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Kreide kotzen – Römisch Eins

Ein paar (mehr) Semester Lehramtsstudium und dann im Referendariat merken, dass die Lehre an allgemeinbildenden Schulen nun echt nichts für einen ist. Diese Erkenntnis und der daraus resultierende Abbruch sind Dinge, die man erstmal verdauen muss. So langsam bin ich mit dem Verdauen durch und kann anfangen, die 12 Monate zu reflektieren.

Man hört immer mal wieder schlechtes über das Referendariat. Nicht alles, aber vieles davon stimmt. Einiges ist abhängig vom Bundesland, bedeutend mehr ist abhängig von den so genannten FachleiterInnen1, also den Menschen, die „JunglehrerInnen“ das nötige Handwerkszeug beibringen sollen. Bundesland, FachleiterInnen und, auf quasi unterster Ebene, SchulleiterInnen und KollegInnen zeichnen sich verantwortlich für die Ausbildung der neuen Generation an Lehrenden.

Für alle Beteiligten gilt, dass man es mit einem Querschnitt der Bevölkerung zu tun hat. Man trifft Alkoholkranke, Misanthropen, Egomanen, aber auch wirklich aufopfernde und hilfsbereite Menschen. Was auf der „untersten“ Ebene fast allen gemein ist: FachleiterInnen werden für eine ganz besondere Spezies gehalten.

Halte durch. Mach, was die sehen wollen. Danach kannste machen, wie und was du willst.

Es ist schon eine besonders negative Auszeichnung für Ausbildende, wenn so eine Meinung vorherrscht. Mir ist auch sonst kein „Ausbildungsberuf“ bekannt, in dem Ausbildende einen so negativen Stand im Rest des Berufes haben.

Diese negative Einstellung ist wohl darauf zurückzuführen, dass kaum jemand die Bewertungsmaßstäbe versteht, nach denen ReferendarInnen letztendlich bewertet werden. In der Theorie ist es so, dass die jeweils gültige APVO-Lehr vorgibt, was junge Menschen im Referendariat lernen sollen bzw. müssen. Die in der Anlage der APVO-Lehr definierten Kompetenzen klingen wichtig, sind aber sehr allgemein gefasst. In der Durchführungsverordnung steht etwas mehr, aber im Endeffekt ist es so, dass man nicht „Unterricht nach Vorschrift“ macht, sondern „Unterricht, der dem/der FachleiterIn gefällt“. Es ist also an den Ausbildenden, ihre Ansprüche und Erwartungen transparent zu machen. An „meinem“ Studienseminar gelang das einem Fachleiter, da er die Grundlagen und Bildungsziele seines Faches auch auf die Ausbildung angewendet hat. Die Ansprüche waren hoch, aber es war in der Regel nachvollziehbar, was erwartet wurde und was nicht.

Das war 1/3 meiner Fachleitenden. Über die beiden anderen kann ich wenig positives berichten. In meinem Hauptfach war es allerdings besonders „schlimm“. Man muss allerdings zwischen dem Fachlichen und dem Zwischenmenschlichen unterscheiden. Beim Fachlichen war es so eine Sache:

Während mir ein durchaus gutes Fachwissen und eine durchaus gute Allgemeinbildung attestiert wurden, merkte man doch häufiger, dass auch beim Fachwissen die Vorlieben des Fachleiters entscheidend waren. Wenn man zugab, dass man mit Goethe, bis auf kleinere Ausnahmen, wenig anfangen kann, so wurde dies zwar als „Ehrlichkeit“ geadelt, nur um kurz darauf im GAST2 zu einer Abneigung gegen Goethe, Kleist und sonstwen zu mutieren. Man solle doch auch überlegen, ob man, wenn man Goethe nicht möge, als Deutschlehrer geeignet sei. Die persönlichen Vorlieben sind bestimmend. Besonders deutlich wurde dies beim Thema der 2. Staatsexamensarbeit.3 Während bei der Themenbesprechung4 alles gut war und das Thema auch angenommen wurde, verging danach kaum ein Gespräch in dem nicht betont wurde, dass Filme ja nicht Bestandteil des Deutschunterrichts seien.5 Es ist „hinterfotzig“, wenn man solche grundlegenden Ansichten erst offenlegt, nachdem schon ein entsprechendes Thema eingereicht wurde. Wie sollte ich mich als Referendar eigtl. fühlen, wenn mir regelmäßig deutlich gemacht wird, dass mein zu bearbeitendes Thema nach Ansicht des Prüfers nicht Bestandteil des Deutschunterrichts ist? So ein Verhalten ist intransparent und vor allem zwischenmenschlich völlig daneben.

Zwischenmenschlich, ja das Zwischenmenschliche ist auch so eine Sache. Bei einem Unterrichtsbesuch6 stand mein Deutschfachleiter mit der Pädagogik-Fachleiterin und einem Mitreferendar im Lehrerzimmer meiner Schule und alle warteten auf mich. Mein Klassenraum war etwas vom Lehrerzimmer entfernt, also brauchte ich etwas. Der Fachleiter sagte7 während des Wartens wohl folgendes:

Das tut dem Herrn Flint mal ganz gut, sich etwas mehr zu bewegen.

