besorgte-buerger-pratchett

They’re out there burning houses down and peddling racist lies

Deutschland 2016. In Clausnitz kommt ein Bus mit Flüchtlingen an. Es erwarten sie drei Gruppen: Flüchtlingshelfer, Polizei und Flüchtlingsgegner. Was sich dann abspielt ist beschämend für dieses Land. „Zu Gast bei Freunden“, brüstete sich Deutschland vor einigen Jahren, der fröhliche Party-Patriotismus wurde gefeiert. Die Party ist vergangen, der Patriotismus geht mit dem Nationalismus und Fremdenhass ins Bett, „ganz normale Bürger“ skandieren „Wir sind das Volk“ und wohl noch mehr: „Die wütenden Leute vor dem Bus hätten geschrien: „Mal sehen, was hier für Ungeziefer aussteigt!“, „Weg mit dem Gelumpe!“ oder „Asylantengesindel!““

Aber, so schlimm wie die Flüchtlingsgegner dämlichen Rassisten sind, die den Bus auf diese urdeutsche Art in Empfang nahmen, das Verhalten der Polizei toppt – mal wieder – selbst dieses Trauerspiel. Unter dem Applaus des Mobs zerrt ein Polzist ein offensichtlich(!) völlig(!) verängstigtes(!) Kind(!) mit Gewalt(!) aus dem Bus. Schwitzkasten, kurz vor Polizeigriff. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Polizei hier wieder irgendwelche einsatztaktischen Gründe finden wird, die das Vorgehen rechtfertigen sollen. Aber das Vorgehen ist nicht zu rechtfertigen.

Anstatt die Situation außerhalb des Busses zu entschärfen, dürfen die aufrechten Deutschen anscheinend ziemlich ungestört den Geist von ’33 wieder aufleben lassen. Nur ein paar Meter trennen den Mob  vom Bus. „Um 19.20 sei der Bus vor Ort angekommen, sagt die Sprecherin. Erst gegen 21 Uhr konnten die Flüchtlinge die Unterkunft betreten.“ Fast zwei Stunden, in denen es die Polizei nicht geschafft hat, den Platz soweit zu räumen, dass sich die Menschen im Bus zumindest trauen auszusteigen.

„Wir als Polizei müssen die Neutralität in unseren Einsätzen wahren. Das fällt uns in dieser Situationen wirklich schwer“, schreibt die Polizei Sachsen auf Facebook. Der Polizist im Video (und wahrscheinlich ein paar seiner Kollegen) haben die Neutralität der Polizei schon verletzt. Wer schutzbedürftige Menschen mit Gewalt in eine Gefahrenzone schleppt, ist nicht mehr der Arm des Gesetzes, er ist der Arm des Mobs. Armes Deutschland.

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