Gremienwahlen 2011: GHG

Es ist wieder soweit: An meiner Alma Mater stehen die Gremienwahlen an und ich finde, dass ein Abschluss und 360km Entfernung keine Gründe sind, nicht darüber zu berichten. Fast traditionell macht auch in diesem Jahr die GHG hier den Anfang. Nach Iwo Jima, Mondlandung und Beatles begeben sich die Grünen dieses Jahr in einen Bereich, der mir besonders am Herzen liegt: Comics.

Soweit ich das überblicken kann, gibt es dieses Jahr von der GHG vier Einzelplakate, die der Kategorie „Programmplakat“ zuzuordnen sind. Anders als die letzten Jahre werden diese Plakate allerdings nicht durch tatsächliche KandidatInnen mit Inhalt gefüllt, sondern durch verschiedene Comicfiguren. Einen kleinen Eindruck vermitteln folgende Bilder, die Die Praktikantin netterweise gemacht hat:

 

Participat Dschinn
Vince Vegan
Super Solar Man

Auf der GHG Seite findet sich zusätzlich noch My Fair Trade Lady. Die Plakate selbst sind zunächst nach gewohntem Muster gestaltet. Oben das Bildmotiv, unten das Banner mit dem jeweiligen Programmpunkt. Ganz klein, ganz unten auf den Plakaten steht:

Join the 2011 University elections on may 24nd & 25nd [sic!]. Vote for the green movement at your university.

Sieht man von dem Fehler in den Ordnungszahlen mal ab – es müsste 24th & 25th heißen -, sticht vor allem das „neue“ GHG Logo aus dem Bannerbereich hervor. Über das eigentliche Logo wurde nämlich „Justice League“ gepinselt. Betrachtet man dies zusammen mit den „offensichtlichen“ Superheldenfiguren1, so wird der Comicbezug richtig deutlich. Die „Justice League“, eigtl. „Justice League of America (JLA), ist eine Vereinigung von Superhelden, geschaffen vom DC Verlag. Bekannter ist aktuell wahrscheinlich das ungefähre Gegenstück bei Marvel: „The Avengers“. Die JLA entstand in den 1960ern und bestand aus immer mal wechselnden Mitgliedern, die bekanntesten darunter wohl Superman, Batman und Wonderwoman. Die Übernahme durch die GHG hat also, neben dem Namen, kaum noch Ähnlichkeit mit der eigentlichen JLA.2 Was natürlich nicht bedeuten soll, dass die Figuren völlig ohne Anspielungen auskommen würden.

  • Vince Vegan (Motto: Für reflektierten Konsum): MIB meets Pulp Fiction. Vince Vegan ist eindeutig eine Anleihe an „Vince(nt) Vega“ aus Pulp Fiction.3 Vince Vegan hat eine Pistole in der Hand, die genauso grün ist wie seine Augen. Wahrscheinlich verschießt er reflektierten Konsum oder so. Über dem schwarzen Anzug trägt er eine Scherpe mit verschiedenen Biosiegeln. Der Nachname steht wohl für eine vegane Lebensweise, wobei das vielleicht etwas gewagt ist, im Gegensatz zu einer vegetarischen Lebensweise.
  • My Fair Trade Lady (Motto: Für mehr gesellschaftliche Verantwortung): Anspielung auf „My Fair Lady„. Um die Implikationen, was der Inhalt des Stückes bzw. des Romans Pygmalion nun für die grüne Hochschulpolitik und Fair Trade zu bedeuten hat, mag sich jemand anderes kümmern. MFTL kommt mit einem beige-schwarzen Cape und einem Oberteil, welches eigentlich aus dem Faitrade-Logo besteht. Ansonsten eine eher androgyne Figur, die im Aussehen eher an den asiatischen Manga-Stil erinnert.
  • Super Solar Man (Motto: Für eine Nachaltige [sic! auf der HP der GHG] Universität): Wo andere ihre Schwerter oder Gewehre über Kreuz auf dem Rücken tragen, da hat SS-Man4 zwei gekreuzte Windräder. Ansonsten gelbes Kostüm, Sonnenlogo. Nachhaltig bedeutet also regenerativ. Die Windräder sind – da Enercons zweiter, großer Standord Magdeburg ist – nicht weiter verwunderlich.
  • Participatdschinn (Motto: Für mehr Mitbestimmung): Auch ohne „e“ ist „Participat“ eindeutig genug auf Teilhabe gerichtet. Mit dem „Dschinn“ gibt es noch eine Anleihe in anderen Glaubensrichtungen (Islam) bzw. in der arabischen Mythologie. Sowohl in der Mythologie, als auch in der Religion sind Dschinns durchaus ambivalent, d.h. es gibt sowohl gute, als auch böse Dschinns.5 Das Kostüm von PD erinnert, wegen des großen Buchstabens auf der Stirn, etwas an Robin. Die „Beine“ des PD bestehen aus Rauch, was spätestens seid Disneys „Alladin“ eine recht typische Darstellungsweise für Dschinns bzw. Flaschengeister ist. Eine Anspielung auf die Teilhabe ist wohl außerdem das Häkchen auf dem Gürtel der Figur. Assoziationen zur Wahl usw. drängen sich auf.