Wertende Kommentare über mein Gewicht. Ach, wie erfrischend. Ich könnte ja jetzt was darüber sagen, was dem Herrn Fachleiter mal ganz gut tun würde, aber das wäre unsachlich.8 Andere, meist männliche Referendare, hatten und haben von diesem Fachleiter übrigens ähnlich persönliche Äußerungen zu berichten. Eine Freundin, die an einem anderen Studienseminar war, sagte zu meinem Abbruch:

Kann ich verstehen. War die härteste Zeit meines Lebens und jeder, der sagt, er lässt sich nicht erniedrigen [und hört deswegen auf], für den habe ich vollstes Verständnis.

Natürlich ist es nicht nur so, dass die Bewertung kryptisch ist. Man bekommt recht schnell ein Gefühl dafür, was die Ausbildenden sehen wollen und was nicht. Was allerdings schnell verloren geht: Der Glaube an und die Achtung der eigenen Fähigkeiten. Zu Beginn des Referendariats sagte der damalige Seminarsleiter:

Sie werden viel Kritik zu hören bekommen, aber vergessen Sie nie: Sie sind erwachsene Menschen mit einem Universitätsabschluss.

„Ich habe schon etwas erreicht!“ Diese Einsicht wird wahrscheinlich für viele während des Referendariats zum Mantra.9 Und man muss es sich tatsächlich immer wieder vor Augen halten, dass man schon etwas geschafft hat. Durch die Struktur der Lehrerbildung in Deutschland startet man mit viel Fachwissen und wenig Praxiswissen in den Berufsalltag. Dabei ist es nur logisch, dass man viele Baustellen hat, auf denen man gleichzeitig arbeiten muss. Das bisschen Methodik und Didaktik, welches man während des Studiums mitbekommt, rettet einen nicht wirklich über das Referendariat. Planung und Durchführung von Unterricht ist ein Knochenjob mit viel Verantwortung. Entsprechend erstaunlich ist es, dass man kaum etwas positives über die Praxisausbildung hört. Die Erkenntnis, welche einen fast zwangsläufig ereilt, wenn man selbst im Referendariat ist oder wenn man Artikel über die neuesten Eskapaden eines Kultusministeriums hört, ist einfach: Es ist politisch gewollt, dass junge Lehrende an ihre Grenzen und über die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit hinaus getriezt werden. Das Referendariat ist ein Boot Camp für die Nerven und das eigene Selbstwertgefühl.10 Ebenso politisch gewollt ist es aber, dass die Ausbildung der Referendare zu weiten Teilen jeglicher Kontrolle und Evaluation entbehrt. In der Wikipedia steht ein Satz, den man leicht überliest:

Bemerkenswert ist, dass weder für den Beruf des Lehrers noch des Juristen eine qualifizierte Evaluation des Referendariats vorliegt.

Erschreckend ist dieser Umstand aber nicht nur auf Grund des Berufes, der da ausgebildet wird.11 Erschreckend ist diese fehlende Evaluation und Beobachtung auch, wenn man Sätze wie diesen hier liest:

Der Personalrat [des Studienseminars Meppen] begrüßte die Neuankömmlinge mit dem Satz: „Wir sind das Studienseminar in Niedersachsen mit der höchsten Selbstmordrate.“

Auch an meinem Studienseminar gab es, soweit ich weiß, in den letzten Jahren mindestens einen Selbstmord. Was genau Menschen in den Selbstmord treibt, kann natürlich nicht genau gesagt werden, das sind stets Einzelfälle. Was aber an die Nieren geht, ist, neben dem Stress, Kritik, die unsachlich gegen einen selbst gerichtet ist. Beispiele habe ich schon in Ansätzen geliefert, vielleicht noch ein anderes „Kleinod“, welches für sich genommen harmlos ist, aber in der Gesamtschau seinen Teil beiträgt:

Sie haben ‚okay‘ gesagt. ‚Okay‘ ist der Sprache eines gymnasialen Deutschlehrers nicht angemessen.

das mag harmlos klingen, aber es sagt viel über die subjektiven Vorstellungen und Bewertungsgrundlagen einiger Fachleiter aus.
Für diesen Teil abschließend noch eine Beobachtung aus dem Seminaralltag. Als angehende Lehrkraft wird einem unter anderem eingetrichtert, dass man Methoden nicht um der Methode willen einsetzen soll, sondern Methoden immer als adäquates Mittel zur Erreichung der Lernziele einsetzt. Gerade im pädagogischen Seminar sah es aber zum Beispiel so aus, dass zu 99% Gruppenarbeiten eingesetzt wurden, welche man entsprechend nach spätestens zwei Monaten nicht mehr sehen konnte. Ferner klappte die Zeitplanung in 99% der Fälle beim pädagogischen Seminar nicht, so dass es selten zu einer wirklichen Reflexion der „Inhalte“ kam. Konkrete Arbeitsanweisungen waren auch gerne mal etwas, was zwar die ReferendarInnen immer liefern mussten, was aber von den Ausbildenden des Öfteren sträflich vernachlässigt wurde. Wenn ein ganzer Raum voller Akademiker überhaupt nicht versteht, was gerade passieren bzw. wie genau das Thema jetzt eigentlich bearbeitet werden soll, dann liegt der Fehler eher selten bei dem Raum voller Akademiker. Besonders ärgerlich und frustrierend wird es dann, wenn die mangelnde Klarheit der Arbeitsanweisung in einem „falschen“ Ergebnis mündet. Aus dem Deutschseminar:

