Roleplay Warriors (1)

Aus gegebenem Anlass mal eine absolut ernst gemeinte und tiefgründige Analyse der verschiedenen Charaktertypen, die so Rollenspiel spielen. Und ich meine Rollenspiel, nicht blöde rumhämmerei auf Tasten! Durch jahrelange, harte Empririe konnte ich mir ein umfassendes Bild der deutschen Rollenspieler erarbeiten und möchte meine bahnbrechenden Erkenntnisse nun endlich der Menschheit mitteilen. Damit es spannend bleibt, wird das eine fortlaufende Serie. Vorgestellt werden immer nur ein oder zwei Typen.

Typ 1

Da dieser Typ überall der Erste sein will, kommt er hier natürlich auch an erster Stelle. Typ 1 ist der Überflieger in allen Bereichen. Er macht das beste Rollenspiel, spielt nur die besten Systeme und kennt alle Regeln aus dem Effeff.1 Seine Lieblingsbeschäftigung ist es, dem Spielleiter seine „Arbeit“ abzunehmen und allen anderen Spielern bei der Charerschaffung zu helfen, ihnen die Regeln zu erklären und ab und an – aber nie böse gemeint – den Spielleiter zu korrigieren. Seine Chars bestehen fast nur aus Regellücken oder gewagten Regelauslegungen. Ein normaler Probewurf dauert mindestens fünf Minuten, weil dieser Typ immer unzufrieden mit dem Ergebnis ist und in diesen Fällen immer unter plötzlichem Gedächtnisverlust leidet: „Ach, ich hab doch noch meinen Käsebrot-Dienstag-Modifikator vergessen, da muss ich nochmal neu würfeln.“

Dieser Rollenspieler hält Plotentwicklungen entweder für vorraussehbar oder für völligen Mist und er selbst hätte es als Spielleiter natürlich völlig anders gelöst. Sicherheitshalber ignoriert er aber, dass alle anderen seine „ich kann auch leiten“-Angebote völlig ignorieren. Leider kann man die durch ihn generierten OT-Blasen nicht so leicht ignorieren.

Praktisch ist Typ 1 allerdings, wenn man mal ein Regelwerk braucht oder mal in ein neues System reinschauen will. 1 hat garantiert die Regelwerke, die man braucht und wenn nicht, dann reicht schon ein leicht enttäuschter Blick und bei nächster Gelegenheit hält er einem den gewünschten Band unter die Nase.2

Passend zu den immer wieder gerne vom Besserwisser herangezogenen Regellücken, besteht die Hintergrundgeschichte seiner Chars ebenfalls zumeist aus Lücken. „Ja, mit der Hintergrundstory des Systems kenne ich mich jetzt nicht so gut aus. Musst du mal gucken.“ Komischerweise liegen Typ 1 aber Rollenspiele, die auf eine breite Hintergrundgeschichte verzichten, so gar nicht. Bei Munchkin verliert er meistens ziemlich deutlich, tut dies aber immer mit einem „Ach, die letzten Runden habe ich immer gewonnen.“, ab. Auch wenn sich niemand daran erinnern kann.

  1. Letzteres stimmt leider meistens sogar. []
  2. Inklusive eigener Meinung zu dem Band, egal wie viel Zeit zwischen dem enttäuschten Blick und der nächsten Begegnung vergangen ist. Aber da muss man halt durch. []

Ein Gedanke zu „Roleplay Warriors (1)“

  1. Na, dann warte ich mal ob und wie ich auftauche. In Typ 1 erkenne ich mich nicht wieder und in meiner Runde damals gab’s auch keinen. Vielleicht mal den einen, aber den trafen wir nur auf Cons und sonst nie.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.