Baustelle (UPDATE: 20. Mai 2010)

So langsam geht die Plakatiererei los. Die JusoHSG hat mir freundlicherweise ihr Plakat zur Verfügung gestellt1, dementsprechend gibt es das diesjährige Plakat in ordentlicher Auflösung. Nachdem es letztes Jahr eine Mischung aus Obama und Sheepworld gab, die es sogar in den „No You Can’t“-Weblog geschafft hat, beschreitet die JusoHSG dieses Jahr einen anderen Weg. Anstelle von zwei „individualisierten“ Plakaten gibt es dieses Jahr nur eins. Auch die über diese Plakate transportierten Programmpunkte haben sich etwas verändert. Letztes Jahr waren die Programmpunkte zusammengenommen:

für eine internationale Universität
für ein familienfreundliches Studium
für eine offene und tolerante Hochschule
für mehr Mitbestimmung und Demokratie
für eine angemessene Finanzierung des Studiums
für bessere Studierbarkeit von Bachelor/Master
für bessere Parkplatzmöglichkeiten

Wie es dieses Jahr aussieht? Nach dem Klick.

Wahlplakat der JusoHSG zur GRemienwahl 2010. Zum Vergrößern anklicken.

Eingedenk früherer Plakate fällt dieses alleine durch die Farbgebung ziemlich aus der Reihe. Das „politische“ rot dominiert und die abgebildeten Personen treten deutlich hinter den textuellen Elementen zurück. Die politischen Programmpunkte werden auf zwei „Ebenen“ kommuniziert. Vier Punkte unten links:

||| Sozial
||| Familienfreundlich
||| Antifaschistisch
||| Gegen Studiengebühren

Auf dem Bild selbst sind allerdings auch noch Programmpunkte in Form eines „Transparentes“ an der Gebäudefront zu erkennen. Diese sind allerdings nicht immer ganz zu lesen, entsprechende Ergänzungen in [].

Solidaritaet |||| Kulturelle Vielfalt ||| Soziale Gerechti[gkeit] |||| Selbstbestimmtes Studier[en] |||| Oekologische Na[?]

Damit wären wir bei Problem Nummer 1: Was soll ökologisch sein? Ökologische Na[tur], Na[hrung], Na[triumchloride]? Oder geht das Transparent eine natürliche Verbindung mit der Öffnung (=Tür) des Gebäudes ein? Natür? Natürlich? Ökologische Natürlichkeit? Wahrscheinlich bedeutet das Ganze einfach „Ökologische Nachhaltigkeit“, trotzdem ist dieses abrupte Abschneiden etwas merkwürdig. Das Fehlen der Buchstaben ist nicht durch den Bildaufbau zu erklären, was man bei den übrigen fehlenden Buchstaben durchaus sagen könnte. Viel mehr riecht es nach einem Ende der grafischen Nachbearbeitung, die leider so ein bisschen die Wirkung des Transparentes zerstört. Man stelle sich den Dialog einfach mal vor:

Arbeiter: Wir machen jetzt Politik hier! Schafft das Transparent da rauf! So kann es auf dieser Baustelle nicht weitergehen!
Vorarbeiter: Aber die Öffnung lasst ihr schön frei, ja? Wie sieht das denn sonst aus? Die Gebäudestruktur muss schon noch erkennbar bleiben!
Arbeiter: Waaaaaas?2
Vorarbeiter: Hier haste ne Schere.

Dominiert wird das Plakat natürlich von der Überschrift: „Baustelle Hochschule… …Wir packen’s an!“ Der letzte Teil ist etwas heller, um die Botschaft zu unterstützen. Assoziationen mit der „Baustelle“ und den Entwicklungen rund um den Bologna-Prozess fallen nicht schwer.3 Die Losung „Wir packen’s an!“ suggeriert natürlich noch eine gewisse Tatkraft und Entschlossenheit, was noch durch die Graffiti-Schrift unterstützt wird. Graffiti haftet in Deutschland ja immer noch so ein bisschen Rebellion und Nicht-UniformitätKonformität an. Ob und in wie weit jetzt die Anlehnung an das, was man vielleicht als ursprüngliche Stammwählerschaft der SPD&Co. verstehen kann, „angebracht“ ist, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Die gewählte Schriftart ist, Unterstützung der Botschaft hin oder her, allerdings viel zu schlecht zu lesen. Vor allem die „wichtigen“ Programmpunkte unten links.

Also Pluspunkte für Bildidee und Bildumsetzung, vor allem weil das Bild nicht gestellt wirkt, Minuspunkte für die gewählte Schriftart.

Dafür gibt es auf dem Plakat einen Helm, einen Puma und eine Zigarette zu entdecken. Wenn das mal nichts ist.

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Update 20.05.2010: Auf dem Hauptcampus hängt noch mindestens ein anderes Plakat der JusoHSG.

Bei diesem Motiv handelt es sich allerdings um ein bundesweit eingesetztes Plakat, deswegen soll es nicht weiter betrachtet werden. Was allerdings nochmal kurz erläutert werden soll, ist der von der JusoHSG betriebene Einsatz von Störern auf ihren Plakaten. Zwei verschiedene Störer habe ich gefunden, beide beziehen sich auf andere in Magdeburg antretende Hoschulgruppen.

Dieser Störer bezieht sich auf das Wahlplakat des RCDS. Erkennbar ist dies am Wort „Leidenschaftlicher Einsatz“, was sich ja auch beim RCDS findet, aber auch durch die Formulierung „auch nach dem Wahlkampf“. Wie im RCDS Watchblog beschrieben, sieht es da ja nicht unbedingt so toll beim RCDS aus.

Dieser Störer bezieht sich direkt auf das Wahlplakat der LHG. Das mit den „1,00 Stimmen“ hätte man aber etwas anders lösen müssen, es liest sich einfach viel zu bescheuert.

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  1. Ich musste nichtmal danach fragen. []
  2. Für die richtige Betonung verweise ich auf Marc-Uwe Klings „Neues vom Känguruh“ Folge 96 und 98. []
  3. Die FGSE ist gerade auch eine einzige Baustelle, das passt also auch noch. []
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4 Gedanken zu „Baustelle (UPDATE: 20. Mai 2010)“

  1. Was ich mich am meisten frage: Wie sind die auf das Gerüst gekommen? Sonntag-Nachmittag-Nacht-Und-Nebel-Shooting? 😛

  2. Ohje…sie haben es mit dem 1,00 wirklich gemacht?! *kopfschüttel* Schade, eigentlich fand ich den Wahlkampf der JUSO HSG bis dato recht originell… so aus der Ferne betrachtet.

  3. Naja…“sexy, weil engagiert“ hat für mich etwas zu viel von „attraktiver Hochschulpolitik“. Mein Hauptproblem bei der ganzen Kampagne.

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