„Erschließen Sie den Text für sich“, das war die Arbeitsanweisung. es ging um einen Zeitungsartikel. Wir erschlossen für uns, jeder für sich. Danach forderte der Fachleiter uns auf, unsere Randnotizen vorzulesen. Die Ergebnisse wurden von ihm mit „versteh ich nicht“ quittiert. Natürlich versteht er es nicht. Wir sollten a) den Text für uns und nicht für eine andere Person erschließen und b) die Notizen so vorlesen, wie sie bei uns auf dem Zettel standen. Der Fachleiter wollte Strategien der Texterschließung darstellen, hat so aber höchstens die Inkonsequenz der eigenen Ansprüche dargestellt.12

Die Lehramtsausbildung befindet sich in einem merkwürdig losgelösten Raum zwischen Realität und Anspruch, zwischen Machbarkeit und Wunschtraum, zwischen Vorbereitung/Ausbildung und verheizen von jungen Menschen.

Diese Reihe wird in unregelmäßigen Abständen fortgesetzt. Mittlerweile häufen sich die Meldungen von ehemaligen MitreferendarInnen, die aufgehört haben. Vielleicht ist ja jemand bereit, über die Gründe zu reden.

Zu allen Artikeln der Reihe
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  1. Ich gehe jetzt immer von Niedersachsen und meinen Erfahrungen an „meinem“ Studienseminar aus. []
  2. Gespräch zum Ausbildungsstand []
  3. Also bei dieser 15 Seiten Alibiarbeit, die wohl angeblich demnächst abgeschafft wird bzw. teilweise schon abgeschafft ist. []
  4. grob: Film im Deutschunterricht. []
  5. Ein Standpunkt, der sowohl faktisch als auch praktisch sehr zu hinterfragen ist. []
  6. Oder war es nicht sogar eine Lehrprobe? []
  7. Im Lehrerzimmer, dabei lachend. []
  8. Und im Gegensatz zu diesem gestandenen Herrn habe ich verstanden, wie man professionell miteinander umgeht. []
  9. Bei mir auch, aber es reichte irgendwann einfach nicht mehr. []
  10. Von den Auswirkungen auf das Privatleben einmal ganz zu schweigen. []
  11. Lehrer entscheiden über die Zukunftsaussichten vieler Kinder. []
  12. Solche und ähnliche Beispiele gab es öfters. Kettenfragen, Ein-Wort-Antworten, „raten“ von Seiten der ReferendarInnen, weil Fachleiter genau ein Wort hören wollte usw. []
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30 Gedanken zu „Kreide kotzen – Römisch Eins“

  1. Ich muss tatsächlich gestehen, dass sich die „schönen“ Erlebnissen doch sehr in Grenzen hielten. ein paar Schüleräußerungen, ja. Von Seiten der Fachleiter, hm, da muss ich länger überlegen.

  2. Ich kann das meiste gut nachvollziehen, sehr vieles davon habe ich selber erlebt (in Bayern). Mein Grund, warum ich beinahe abgebrochen habe, war ebenso: Die Erniedrigung. Das Nichternstnehmen, das planvolle Spiel: „Ich musste das auch durchmachen, also musst Du auch.“ Dummerweise war ich zudem schon älter, nämlich 35, und hatte vorher eine Führungsaufgabe in einem großen Unternehmen. Das meiste war wohl nicht böse gemeint, sondern schlicht „Hammaimmerschosogmacht“ und Bequemlichkeit, einiges aber doch, und das war etwa der „Betreuungslehrer“ (kein Fachleiter oder Seminarlehrer, sondern einfach ein „Kollege“, der mich „anleitete“ im Einsatzjahr), der mich Schulaufgaben dreimal korrigieren ließ, oder mir mitfühlend mitteilte, dass mein Unterricht „überhaupt nichts taugt“. „Sie müssen viel mehr loben!“ – jaja, ich warte noch heute vergeblich auf ein Vorbild, diesbezüglich. Vieles systematisch falsch, ja.
    Interessant: Bist du mal kurz vor dem Ende, gehörst du dazu. So zumindest mein Gefühl. Jetzt gilt es, selbst in der Aufgabe, Referendare zu „betreuen“, nicht die erlebten Fehler zu wiederholen. Problem dabei könnte sein (ist es so?): Wenn das alles stimmt, was Du und ich hier schreiben – wird sich kein Referendar trauen, mir zu sagen, dass mein Verhalten ihn verletzt. So setzt sich das dann fort…

