Wahlen, Wale und keine Currywurst

Es ist wieder soweit: In deutschen Landen stehen an Universitäten un Fachhochschulen die Gremienwahlen an. Bei manchen werden verfasste Studierendenvertretungen gewählt, andere Gremien haben es noch nicht so wirklich in die Satzungen geschafft, existieren aber trotzdem.

Auch dieses Jahr gibt es wieder die altbekannte Plakatanalyse und den Anfang machen dieses Mal die Jungs und Mädels von der Juso HSG Magdeburg. Dank unermüdlicher, konspirativer Quellen wurden mir die Dateien für Flyer und Plakate exklusiv zur Verfügung gestellt (hier teuflisches Lachen einfügen).1

Gremienwahlplakat der Juso-HSG Magdeburg zur Gremienwahl 2012.

Die Juso-HSG versuchte letztes Jahr mit South Park und „Vote Or Die“ zu punkten, dieses Jahr setzt man auf Gesichter. 15 Personen sind jeweils mit Namen, Foto, Studiengang und Fakultät abgebildet. Die FGSE heißt zwar eigtl. mittlerweile FHW, aber das hat sich nicht einmal auf den Internetseiten der Uni überall durchgesetzt.

Inhalte fehlen, wie letztes Jahr auch, allerdings auf dem Plakat. Einzig der Slogan „Wir sind OvGU“ zeigt, über Ecken, so etwas wie Inhalt: Wir sind wie ihr.2 Man könnte dieses Plakat allerdings als einen Schritt in Richtung „Realität“ interpretieren, egal ob einem diese Realität gefällt oder nicht. Gremienwahlen, zumindest an der OvGU, haben viel mit Personenwahlen gemein. Die Inhalte der Gruppen sind immer grob bekannt, da die „Tonangeber“ stets „Ableger“ von den großen Parteien sind oder sich zumindest einer entsprechenden Richtung zuordnen lassen. Ich persönlich mag den Mangel an plakativen, allgemeingültigen Slogans ja fast noch weniger, als die plakativen, allgemeingültigen Slogans an sich, aber nun.

Ein deutlicheres „Problem“ habe ich hingegen mit diesen „Wir sind…“-Slogans. Wir sind schon Papst, Deutschland, arbeitslos, perspektivlos und Amerikaner. Streng betrachtet nimmt man mit solchen „Wir sind…“-Slogans auch die negativen Seiten des jeweiligen Kollektivs an. In diesem Fall also: Wir sind laute Bibliothek, Wir sind auslaufende Studiengänge, Wir sind vakante Professuren, Wir sind übervolle Seminare. Das lässt sich zwar auch alles in Richtung „Wir leiden mit“ drehen, aber eine konkrete Aussage über Änderungswünsche lässt sich daraus nicht ableiten. Zudem erinnert mich das immer an einen Beitrag von Ill Doctrine:

„I would never vote for me!“ Beschreibt den ganzen Teil recht gut. Ich möchte nicht zwangsläufig jemanden wählen, der ist, wie ich bin. Ebensowenig will ich zwangsläufig jemanden wählen, der meine Uni ist, an der aber nicht alles so ist, wie ich es gerne hätte. Ich will jemanden wählen, der die gleichen Ziele verfolgt, wie ich sie als Idealbild im Kopf habe. Wenn ich allerdings keine Ziele, sondern nur Feststellungen habe, dann spricht mich persönlich das in der Regel nicht an.3

Neben dem Plakat der Juso-HSG, welches ja nun echt nicht viel hergibt, möchte ich aber noch auf einen Flyer(?) eingehen, der in seinem Grundgedanken eigentlich jedes Jahr vorkommt: Wahlaufforderungen.
Wahlbeteiligung an der Uni ist immer so eine Sache, da gibt es viel zu verbessern. Normalerweise wird immer gerne „Stimme gegen Bratwurst“ geboten, d.h. jeder, der gewählt hat, bekommt eine Bratwurst umsonst. Kann man kritisch sehen, da man aus anderen Gründen wählen sollte, aber ich denke mir immer eher, dass man dadurch eh kaum mehr Leute zur Urne bekommt und wer seine Stimme eh abgeben will, der darf auch eine Bratwurst oder die vegetarische Alternative bekommen. Die Wahlaufforderung der Juso-HSG ist dieses Jahr aber eher merkwürdig.4

Wahlaufforderung der Juso-HSG 2012

Ja, nun. Wahl und Wal klingt gleich. Und ja, das ist ein Wal, aber keine Wahl.5 Was soll mir dieses Ding aber nun sagen: Wenn du einen Wal nicht von einer Wahl unterscheiden kannst, dann mach dein Kreuz bitte bei der Juso-HSG? Alle Wale sollen ihr Kreuz bei der Juso-HSG machen? Haha, wir können auch doofe Wortspiele? Der Failwhale von Twitter ist leider urheberrechtlich geschützt, den kennt aber jeder, deswegen machen wir sowas ähnliches? Rette die Wale mit deiner Stimme?

Dieser Flyer ist einfach irgendwie völlig unmotiviert und passt auch nicht zum Rest der Kampagne. Man hätte ihn auch einfach mal lassen können.

Soviel erstmal dazu. Update kommt wahrscheinlich, wenn ich mehr der anderen Plakate gesehen habe.

  1. Ich interpretiere das mal als freundliche Genehmigung. Die Rechte liegen natürlich rein bei den Urhebern. []
  2. Die Juso-HSG hat auch Flyer, da ist aber auch nur die Rede davon, dass die Juso-HSG schon Gremienarbeit gemacht habe, dies gerne auch in Zukunft täte und für eine soziale, studierendenfreundliche und demokratische Uni eintrete. []
  3. Ich habe schon ein paar der anderen Plakate gesehen. Andere Hochschulgruppen hatten auch schon mal mehr Inhalt, aber dazu später. []
  4. Die Praktikantin findet es lustig. []
  5. Und der Wal passt grafisch ja mal so gar nicht zum Rest des Plakats. []

Ein Gedanke zu „Wahlen, Wale und keine Currywurst“

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