Laternen und dumme Menschen

Verehrte Leser, wer es bis zu diesem Punkt geschafft hat: eigentlich sollte dieser Eintrag kein Rant werden und eigentlich wollte ich mich auch nicht mit einem Rant zurückmelden. Beim Schreiben hat sich aber herausgestellt: ein Rant ist genau das, was ich gerade brauche. Diese tägliche Dummheit, die einem entgegenschlägt, ist manchmal einfach zu viel. Ich bitte um Verständnis.

So eine Fußnote. Vor fast genau zwei Jahren. Heute konnte man bei NWZonline lesen:

Pöbel-Attacke auf Oldenburger Kindergarten

Ja, was ist denn da los? Ganz einfach: Es gibt einen Laternenumzug. „Weil sie den Martinsumzug angeblich zum Laternenfest gemacht hat, bekommt eine Kita in Oldenburg hässliche Post aus der ganzen Republik. Die Wutbürger-Seele kocht.“

Wäre es nicht erst November, könnte man ja jetzt singen: „Alle Jahre wieder“, das ziert sich aber nicht. Stattdessen widerspreche ich zunächst mal dem Kollegen1 Schwerdtfeger. Da kocht nicht die Wutbürger-Seele, da tippen sich dumme Menschen die Finger wund. Seele, was ja ein bisschen verinnerlichtes Christentum voraussetzen könnte, halte ich für etwas hochgegriffen.

Der Elternbrief, der „im Netz die Runde“ macht, wurde – soweit ich das nachvollziehen kann – von „Metropolico“ verbreitet. Der Wiki-Artikel zu diesem bayrischen PI-News ist recht aufschlussreich. Der Autor mit dem bezeichnenden Kürzel „BS“ verschwendet eine Menge Zeilen in seinem Artikel „Laternenfest und Geflügelwürstchen“ mit einer Rekapitulation vom 2013-„Aufreger“. Im letzten Teil geht es dann aber aktuell und völlig falsch um Oldenburg.

Das linkspolitische Anliegen, christliche Riten auszuschalten, scheint jedoch vermehrt Zuspruch zu erfahren, da immer mehr Kindergarten- und Kita- Einrichtungen unter dem Begriff der angeblichen Toleranz diesem Diktat folgen und den seit Jahrhunderten gepflegten christlichen Brauch in „Sonne-Mond-und-Sterne-Feste“ oder, wie die AWO-Kindertagesstätte in Oldenburg, in ein „diskrimminierungsfreies Laternenfest“ verwandeln. In einem Elternbrief werden diesbezüglich wichtige Informationen über den Ablauf des diesjährigen „Laternenfestes“ aufgeführt. Nach dem Abschluss des illuminierten Rundgangs können neben Kakao und Punsch, alternativ- und ausnahmslos, „Geflügelwürstchen“ erstanden werden. Auf jeden Fall freuen sich die Mitarbeiter der AWO-Kita in vorauseilendem Gehorsam schon einmal auf ein schönes „Laternenfest“.

Also…selbst wenn es sich um einen Martins-Umzug handeln würde, was es laut der NWZ nicht tut2 und worum es sich schon allein aufgrund des Datums überhaupt nicht handeln kann, wäre zumindest das Reichen von Geflügel durchaus christlicher, als das Reichen von Schwein. Gans ist ja schließlich Geflügel. Es gibt auch durchaus Alternativen zum Geflügel, nur nicht in Würstchenform, wie man auch im Elternbrief lesen kann, den ich hier nochmal hochlade.3

Elternbrief des Kindergartens. Mit angebotenen Alternativen zur Wurst.
Elternbrief des Kindergartens. Mit angebotenen Alternativen zur Wurst.

Eine Alternative zur Wurst, die aber keine Wurst ist, ist ja aber für Deutsche keine Alternative. So inhaltslos der Artikel auch ist, bei Facebook reicht es für einen Aufreger der „Fans“ von „Metropolica“. Auf der Facebook-Seite dieses „Nachrichtenportals“ ätzen sich die Schreiber den rechtem Arm steif. Darunter auch so putzige Exemplare wie der – laut Profil in der Schweiz lebende – Wolfgang Berthold mit der schönen URL musel.mane, der von der AWO eine Stellungnahme fordert:

Guten Tag.
Ich wollte mich nur mal erkundigen warum beim Sankt-Martins-Umzug nun Geflügelwürstchen serviert werden und nicht wie früher Schweins Produkte? Es kann doch nicht sein das wir in einem Christlichen Land all unser Kulturgut sowie unseren Chri
stlichen Glauben mit Füssen treten, nur, weil Muslime am Fest teilnehmen??? Ich denke das kein Muslimer gezwungen wurde in Deutschland oder überhaupt in Europa, zu leben. Wenn die Muslimen hier freiwillig leben dann müssen diese sich anpassen und nicht wir Christen!!!! Ich selber habe auch 2 Jahre im Iran verbracht. Und dort mussten wir Europäer uns anpassen. Da sollten Sie einmal drüber nachdenken. Sollte das wirklich so kommen wie beschrieben werde ich mit meinen Enkelkindern an diesem Umzug nicht teilnehmen. Und ich bin weis Gott nicht Ausländerfeindlich eingestellt. Aber in Deutschland müssen unsere Bräuche respektiert werden!!!

Ich hoffe auf eine Stellungnahme Ihrerseits.

Ich weiß echt nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Toll ist auch „Na Dine“4, die erkannt hat, dass das so nicht stimmt, aber irgendwie merkwürdige Schlüsse zieht: „Die Kindergärten, die nun zu dem Namen switchen nehmen Muslime als billige Ausrede, um den Aufwand zu verringern und die Sicherheitsvorkerhungen für das Feuer zu sparen. Wenn andere schuld sind, ist halt einfacher.“ Bei der AWO Weser-Ems beweist hingegen Martin Nowak, wie es um die grundlegenden Kulturtechniken der besorgten Bürger bestellt ist.

Wenn wir sowas verteidigen, wenn wir das christliche Abendland verteidigen, dann kann ich nur sagen: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit…

 

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  1. Ich arbeite als freier Mitarbeiter für die NWZ []
  2. „„Wir haben das Fest nicht umbenannt“, sagt Awo-Sprecherin Hannelore Hunter-Roßmann auf NWZ? -Nachfrage. Seit Jahrzehnten heiße der Umzug Laternenfest. Mit dem Martinsfest, das im Andenken des Heiligen Martin, des Bischofs von Tour gefeiert wird, habe der Laternenlauf auch nichts zu tun, beteuert sie. Die zeitliche Nähe zum Todestag des Heiligen am 8. November sei eher zufällig.“ []
  3. Liebe AWO, wenn ich das nicht soll, sagt bitte Bescheid. []
  4. Kreativ, wikrlich… []
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