  3. Gott bin ich froh, dass ich offenbar in einem der wenigen wirklich guten Seminare gelandet bin. Klar haben auch meine Seminarlehrer ihre Macken und Eigenheiten, diese scheinen mir bisher aber nicht so schlimm zu sein, dass irgendjemand ernsthaft darunter zu leiden hätte.
    So war der erste Ausbildungsabschnitt an der Seminarschule arbeitsintensiv aber lehrreich und definitiv „machbar“, und jetzt im zweiten Abschnitt genieße ich die Freiheit von der doch sehr regelmäßigen Beobachtung (wenngleich letztere eigtl. immer mit konstruktivem Feedback verbunden war).
    Und auch mein Privatleben leidet bisher nicht: Ich habe im ersten Ausbildungsabschnitt kirchlich geheiratet und war bereits vorher Vater (Kind jetzt ca. 1,5 Jahre alt). Geht alles, wenn man etwas Zeitmanagement betreibt und bei der Stundenvorbereitung eine Kosten/Nutzen-Abwägung betreibt. Gerade letzteres scheint – auch in meinem Seminar – den meisten Referendaren völlig abzugehen. Mir kann niemand sagen, dass es sich (für Lehrer oder Schüler) lohnt, 3 Stunden oder mehr für eine einzelne 45minütige Unterrichtsstunde aufzuwenden. Lehrproben einmal außen vorgelassen.
    In einem anderen Job bereitet man sich ja auch nicht stundenlang für eine 15minütige Telefonkonferenz oder so vor…
    Aber, was du im ersten Abschnitt andeutest: Ich glaube bei vielen ist der „Realitätsschock“ nach dem Studium extrem groß. Und wenn man erst im Ref merkt, dass LehrerIn doch nicht der Traumberuf ist bzw. ganz anders ist, als man sich das so nach der Schule vorgestellt hat, dann steht man mit „nur“ einem Lehramtsstudium (und dann noch in einer „brotlosen Kunst“) recht blöd da. Hier finde ich, müsste an den Unis viel mehr getan werden, um die zukünftigen Lehrer auf den Alltag vorzubereiten. Mehr Praktika und v.a. mehr eigenverantwortliche Praktika. Also wirklich mal mehrere Stunden pro Tag/Woche vorbereiten, eine Klassenarbeit oder einen Test konzipieren und korrigieren, sich allein in einem Raum mit 30 pubertierenden Kindern durchsetzen usw.

    Und ja, eine echte Evaluation und regelmäßige Überprüfung der Ausbildung und Ausbildenden der Referendare wäre dringendst nötig. Aber wer im KM hat daran echtes Interesse?

    Viele Grüße
    Martin

  4. Ja, der Praxisschock ist natürlich groß. Da muss definitiv was getan werden, aber das ist ja „böse DDR-Ausbildung“. Ich habe bisher sehr viel Rückmeldung erhalten, die ich nach und nach in den nächsten Artikeln unterbringen werde. Vieles hängt tatsächlich am Seminar, wobei auch da die Frage bleibt, ob das so Sinn der Sache sein kann.
    Die Überlegung mit dem „Lehramtsabschluss“ war bei mir auch da, allerdings bin ich ein gut ausgebildeter Geisteswissenschaftler, auch wenn bei mir nicht Magister auf dem Zeugnis steht.
    Feste „Mentoren“ gab es an meiner Ausbildungsschule übrigens nicht. Darauf komm ich auch noch mal zu sprechen.

  5. Ich habe anderorts den Berufseinstieg gemacht und deshalb mit leichtem Befremden das deutsche Refendariat bei anderen miterleben dürfen.
    Kann ich ziemlich viel unterschreiben, u. a.
    – die völlig subjektive Herangehensweise – was der „Meister“ macht, hat der „Schüler“ zu kopieren, Glaubensinhalte des „Meisters“ sind zu übernehmen oder zumindest nicht zu diskutieren. Und wenn der „Meister“ im Jahre 2012 den Computer per se ablehnt, wird der Referendar seinen gesamten Einsatz lang keinen Beamer einschalten müssen – und dann in der nächsten Schule womöglich mit genau entgegengesetztem Stil konfrontiert. Eigentlich irre. Persönlicher Stil ist ja eine schöne Sache, aber der Referendar ist kein Klon des Betreuungslehrers. Und der Betreuungslehrer bei aller Selbstüberschätzung nicht Gott.

    – die Panik der Referendare. Ich fand die zum Teil auch völlig kopflos hysterisch – anscheinend steigen manche auf den erwarteten Terror der ausbildenden Lehrer total ein. Manchen Referendaren war es ein Anliegen, jeden Anspruch des Betreuungslehrers zu 120% überzuerfüllen. Lehrproben wurden gerne über mehrere Wochen vorbereitet, mit Schülerbestechung im Vorfeld der Klasse versüßt und mit völlig überzogenen Materialfeuerwerken ausgestattet. WARUM sagt da kein Direktor und Ministerialbeamter „Stop?“ – Völlige Ressourcenverschwendung, testet für die Praxis gar nichts. Eine sinnvolle Lehrprobe wäre: Referendar erhält um 8 Uhr Unterrichtsthema und Namen der Klasse; Referndar muss um 11 Uhr eine Unterrichtsstunde abhalten. Das 5x oder so. Das wären mal halbwegs realistische Bedingungen!

    Und die Betreuungslehrer sollten NACH abgeschlossenem Refendariat ihrer Azubis durch anonyme Fragebögen ordentlich „befeedbackt“ werden. Wenn da rauskommt, dass „mehrere Referendare lang“ der Betreuungslehrer keine eigenen Methodenschwerpunkte setzen ließ oder bestimmte Methoden nie machte (das Kumi weiß ja, was es haben will), dann betreut er halt in Zukunft keine Referendare mehr. Das kann doch nicht so schwer sein, so etwas zu organisieren.

