhaltung war. Plötzlich überkamen mich Erinnerungen an die Grabenkämpfer, denen ich vor einiger Zeit begegnete. Irgendwie ähnelten sich die beiden Situationen. Was damals festgefahrene Positionen waren, waren hier altbekannte Positionen! Die Menschen hier hatten sich schon alles erzählt und gingen in ihrer Langeweile nun einfach selbst aufeinander los.

Ich fragte mich, ob sie sonst nichts zu tun hatten. Gab es für sie nichts anderes, als das abendliche Zusammensitzen und aufeinander losgehen? So viel lag um ihren Flecken Land. Kamen sie denn nicht raus? Blieben sie immer hier? Hatten sie kein Leben?

Ich packte meine Sachen und floh beinahe in die Nacht. Und dabei sah ich sie…die Spinnweben, die sich wie eine fast unsichtbare Barriere um den Flecken Erde spannten. Ich war geübt, ich konnte die Barriere durchdringen, aber die Menschen innerhalb der Spinnweben hatten dies scheinbar nie gelernt. Ach, wie viel ihnen doch entging…aber wahrscheinlich waren sie gar nicht bereit dafür, aus ihrem kleinen abgeschotteten „Universum“ befreit zu werden…oder? Doch dann sah ich die Schatten von Spinnen und wusste, dass ich nichts ausrichten konnte. Alle meine Argumente wären abgeprallt, nichts zu ihnen durchgedrungen. Und so verließ ich diesen Ort. In der Hoffnung demnächst mal wieder an einen angenehmen Ort zu kommen…

Kakerlaken außerhalb des Schrankes

Dass es in meinem Schrank schön ist und außerhalb von eben Selbigem fast nur Verrückte herumlaufen, habe ich ja schon häufiger erwähnt. Was es aber für Gestalten gibt erstaunt mich immer wieder…

Während ich so durch die Lande kutschierte landete ich in einem Flecken Land, der zwar nicht der schönste war, den ich je besucht hatte, aber trotzdem auf den 1. Blick den meisten Ansprüchen genügte. Doch wie immer steckt der Teufel im Detail. Denn wo man zuerst eine schiere Vielfalt an Farben entdeckte, beschlich einen kurz darauf das Gefühl, dass die Farben an mancher Stelle nicht zu passen schienen und sich beim betrachten hin und her wandten. Und so war es dann auch. Ich dachte zuerst an Spinnen, die erkannt hatten, dass ich ihre bisherige Tarnung durchschaut hatte, aber weit gefehlt! Es handelte sich um widerliche, braune Kakerlaken, die bestrebt waren sich unter einem farbenfrohen Tarnmantel zu verstecken. Der Versuch war ja an sich nicht schlecht, doch irgendwie schienen die Farben mit dem braunen Untergrund der Chitinpanzer zu reagieren. Was im Normalfall hätte glänzend sein sollen wurde stumpf und verblichen, kaum berührte es die Panzer der Tierchen.

Nachdem die Tarnung durchschaut war, genoß ich weiter meine Pause, auch wenn mich die kakerlaken schon etwas nervten. Dennoch sah ich keine weitere Gefahr von ihnen ausgehen. Ich sollte mich getäuscht haben…