Die Hintergründe der Plakate scheinen entsprechend „passend“ zu den Figuren zu sein, allerdings fehlt mir noch ein Plakat, damit ich das abschließend beurteilen kann.6

Ein weiteres „Gimmick“ dieser Kampagne zeigt sich allerdings erst, wenn man auch wirklich die Seite der GHG, genauer den  Unterpunkt „GHG Justice League“, öffnet. Die Bilder der einzelnen Figuren sind mit einem Link hinterlegt, der zur jeweiligen Facebook-Seite führt.

  • Vince Vegan: Nicht sehr aktiv bisher.
  • My Fair Trade Lady: Passend zum Programmpunkt mit entsprechenden Seiten/Interessen hinterlegt.
  • Super Solar Man: Hier ist im Bereich „Über“ auch mal hinterlegt, worum es eigentlich geht und was der Programmpunkt genau zu bedeuten hat.
  • Participatdschinn: Hat auch eine kurze, aber wenig prägnante Darstellung des eigtl. Programminhaltes.

Positiv an dieser Facebook-Verknüpfung ist sicherlich die Idee und die gemeinsame „Bildungseinrichtung“ der „Super Hero University“. Sofern es entsprechend funktioniert, könnte man über die Anzahl der Freunde auch sowas wie ein „Zustimmungsbarometer“ zu den einzelnen Programmpunkten ableiten. Dafür fehlt allerdings eine konsequente Umsetzung dieser Vernetzung. Die „Super Hero University“ ist eine automatisch generierte Seite ohne Inhalt. Hier hätte man sicherlich ein entsprechendes „Dach“ für die Kampagne bilden können, unter dem man z.B. das Programm und die Kampagne entsprechend zusammenfasst und kommentiert. Ähnliche Inkonsistenzen finden sich bei den einzelnen Superhelden, da nicht bei allen die Programmpunkte anschaulich und passend erklärt werden, geschweige denn die verwendete Sprache eingehalten wird. Tippfehler runden das Bild ab.7 Schade, dass die Kampagne nicht entsprechend zu Ende gedacht wurde, da hätte man mehr draus machen können.

Trotzdem ist die Idee wieder ziemlich gelungen. Im Vergleich zum letzten Jahr fällt nur noch auf, dass die Punkte „keine Nazis“ und „keine Studiengebühren“ aus dem Plakatprogramm verschwunden sind.8

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  1. Super Solar Man, Participatdschinn und My Fair Trade Lady; Vince Vegan fällt etwas aus der Reihe []
  2. Dabei hätte GREEN Arrow doch so gut gepasst. []
  3. Und somit auch irgendwie eine Anspielung auf Vic Vega in Reservoir Dogs. []
  4. oh weh, welche Abkürzung. Super-SM macht die Sache aber nicht besser. []
  5. Dschinn kommt nicht umsonst vom arabischen „besessen sein“. []
  6. Und den Hintergrund beim Dschinn kann ich auf dem Foto nicht erkennen. []
  7. Die können natürlich passieren, aber bei Kampagnen sollte man versuchen sie abzustellen. []
  8. Wobei ein nazibashender Superheld sicherlich auch einfach möglich gewesen wäre. []
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5 Gedanken zu „Gremienwahlen 2011: GHG“

  1. Hängen da etwa wieder Plakate innerhalb des Gebäude 40? Denn muss ich heute Abend wohl wieder aufräumen…

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