    NB: An alle Praktikanten, die hier mitlesen:
    es ist ein Unding, wenn bei Unterrichtsbesuchen Praktikanten
    – Zeitung aufschlagen
    – Quatschen
    – Brotzeit auspacken
    – Romane lesen
    – Handy einschalten
    – vom Lehrer ausgegebene Arbeitsblätter, die sie auch erhalten, hingebungsvoll mit kleinen bunten Drachen ausmalen.*

    Macht sowas NUR, wenn Ihr Euch in den Augen des Lehrers möglichst schnell disqualifizieren und eventuell einen schönen Eklat provozieren wollt.

    Dieser wertvolle, offenbar notwendige Hinweis war meine kleine gute Tat für heute.

    * Alles bei mir oder Kollegen so vorgekommen.

  6. Pingback: » Kreide fressen
  7. Oh Mann, das klingt wirklich nach einer schlechten Erfahrung. Mittlerweile habe ich, allerdings erst nach meinem eigenen Referendariat, auch die miesen Fachleiter des Seminars kennenlernen dürfen. Da gibt es neben all den netten Fachleitern durchaus menschliche Fehlgriffe, deren Existenz am Seminar ich mir nur dadurch erklären kann, dass man sie mit aller Kraft von den Schülern fernhalten will.

    Bleib aufrecht und alles Gute bei der Jobsuche!

  8. Ja, die Besetzung dieser Stellen ist so eine Sache. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, dann wird das, zumindest in Niedersachsen, fast komplett „seminarintern“ geregelt, d.h. nur die am Seminar befindlichen entscheiden. Da muss ich mich aber nochmal schlau machen, ob das tatsächlich so ist.

    Und vielen Dank, ich werd schon was passendes finden…hoffe ich…

  9. Einige Kolleginnen und Kollegen sind schon so weit, die Zusammenarbeit mit Fachseminaren komplett zu verweigern, sprich keine Referendare oder eben nur noch auf dienstliche Anweisung hin zu betreuen.
    Das ist doof, weil es die Referendare trifft und hält mich bisher noch von diesem Schritt ab. Ich bin mir nicht sicher, ob die Rahmenbedingungen (z.B. „Mitwirker“) an den niedersächsischen Ausbildungsseminaren so sind, dass sich Leute angesprochen fühlen, die mit Herzblut Lehrer und Mensch sind – die sind wahrscheinlich eh eher bei ihren Schülerinnen und Schülern.
    Meine guten Erfahrungen mit Fachleitern gibt es durchaus – aber dass sie die Regel sind, vermag ich nicht zu behaupten.
    Wer sich als Mitwirker an einem Ausbildungsseminar engagiert, verdient eigentlich höchsten Respekt, da die Gegenleistung seitens des Dienstherrn – sage wir mal – „moderat“ ausfällt – zumindest nach meinen Maßstäben.
    Deswegen finde ich, dass eine regelmäßige externe Inspektion der Ausbildungsseminare stattfinden sollte, die z.B. auch prüft, inwieweit curiculare Vorgaben wirklich umgesetzt werden (in Methodik und Inhalt der Ausbildung). Ich finde weiterhin, dass das eigentlich ein guter Transparenzrahmen wäre.

  10. Verweigerung der aktiven Mitarbeit mit dem Studienseminar habe ich auch erlebt, aber auch das genaue Gegenteil, also wirkliches Bemühen die Anforderungen und Ansprüche zu verstehen, so dass im Ausbildungsunterricht entsprechende Schwerpunkte gelegt werden konnte.

    An dieser Stelle ein Dankeschön für die vielen Kommentare, Rückmeldungen und Anregungen. Auch wenn ich im Moment nicht auf alles ganz genau eingehe, wird doch alles aufgenommen und wohl in weiteren Artikeln verarbeitet bzw. diskutiert.

  11. Ein großer Teil des Problems ist aus meiner Sicht die Karrierestruktur im schulischen (und auch öffentlichen) Dienst:

    Als „Verantwortliche“ werden vor allem Leute eingesetzt, die bereit und willens sind, die Philosophie der Kultusministerien und der Schulämter zu realisieren. In manchen Landstrichen sind deutlich mehr als 80% aller Schulleiter/innen Personen, die jahrzehntelang in einem Schulamt Akten sortiert haben. Für viele von ihnen sind Dienstvorschriften, Erlasse und Formalismen das höchste Gut.
    Oft sind es die „Korrekten“, die „Loyalen“, die mit den besten Beziehungen.
    Ähnlich ist es bei Fachleiter/innen.

    Kurz: Auswahlkriterium ist oft das bürokratische Standing, nicht aber die pädagogisch-didaktische Fähigkeit (Fachleiter/in) oder organisatorische/verwalterische Kompetenzen (Schulleitung). Das führt zwangsläufig dazu, dass einige (viele?) der Posten von großen Pfeifen besetzt werden – die man wegen ihres Beamtenstatus auch nie wieder loswird.