So saß ich auf meiner Schrankschwelle, genoß meinen Tee und eine Zigarette, warf meinen Wollmäusen Staubflusen zu mit denen sie spielen konnten und ließ meinen Blick über die Landschaft schweifen. Doch dann fiel mir auf, dass an immer mehr Stellen die Farben zu verblassen schienen und hier und da erkannte ich mittlerweile Kakerlaken, die ihr Braun fast stolz mit sich herumtrugen und nicht auf den fadenscheinigen Farbmantel zurückgriffen. Und unter den verblassenden Stellen, die kurz vorher noch in den schönsten Farben geglänzt hatten befanden sich auch keine Kakerlaken. Vielmehr schien es, als würden sich die Kakerlaken hier und da etwas länger aufhalten und irgendwie die Farbe aus der entsprechenden Stelle zu saugen. Ich runzelte die Stirn und brachte erstmal meine Wollmäuse in Sicherheit und stellte auch den Schrankkoffer etwas weiter vom Schauplatz des Geschehens entfernt ab. Sicher ist sicher. Dann betrachtete ich das Geschehen genauer und tatsächlich verlor die Landschaft in ungefähr dem Tempo an Glanz in der die Kakerlaken auf ihre Farbtarnung verzichteten. Eine schleichende Epidemie schien von dem Ort Besitz ergriffen zu haben. Hilflos sah ich zu, wie Bäume, Blumen und Gräser sich immer mehr zu einem farblosen Einheitsbrei verwandelten, dominiert vom schimmernden braun der Chitinpanzer. Selbst die Tiere und Insekten, die ich zwischendurch zwischen den Pflanzen entdeckt hatte schienen nichts gegen die krabbelnde Übermacht tun zu können. Hiflos sah ich zu, vom Schock nahezu gelähmt…alleine konnte ich hier nichts unternehmen, das wurde mir schnell bewusst. Und so fuhr ich los, für’s erste machtlos die Veränderungen aufzuhalten. Doch vielleicht findet sich Hilfe in der nächsten Stadt, denn eine so farblose Welt, dominiert von Kakerlaken…nein, die will ich nicht erleben.

Der Schrank im Alterungsprozess

Kurz bevor ich meinen 25. Geburtstag bestreite, oder wie meine Nachbarin sagen würde „mein 1. halbes Jahrhundert“, wird es Zeit mal darüber zu sinnieren, wie es überhaupt zum Schranke kam. Es ist ja nicht so, dass ich mich aus heiterem Himmel für einen Schrank entschieden habe, nein das Ganze hat System!

Angefangen hat wohl alles in meiner Kindheit…damals, als das Internet noch aus Holz war, die Welt noch schön und das Leben einfach. 😉 Wenig aktive Erinnerungen sind aus der Zeit geblieben, aber lasst euch gesagt sein: Nicht H.P. war der erste, der unter einer Treppe eingesperrt wurde, sondern ich! Genau! Stunden um Stunden habe ich im Besenschrank unter der Treppe zugebracht, nicht gewillt den Anforderungen der Außenwelt zu entsprechen! Oder so ähnlich halt, denn die Erinnerungen werden mit der Zeit ja auch etwas durcheinandergebracht…

Meine Freude an Staubflusen und Wollmäusen würde es zumindestens erklären, ebenso den Umstand, dass ich mich in meinem Schrank vor den Wirrungen und Auswüchsen der heutigen Zeit sicher fühle. Tja…damals fing die ganze Sache also an.

Natürlich habe ich auch mehrere Jahre in der freien Wildbahn zugebracht, denn man muss ja den Wahnsinn der anderen kennenlernen, wenn man ihm widerstehen will. Natürlich sind da draußen nicht alle wahnsinnig. Ein paar Freunde hat man dennoch gefunden, auch wenn nicht alle Freundschaften bis heute Bestand haben. Man hat beobachtet wie neues Leben entstanden ist und leider endete auch so manches Leben. Man hat viel gelacht und viel geweint. Man ist gefallen und wieder aufgestanden, hat eingesteckt und ausgeteilt. So manches Utopia hat man in endlosen Nächten erschaffen und gelebt. Wie oft hat man sich gedacht, dass man etwas hätte anders machen müssen? Wie oft wollte man die Zeit zurückdrehen oder den Moment festhalten? Ich kann es nicht mehr zählen. Aber mit etwas Abstand – und ein paar dicken Schrankwänden – merkt man, dass sicher nicht alles gut war, was man gemacht hat. Dennoch wäre man ohne die Erfahrungen nicht der, der man heute ist. Also will ich erstmal euch danken!

Ihr, die…

…ihr mir den Rücken gestärkt habt

…ihr mir in den Rücken gefallen seid

…ihr an mich geglaubt habt und immer noch an mich glaubt

…ihr mich mögt

…ihr mich nicht mögt

…ihr viel zu früh gegangen seid. Wir werden uns wiedersehen!

