Warum „political correctness“ Blödsinn ist

Man hört immer wieder, dass „Political Correctness“ hierzulande übertrieben wird. Es gehe zu weit, wenn man die „Zigeunersoße“ nicht mehr so nennen dürfe, der Verlust der „Negerküsse“ sitze immer noch zu tief. Auch die Abart der „PC“, das „Gender-Mainstreaming“ wäre etwas zu viel des Guten. „Bundeskanzlerin“ gehe ja noch in Ordnung, aber „Studenten“ umfasse nun wirklich alle Geschlechter.

Es stimmt, der Begriff der „political correctness“ ist ausgemachter Blödsinn. Nicht nur, weil „Politik“ in den Augen vieler ausgemachter Blödsinn ist, sondern weil es nichts mit „politischer Korrektheit“ zu tun hat, wenn man Wörter wie „Neger“, „Schwuchtel“, „Zigeuner“ o.ä. mehr sagt. Es hat etwas mit Menschlichkeit zu tun. Es hat damit zu tun, dass man beleidigende Begriffe vermeidet. Wenn Menschen mit einer anderen Hautfarbe nicht als „N…“ bezeichnet werden wollen, sondern als „Schwarze“ oder Afrodeutsche/-amerikaner/-…, dann ist das ihr gutes Recht, weil das N-Wort ihnen in Zeiten der Unterdrückung und Sklaverei aufgedrückt wurde. Wer das, beispielsweise als „Deutscher“ nicht versteht, der müsste eigentlich auch kein Problem damit haben, wenn man ihn als „Nazi“, „Mof“, „Boche“ oder „Kraut“ bezeichnet. Wer den generischen Maskulinum verteidigt, der muss sich fragen, warum er den generischen Femininum so vehement ablehnt, ist es doch nur die andere Seite der gleichen Medaille.

„Politische Korrektheit“ wird heute gerne abwertend benutzt, man rühmt sich, wenn man es wagt, „inkorrekt“ zu sein. Der Begriff hat einen Bedeutungswandel durchgemacht, der Kampf gegen „übertriebene“ Korrektheit wird wacker geführt, d.h. es werden wacker weiter beleidigende und diskriminierende Begriffe benutzt. Hat man ja schon immer so gemacht.

„Politische Inkorrektheit“ hat dabei eigentlich nie etwas damit zu tun, dass man seine Meinung sagt. „Politisch inkorrektes“ Verhalten ist kein Aufbegehren, es ist gelebte Beleidigung und Diskriminierung. Wer also diese Inkorrektheit vorschiebt, will sich eigentlich nur nicht eingestehen, dass er andere beleidigt und diskriminiert. Wer sich „politisch inkorrekt“ verhält, verhält sich menschlich inkorrekt.

2 Gedanken zu „Warum „political correctness“ Blödsinn ist“

  1. > Wer das, beispielsweise als “Deutscher” nicht versteht, der müsste eigentlich auch kein Problem
    > damit haben, wenn man __ihn__ als “Nazi”, “Mof”, “Boche” oder “Kraut” bezeichnet.
    > Wer den generischen Maskulinum verteidigt, der muss sich fragen, warum __er__ den generischen
    > Femininum so vehement ablehnt, ist es doch nur die andere Seite der gleichen Medaille.

    Oder „sie“! Dein Artikel (dem ich im Grunde durchaus zustimme) zeigt sehr schön, wie tief die generisch maskulinen Formen eben doch im Sprachgebrauch verankert sind. Und dass es nicht gerade leseförderlich ist, wenn man sie alle ersetzen würde. Gilt übrigens auch für das „der“ („der muss sich fragen“).

    Gruß
    Martin

  2. Ich könnte jetzt behaupten, dass das absolut absichtlich war. War es nicht. Ich gestehe, bei solchen allgemeinen Aussagen (wer etwas tut, der…) unterlasse ich in der Regel das Gendern. Gendern ist halt auch eine Frage der Gewöhnung und in allen Bereichen hat sich diese Gewöhnung noch nicht durchgesetzt bzw. ich suche noch für mich selbst nach praktikablen Lösungen. Im Deutschen ist es außerdem manchmal tatsächlich schwierig, weil gewisse grammatikalische Konstruktionen halt mit dem maskulinen, grammatikalischem Geschlecht funktionieren.
    Aber hier passt es trotzdem^^

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