    Es ist eine Katastrophe, dass viele, oft fähige Leute unter dieser idiotischen Struktur leiden und einen empfindlichen Stich ins Selbstbewusstsein hinnehmen müssen („Du bist nicht fähig, mit Jugendlichen umzugehen.“).

    Aber Flint: Du schreibst, »dass sich die “schönen” Erlebnissen doch sehr in Grenzen hielten.« Vielleicht war’s auch – neben allem anderen – nicht das Richtige für dich. Falls dem so ist, sei froh, dass du es rechtzeitig gemerkt hast. Nach der Verbeamtung schafft kaum einer mehr den Ausstieg.

  12. Es war ohne Frage nicht das Richtige für mich. Dazu komm ich auch noch, aber wie es im Entwurf zum nächsten Artikel so schön heißt: „Ich mach es nur wie einige FachleiteInnen. Ich zeige erstmal auf, was schlecht war.“

  13. Ich LIEBE einfach das „…[hier einsetzen] eines gymnasialen [Fach hier einsetzen] Lehrers nicht angemessen.“
    Dieser Standesdünkel, diese Hybris. Als wäre der gymnasiale Lehrer eine Lichtfigur, die Kraft ihres überlegenen Intellekts zwischen dem Humboldtschen Bildungsideal und den anstürmenden Horden der Barbarei stehen. Und sie und NUR sie können die Kultur retten…man kann schon ein verkorkstes Selbstbild bekommen als Lehrer, der meist autonom und nach Gutdünken handeln kann, ohne sich allzusehr mit Kritikern „auf Augenhöhe“ auseinandersetzen zu müssen…

  14. Schöne Formulierung. Die Hybris kam im Seminar am nächsten Tag besonders zur Geltung. Das Spiel: Fachleiter fängt einen Satz an und Referendare sollen ihn beenden. Der Satz war: „Und das ist…“. Gesuchte „Antwort“: Scheiße. (Genauen Kontext habe ich vergessen, ging aber ausnahmsweise nicht um die Leistung eines Referendars.)

  15. Ich habe auch nach einem Jahr abgebrochen (oder unterbrochen, theoretisch koennte ich wohl noch weitermachen), als Berufsschulreferendarin in Berlin. Der Druck ging von allen Seiten aus: Seminarleiter, aber auch anleitende Lehrer (Mentoren), die aehnlich hohe Erwartungen hatten (obwohl nun gerade die einem ja helfen sollen). Es wurde erniedrigt, unter Druck gesetzt und die Erwartungen waren weder eindeutig greifbar, noch irgendwie schaffbar. Wie man beispielsweise Unterricht planen soll, der auf die Minute genau passt, ist mir bis heute nicht klar – Lehrer arbeiten nunmal nicht am Fließband, sondern mit Menschen zusammen. Teilweise gab es dann zwischendurch noch „nette“ Freundlichkeiten, wie den Auftrag, mal eben sechs Stunden der Anleitungslehrerin am naechsten Tag (!) zu uebernehmen. Oder die Aussage, ich haette keine „Lehrerpersoenlichkeit“, ohne dass mir gesagt wurde, wie sich das jetzt konkret aeußert oder was von mir erwartet wuerde.
    Wohl gefuehlt habe ich mich nur im selbststaendigen Unterricht, und wirklich praktisch das Unterrichten gelernt, habe ich auch nur dort (Schueler geben einem sehr genaues und ehrliches Feedback, man muss nur bereit sein, darauf auch zu hoeren).
    Mein persoenlicher „Hoehepunkt“ waren Aeußerungen meiner Seminarleiter nach meiner Ankuendigung, das Ref verlassen zu wollen. Mehr oder weniger freundlich und mal hinter meinem Ruecken, mal direkt ins Gesicht, wurde mir gesagt, dass ich wohl einfach nicht zum Lehrer tauge, und es somit bessere sei, dass ich aufhoeren wuerde.
    Mittlerweile unterrichte ich seit zwei Jahren an privaten (Berufs-)Schulen und habe bisher fast ausschließlich positives Feedback (Feedback-Boegen der Schueler) bekommen. Mit einigen meiner ehemaligen Schueler bin ich immer noch in Kontakt und viele haben mir gesagt, dass sie viel bei mir gelernt haben. Und die Pruefungen haben bisher auch alle geschafft. Ich bin so froh, dass ich mich damals nicht habe „brechen“ lassen, an mir gezweifelt, habe ich natuerlich sehr.

  16. Ich weiß nicht, ob hier die psychologische Sichtweise auf ein solchermaßen unpädagogisches Geschehen interessiert. Aber nachdem ich in vielen Supervisionen von einigen Kolleginnen mit zweitem Staatsexamen hören durfte, was sich dort so zuträgt (warum sich keine Männer in diesen Supervisionsgruppen finden, ist wohl ein Thema für sich), bleiben wenige Fragen offen: Das Referendariat hat viel zu häufig den Anklang eines Unterwerfungs- und Erniedrigungsrituals, in dem die Probanden nolens volens auf einen ganz spezifischen Umgang miteinander, mit anvertrauten Schutzbefohlenen und dem Thema der Autorität eingestimmt werden. Wenn dann noch bedacht wird, dass es im Menschen eine Tendenz zur Wiederholung eindrücklicher emotionaler Erfahrungen gibt, das schließt Erfahrungen mit angenehmer ebenso ein wie solche mit unangenehmer Konnotation, muss es nicht wundern, dass in der Lehrer-Schüler-Beziehung (ebenso wie in der Schüler-Lehrer-Beziehung) Irritationen häufig auftreten, die von den Pädagogen gar nicht bemerkt oder in ihrer Tragweite für die Heranwachsenden nur unzureichend gewürdigt werden.