…ihr euren Teil dazu beigetragen habt, dass mein Leben so verlaufen ist, wie es verlaufen ist!

Aber eigentlich wollte ich ja erzählen, wie es denn zum Schranke gekommen ist, vor allem da mich die Wollmäuse schon etwas zweifelnd angucken, auf Grund meiner rührseligen Äußerungen. Tja…äh…die wahrscheinlich unbewusste Entstehung habe ich ja schon aufgezeigt und alles andere erklären wir mal zu einer Verkettung von Zufällen. Aber Zufälle müssen ja nicht schlecht sein. Als mich diese Zufälle in die Isolation meines Schrankes getrieben haben wurde mir nach kurzer Zeit das Potenzial dieser Situation bewusst und deshalb habe ich mich entschieden hier zu bleiben. Manchmal muss ich natürlich raus, aber das ist euch ja bekannt.

Wie wird es also weitergehen?

…We will see and time will tell…

Auf das nächste halbe Jahrhundert ! 😉

Getrennte Schrankplätze

Moin!

Ich melde mich zurück aus meinem Urlaub. Ja, auch ein Schrankbewohner braucht mal Urlaub und dieser stand unter dem Motto „Wir haben gehalten in der langweiligsten Landschaft der Welt“. Zumindest kam es mir zwischendurch so vor…

Aber trotzdem gibt es viel zu berichten, einiges hab ich selbst erlebt, von anderem haben mir meine Wollmäuse berichtet.

Am Lustigsten war es eigentlich die Lokalzeitung zu lesen. Wenn in Städten, die von der Mentalität her den Eindruck machen weit weg von der Realität zu sein, über etwas berichtet wird, dann muss dies natürlich in geeigneten Worten passieren. Also schlagen die Redakteure ihre alten Schulhefte auf und suchen in ihren Aufzeichnungen aus dem Fach Deutsch nach Charakterisierungen und Interpretationen, übernehmen wichtig klingende Aussagen und bringen diese in einen neuen Kontext. Dabei kommt dann natürlich etwas heraus, was stark an das Abschneiden bei PISA erinnert. Wenn der Redakteur dann natürlich auch noch über ein Thema schreibt, welches ihn nicht interessiert, dann kann man sich ausmalen, was dabei herauskommt. Für sowas würde sich nicht einmal die garstigste Spinne hergeben, aber es ist ganz gut dafür geeignet seinem Schrank eine Tapete zu geben. So hat man immer etwas erheiterndes zu lesen.

Der Zufall wollte es so, dass sich der nicht näher bezeichnete Ort in einem Bundesland befindet, welches sich vor kurzem zu neuen Gesetzen duchgerungen hat. Ich ahnte davon gar nichts und so ließ ich mich mit meinem Schrank kurzzeitig dort nieder und dachte auch nicht im entferntesten daran, dass sich irgendein Gesetz auf mich, meinen Staub oder meine Wollmäuse auswirken könnte. Ein Gesetz zur Arbeitszeitenregelung von Wollmäusen, zur Anordnung von Staubflusen oder ein Gesetz zur Bestimmung der Höchstgeschwindigkeit von Kofferschränken würde mir nicht einmal im Traum einfallen! Gut, unseren Politikern zum Glück auch nicht, aber dafür haben sie sich den Nichtraucherschutz sehr zu Herzen genommen.

Jaja, ich weiß. Darüber reden heute alle und so. Ich will auch nicht auf das Für und Wider dieser Gesetze eingehen, sondern nur ganz allgemein etwas zur neuen Mehrklassengesellschaft im besagten Bundesland sagen.