  17. Vieles kann ich nachvollziehen – wenn ich es auch anders erlebt habe. An dieser Stelle ein großes Lob an ‚mein‘ Studienseminar, bei dem die Abbrecherquote sehr, sehr gering ist.

  18. Auch wenn ich gerade mal zwei Monate „dabei“ bin, kann ich viele Parallelen zu dem im Artikel als auch in den Kommentaren Dargestellten erkennen. Vor allem die Diskrepanz zwischen gefühltem Stress und Arbeitspensum. Obwohl wir, verglichen mit einer vollen Lehrerstelle, ja deutlich weniger arbeiten, sind die psychischen Belastungen im Referendariat sicherlich höher als bei eingespielten Kollegen. Von denen muss man sich dann auch noch anhören, dass die paar Stündchen ja wohl locker zu meistern seien. Dass der Stress aber vor allem mit der Qualität von Kommunikation, Kooperation untereinander und Respekt steigt und fällt, wollen viel nicht einsehen.

  19. Ich habe vor 36 Jahren mein Referendariat begonnen und es wurde die schrecklichste Zeit meines Lebens. Offensichtlich hat sich seit damals nichts geändert.

  20. Vielen Dank, ich könnte Ihren Beitrag so unterschreiben! Ich habe mein Referendariat aus den o.g. Gründen abgebrochen und bin froh darüber!

    Das deutsche Schulsystem ist leider nicht mehr zeitgemäß und hat viele ernste Probleme. Das Referendariat dient u.a. auch dazu, dass die Kandidaten aussortiert werden, die das vorhandene System zu sehr hinterfragen. Deswegen ist es ja auch politisch gewollt, dass die Referendare während Ihrer Ausbildung beweisen, dass sie sich auch bei Unsinn und Ungerechtigkeit anpassen und bei Bedarf den Mund halten können.

    In meinen Seminaren wurde z.B. die PISA Studie kein einziges Mal erwähnt, aber wir wurden bei Unterrichtsbesuchen auch reichlich auf der persönlichen Ebene kritisiert. Laut meiner Seminarleiterin war ich nicht so temperamentvoll wie sie von einer Südländerin erwarten würde (Ich stamme aus einer türkischen Familie!). Ich habe am 23. Dezember Aufgaben bekommen, die ich am 24 Dezember erledigen musste, weil ich ja als „Türkin“ mit dem Weihnachten sowieso nichts zu tun habe. Dabei hat sie leider vergessen, dass ich zu Hause einen „echt deutschen“ Ehemann habe, der mit mir Weihnachtsessen essen wollte. (So viel zum Thema „Integration im deutschen Schulsystem“.)

    Ich fand aber einfach die totale Willkür, die schwarze Pädagogik und die unsachlichen Äußerungen nicht mehr menschenwürdig und habe mich von dem ganzen System schnell entfremdet. Ich wollte einfach kein Teil davon werden. Ich war am Anfang des Referendariats schon 35 und hatte beruflich schon einiges geleistet. Wenn ich jünger und unerfahrener gewesen wäre, wäre es für mich vielleicht einfacher gewesen, die unverschämten Äußerungen von Seminarleiter zu tolerieren, vor denen ich menschlich leider nur wenig Respekt spüren kann. Mein jetziger Job erfüllt mich sehr, aber ich habe immer noch Mitleid mit den jungen Kollegen, die beim Berufsstart systematisch kaputt gemacht werden.

  21. Dieser Artikel gibt sehr gut wieder, was ich tagtäglich erlebe. Das ist kein Quatsch oder überzogenes Gerede, sondern die blanke Realtität. Diese Erfahrungen sollten viel häufiger augeschrieben werden und auch an die Öffentlichkeit gelangen. Durch die Verknappung des Refs, z.B. in NRW, ist diese Situation noch viel schlimmer geworden. Ich alleine muss an meiner Ausbildungsschule (mit überhaupt nicht freiwillig und selbst eingerichteten AGs und Förderkursen!) 17 Stunden arbeiten und alle drei Wochen einen UB machen. Daneben die ganze Seminararbeit. Da viele Seminarleiter es nicht schaffen, nur eine einzige Sitzung zu halten, die sich an den Bedürfnissen der Referendare orientiert (oder wenigstens mal eine Sitzung halten, die ansatzweise vorbereitet ist) wird es für den Refendar immer schwieriger, da er dieses Wissen de facto benötigt. Ich finde, das Referendariat muss dringend komplett umgeändert werden. Nicht umsonst kehrt der Ruf nach der Abschaffung immer wieder auf. Bei der Reform sollten aber keine unreflektierten „Schnellschüsse“ geschehen, sondern eine durchdachte, faire und tragbare und v.a. angstausschließende Ausbildungssituation anvisiert werden. Die „Traumatisierung“ durch das Referendariat hat selbst mit den immer wieder global gerechtfertigten Maßstäben der heutigen Arbeitswelt nicht zu tun.