Mich traf die Ankündigung, dass Raucher ab sofort draußen bleiben müssen, wie gesagt, etwas unvorbereitet. Trotz des Herbstsommers in manchen Teilen dieses Landes ist es ja draußen trotz allem recht angenehm und so macht es mir noch nicht sonderlich viel außen draußen zu rauchen, getrennt von den Nichtrauchern dieser Erde. Trotzdem saß ich natürlich prompt unter einem ehemaligen Sonnenschirm, der nun als Regenschirm fungierte, draußen und hatte meine liebe Müh‘ meine Wollmäuse ins Trockene zu bringen. Aber da ich ja vor meinem Schrank saß, konnten sich die Kleinen bibbernd im Schrank zusammenkauern und die Welt aus dem Trockenen beobachten. Ein paar andere Schornsteine und ich saßen zwar auch im Trockenen, aber waren irgendwie noch isolierter als die kleinen Wollmäuse. Ob die Menschen im Innern nun irgendwie belebter und freier waren als vorher kann ich jetzt nicht beurteilen, aber sie konnten auf jeden Fall viel, viel besser sehen, weil die zweibeinigen Nebelmaschinen ja nun per Gesetz ganz weit weg bleiben mussten! Aber gerne stellte ich mir vor wie viel beschwingter und freier sie waren! Wie sie mit flatternden Bändern durch die Gegend sprangen und mit den nun nutzlos gewordenen Bechern der Tabakindustrie jonglierten! Vielleicht nicht alle, denn manche waren vielleicht traurig, weil ihnen plötzlich die Gelegenheit fehlte den weiblichen Nebelmaschinen Feuer anbieten zu können – ja, auch Nichtraucher greifen manchmal zu dieser Strategie um die Nacht nicht alleine verbringen zu müssen. 😉 Diese armen Exemplare saßen jetzt vielleicht missmutig an ihren Plätzen und versuchten es bei den Weibchen mit der Frage, ob man die Kerze anzünden solle…oder so.

So ist sie nun, die neue Zeit. Wo man früher geeint im Dunste saß, so sitzt man heute getrennt unter seines Gleichen. Nutzlos geworden sind viele Feuerzeuge! Verängstigt diejenigen, die nur Feuer geben konnten! Was sollen sie jetzt tun? Glücklich die, die die Trennung überwinden können, entweder durch Kompromisse oder durch Aufgabe des alten Lasters! Was früher geeint findet nun auf getrennten Plätzen statt, doch die Sicht wird besser! Ob man alles sehen will, was vorher unter neblig blauem Dunst verborgen lag? Wir werden es erleben…

Doch ich und meine Wollmäuse sind weitergezogen…

Doch vorher habe ich mir noch einen kleinen Schornstein an meinen Schrank gebaut, aus dem der blaue Dunst nun abziehen kann. Denn Raucherräume müssen ja ab jetzt über Abzugsmöglichkeiten verfügen…

Die Schrankkritik

Ich weiß, ich hätte es nicht tun sollen. Aber ich habe es trotzdem getan. Ihr fragt euch jetzt sicherlich, was ich gemacht hab. Ganz einfach, ich habe meinen Schrank verlassen. Nach endlosen Tagen in der ereignislosen Ödnis stieß ich auf eine kleine Stadt. Da dachte ich mir: hey, hier bin ich weit weg von der so genannten Zivilisation, hier kann mir nicht viel passieren! Die haben hier sogar ein bisschen Staub rumliegen und die Größe der Spinnen hält sich auch in Grenzen. Also steuerte ich auf ein kleines Café zu, stieg aus und wollte mir eine ruhige Zeit in dieser kleinen Lokalität machen. Ein bisschen vorsichtig blieb ich natürlich, also suchte ich mir einen Tisch in der Mitte des Raumes, möglichst weit weg vom bevorzugten Lebensraum der Spinnen, den Ecken. Ich ließ mir von der Kellnerin einen Milchkaffee bringen und machte es mir hinter einem nicht näher zu erwähnenden Boulevardmagazin (etwas anderes zu lesen gab es nicht und ich wollte nicht auffallen) so gemütlich wie möglich. In der Zeitung stand mal wieder nur etwas von Skandalen, Katastrophen, Gewalt und der neuesten Politikspielchen. Natürlich alles reduziert auf’s triviale, aber man kann sich ja wenigstens die Bilder angucken, wenn einen der Text schon nervt.

Während ich da also so vor mich hin entspannte – ja, ich gebe zu, ich habe es genossen – da wurde es plötzlich am Nebentisch lauter. Ich guckte interessiert hoch, was denn da so passiert. Da stand die arme Bedienung da und vor ihr ein junger Mann, mit einem imposanten Kaffeefleck auf dem T-Shirt. Der Kaffeefleck war gerade dabei die Bedienung zusammenzufalten, als sich jmd anderes einmischte und sagt, der Kaffeefleck wäre bedingt auch selbst Schuld, da er ohne Vorwarnung aufgestanden sei, als die Kellnerin an ihm vorbei lief. Dass die junge Frau den Zusammenprall gar nicht vermeiden hätte können und so weiter. Gut, nun wusste ich wenigstens wo mein Milchkaffee geblieben war und ich dachte mir auch nichts weiter dabei. Es war eine ganz normale Situation, an der nun niemand explizit schuld war, darüber kann man ja hinwegsehen…dachte ich. Aber nein, der Kaffeefleck ereiferte sich weiter und kritisierte mittlerweile die Kellnerin und denjenigen, der den Vorfall beobachtet und seine Meinung kund getan hatte. Okay, da muss ich Kaffeefleck ja mal verteidigen! Kann ja nicht sein, dass sich jemand erdreistet seine Meinung zu sagen oder ihn, den Kaffeefleck, zu kritisieren! Wo würden wir denn hin kommen, wenn ein Kritiker auch Kritik einstecken müsste, die vielleicht auf seine eigenen Verfehlungen zielt! Zum Glück sind meine Wollmäuse nicht hier, die würden auf Grund dieses skandalösen Verhaltens doch glatt in Ohnmacht fallen!

*räusper*

*klop*klopf*

Noch jemand zu Hause? Wenn ich Kritik loswerde, dann sollte ich doch auch in der Lage sein Kritik einstecken zu können, oder? Um das nochmal zu betonen, ich rede von Kritik und nicht von Beleidigungen oder ähnlichem! Einfach nur von simpler Kritik. Manchmal glaube ich, manche Menschen gehen davon aus, es sei ein Zeichen von Schwäche, wenn sie mal zugeben, dass sie auch nicht ganz optimal gehandelt haben oder einfach mal nachfragen, was genau denn gemeint ist, wenn die Kritik eher allgemeiner Natur war. Ich rede ja nicht davon etwas mit Humor zu nehmen! Gott bewahre! Humor ist ja mittlerweile eher ein Fremdwort für viele geworden. Aber ich schweife ab…

Kaffeefleck war mittlerweile auf Hochtouren angelangt und schien überhaupt nicht mehr für irgendein Argument zugänglich zu sein. Und da zeigte sich mir eine Reaktion, die ich mir kaum erhofft hatte! Eine Reaktion, die mir zeigte es gibt da draußen doch noch Menschen mit Verstand! Die Bedienung und der namenlose Diskussionsteilnehmer schüttelten die Köpfe und ignorierten Kaffeefleck! Sie schüttelten noch kurz die Köpfe und wendeten sich wichtigeren Dingen zu! Genau dies tat ich dann auch und siehe da, nach kurzer Zeit war scheinbar alle heiße Luft aus Kaffeefleck gewichen und er verschwand…einfach so…

Ich freute mich so sehr, dass ich den beiden vernünftigen Menschen zum Abschied eine Wollmaus schenkte mit der Bitte mich doch in Zukunft auf dem Laufenden zu halten und besetzte dann wieder meinen Schrank. Die Einöde schien nicht mehr ganz so trostlos und auch ich hatte wieder neuen Mut gefasst. Kurz vor der Stadtgrenze wurde mir gewahr, wie die Stadt hieß und ich kaufte mir noch schnell einen Wimpel, den ich außen am Schrank befestigte.