  22. Die oben erwähnten Erfahrungsberichte decken sich nahtlos mit denen eines in meiner Nachbarschaft wohnenden Lehrers sowie von Referendaren aus meinem Bekanntenkreis. Besonders grimmige Erinnerungen zeitigte das Studienseminar in Celle, Hameln schnitt in den Erzählungen allerdings nur unwesentlich besser ab. Ein ganz gravierender Reibungspunkt war die Terminabsprache von Unterrichtsbesuchen mit den Seminarleitern, natürlich hatte der Referendar es zu verantworten, wenn dem Fachleiter die Terminvorschläge nicht gefielen, dann stellte dieser mal eben die Lehramtseignung des Referendars pauschal in Abrede. Es sollte sich schon zu Fachleitern herumgesprochen haben, dass an einer Schule nicht der Referendar – aber auch nicht das Studieninstitut – darüber bestimmt, WANN welches Thema in einer Klassenstufe durchzunehmen ist, WANN Klassenarbeiten zu schreiben sind, etc, wann also eine Unterrichtsreihe an dem Punkt angekommen ist, der einen aufschlussreichen Unterrichtsbesuch verspricht. Alles Eckpunkte, die bei der Terminfindung mit Verstand und Verständnis kein Problem bereiten sollten, aber nicht wenige Fachleiter in ihrer Sozialkompetenz wohl völlig überfordern. Wenn Lehrer sich heute gegenüber ihren Schülern verbal so konstant herabwürdigend verhielten, wäre ein Aufstand der Eltern bei den Schulbehörden sicher – auf jeden Fall im Bereich des Gymnasiums. Mein Eindruck aus den mir vorliegenden Erzählungen aus meinem Bekannten- und Nachbarschaftskreis ist, dass das Referendariat in Deutschland mehr wilhelminisches Abrichtungsritual denn Vorbereitung zur Meisterung gegenwärtiger und künftiger Herausforderungen im Schulalltag ist.

  23. Hi,

    der Beitrag ist zwar schon älter, aber die Probleme sind immer noch aktuell. Oder eventuell sogar noch aktueller durch die Verkürzung des Referendariats.
    Ich bin selber seit einem halben Jahr auszubildende Bildungsmaschine, und bin mittlerweile komplett gefrustet. Ich habe echt das Gefühl, dass ich in den letzten Monaten überhaupt nichts dazugelernt habe, was die Unterrichtsdurchführung und -planung betrifft. Das Studium habe ich zwar etwas länger als von der Regelstudienzeit vorgesehen, aber dennoch relativ erfolgreich gemeistert. Vor allem das Biologie-Studium und der 10-wochenstündige Nebenjob haben mich schon recht gefordert. Aber das, was im Ref verlangt wird, übersteigt langsam ernsthaft meine psychische und körperliche Belastungsgrenze. Man steht ständig auf dem Präsentierteller, und man bekommt nahezu jeden Tag zu hören, dass man -durch die Blume gesagt- nichts kann. Der Erniedrigungsfaktor ist schon extrem hoch, und dabei machen Fachleiter nicht unbedingt besseren Unterricht, oftmals nur routinierteren. Zusätzlich leidet meine Ehe extrem unter dem Vorbereitungsdienst, da wir seit einiger Zeit, aufgrund des hohen Workloads an Vor- und Nachbereitung, nur noch mehr oder weniger eine WG führen. Ich bin mittlerweile mit meiner Konzentration so am Boden, dass ich ernsthaft tendiere, das Referendariat abzubrechen. Auch Kommentare der Altreferendare, wie: „Ihr werdet eh keinen Job mehr finden“ (womit sie wahrscheinlich auch noch Recht haben), sorgen noch für den letzten Nachschub an Demotivation.
    Ein Abbruch wäre für mich wahrscheinlich sogar psychisch sehr befreiend. Ich habe ja trotzdem ein abgeschlossenes Studium, das darf man nicht vergessen.
    Ich weiß nur gerade nicht, wie ich außerhalb der Schule Fuß fassen kann. Vielleicht liest das hier noch jemand und kann mir entsprechende Tipps geben.

  24. Liebe Bioreferendarin,
    du könntest versuchen, über ein Praktikum bei einem der Schulbuchverlage einen Job zu bekommen oder an einem der Umweltbildungszentren oder eventuell auch im Bereich der Nachhilfe oder der Erwachsenenbildung.
    Viel Erfolg!

  25. Ich lese diesen Artikel ein Jahr nach meinem Referendariat. Ich habe nicht abgebrochen. Tatsächlich habe ich das Referendariat noch schlimmer erlebt, als es in diesem Artikel beschrieben wurde. Es war wirklich, wirklich schlimm! Ich kann es nicht in Worte fassen und hätte bis dato nicht gedacht, wie schlecht man sich fühlen kann.

  26. Da würde mich doch glatt mal interessieren, wie denn der Arbeitsalltag jetzt, ein Jahr nach den Strapazen so ist.

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