So ging es weiter, mit wehendem Wimpel, auf dem stand

…“Denknach“ …

Zuwachs im Schrank

Man mag es kaum glauben, aber in meinem Schrank breitete sich die Langeweile aus. Mein Weg führte mich durch öde Landschaften in denen es kaum etwas zu entdecken gab. Öde und trist flogen Alleen, Städte, Ruinen und Idioten an mir vorbei. Bei letzteren war ich ganz froh, gebe ich zu. Aber da ich mich immer noch weigere, im Gegensatz zu früher, zu extrem meinen Internetzugang zu benutzen, da ich keine Lust auf die Ausgeburten der Internetkultur habe, war es hier im Schrank etwas langweilig. Während eines Zwischenstopps im Niemandsland machte ich aber eine tolle Entdeckung: Unter einem vergessenen Teppich, der in der Gegend rum lag, traf ich eine Kolonie von Wollmäusen! Diese waren natürlich wie perfekt um Leben und Abwechslung in meinen Schrank zu bringen und so dauerte es auch nicht lange, bis ich die putzigen Viecher davon überzeugen konnte bei mir einzuziehen. Nun habe ich hier etwas mehr Gesellschaft und vor allem auch kleine Kundschafter, die sich mal nach draußen begeben können um mich auf dem Laufenden zu halten.

In diesem Sinne: Achtet auf Wollmäuse!

Der Schrank im Grabenkampf

Ich hab es doch tatsächlich geschafft meinen neuen Schrank etwas wohnlicher zu gestalten. Auf dem Boden gibt es jetzt ne schöne Staubmatte, damit eventueller Besuch seine Füße mit vornehmen Staub bedecken kann, bevor er mein Domizil betritt und ich habe auch einen schönen Flußenvorhang vor dem Schlüsselloch, damit ich mich vor den Eindrücken der Außenwelt schützen kann, sofern ich dies will. Und Spinnen hab ich bisher auch nicht gefunden, welch Glück!

Trotzdem ist nicht alles so schön, wie es sein könnte. Ich erwähnte schon, dass es manchmal günstig wäre, wenn man seinen Schrank lenken könnte, oder? Naja, ich kann es halt nicht und so hat mich der Zufall, oder die Vorsehung, hier abgestellt. Was ich durch mein Schlüsselloch sehen kann, wenn ich vorsichtig hinter dem Vorhang hervorgucke lässt mich schaudern. Bis an den Horizont sehe ich Gräben, die parallel verlaufen und gefüllt sind mit Menschen. Zumindest sehen sie aus, wie Menschen. Und diese diskutieren fröhlich vor sich hin, dass es eine wahre Wonne ist. Es ist ein Krach, dass man sein eigenes Wort nicht versteht und ebenso scheint es den Grabenkämpfern zu gehen. Sie reden und reden, aber sagen tun sie nicht wirklich viel. Sie reden gegeneinander, sie reden untereinander und manchmal hat man den Eindruck sie reden mit sich selbst. Ein Grabenkampf an allen Fronten, könnte man sagen. Nur miteinander reden sie nicht…

Es ist an sich faszinierend. Die Worte verlassen unschuldig den Mund des Grabenkämpfers, wobei sie vergleichbar sind mit einem Schmetterling. Eine solide Verbindung aus Form und Inhalt, nicht dazu gedacht Schaden anzurichten. Aber sobald sie in den Verständnishorizont des Gegenübers kommen verwandeln sie sich in eine Mischung aus Küchenschabe und Stechmücke. Schäbig anzusehen, verletzend und sinnentleert. Die Verwandlung ist ganz deutlich zu sehen, aber keinem der Grabenkämpfer scheint sie aufzufallen. Faszinierend eigentlich…

Und während ich so sinniere schieben sich doch tatsächlich eine Satzfetzen in meinen Schrank und schwirren nervtötend und aus dem Zusammenhang gerissen um mich herum. Ich lasse sie eine Zeit lang gewähren, bis es mir zu bunt wird. Ich fange sie und schnüre sie zusammen, suche nach den letzten Resten klebriger Spinnweben um sie vielleicht doch noch einem sinnvollen Zweck zuzuführen. Die Worte wehren sich, doch nach kurzer Zeit habe ich sie gebunden. Gebunden in Spinnweben, geordnet im Kreis. Mit hübschen Flusen verziert und an strategischer Stelle angebracht um mein Fortkommen zu sichern!

Ich habe ein Lenkrad, geformt aus einzelnen Worten…

Hinter

dem

Tellerrand

gibt

es

auch

noch

Richtiges