Und auch die Zeitungen sind voll!

Also manchmal fragt man sich ja schon, ob den Journalisten bei BILD und Bild.de ihrer „Doppelmoral“ eigentlich bewusst sind. Nachdem sich die Journalisten für die vier Buchstaben sich von ihren vier Buchstaben erhoben haben, nur um festzustellen, dass sie über unseren „Star für Oslo“ nichts skandalträchtiges herausfinden können, ergab sich dieser Tage doch noch ein Glückstreffer. Frau Meyer-Landrut hat mal als Laiendarstellerin gearbeitet und dabei bewiesen, dass sie unter ihrer Kleidung nackt ist. Für eine Zeitung, die oft genug Auflage damit macht, dass sie eben solche nackten Tatsachen verbreitet, ist dies natürlich ein Grund für eine ausführliche Berichterstattung. Seit dem 3. Mai hat Bild.de bisher sieben Artikel zu dem Thema rausgehauen. Im momentan aktuellsten Artikel heißt es u.a.:

Und auch die Zeitungen sind voll von Lenas Busenblitzer-Filmausschnitten!

Danach kommt eine Aufzählung der Zeitungen, die mit Stills aus den Sendungen aufgemacht haben: Express, Hamburger Morgenpost, Berliner Kurier. In der dazugehörigen Bildergalerie gibt es auch Fotos der entsprechenden Titelseiten und sogar, ebenfalls im Artikel erwähnt, eine Kritik in der FAZ an der Ausstrahlung bzw. Ausschlachtung dieser Szene. Drei Titelseiten dienen also als Beispiel dafür, dass die Zeitungen „voll“ sind. Warum betreibt Bild.de diesen Aufwand und führt ihn dann nicht konsequent zu Ende? Der Suchbegriff „Lena“ bringt sehr viele Treffer und dementsprechend viele Bildergalerien bzw. Artikelbilder. Gucken wir uns doch mal an, wie sehr Bild.de „Lenas Busenblitzer“ ausschlachtet.

Vor’m Grand Prix: Erst Abi-Stress, dann SKL-Show (04.05.2010 – 09:59 UHR): 25 Bilder, davon vier Stills aus dem Auftritt bei K11.1 Zu diesem Zeitpunkt war nur bekannt, dass Lena Meyer-Landrut bei K11 und Richter Alexander Holt mitgespielt hat.

Richtig los ging es dann ab dem 4. Mai. Zunächst kam „Lena als verliebte Badenixe“ (04.05.2010 – 13:08 UHR). Dieser „Aufmacher“ kommt daher mit einer 28-teiligen Bildergalerie. An sich die normale, ständig in Bezug auf die junge Sängerin benutzte Bildergalerie, erweitert um vier Stills aus „Helfen Sie mir“. Danach folgte „Bade-Nixe Lena: Was war da in der RTL-Doku?“ (04.05.2010 – 17:29 UHR): 29-teilige Bildergalerie, die vier schon bekannten Stills plus eine Montage aus zwei dieser Stills, so dat ein „neues“ Bild entstanden ist.2 Dazu kommt im Artikel selbst noch ein weiterer Still, deutlich heller als die anderen und mit „deutlich“ zu sehender Brustwarze bzw. Warzenhof. Zwischen den beiden Artikeln liegen nicht einmal vier Stunden. Jeder mag sich das Bild selbst vorstellen, wie die zuständigen Mitarbeiter versucht haben den deutlichsten Still zu erhaschen.

Weiter geht es am 5. Mai. Lena Meyer-Landrut: „Ich schäme mich nicht dafür“ (05.05.2010 – 10:32 UHR): 32 Bilder in der Klickstrecke, davon ein neuer Zusammenschnitt aus einem der bereits bekannten Standbildern und einem „normalen“ Foto. Dieses Mal mit etwas Abstand3 der Zusammenschnitt aus dem „Was war da?“-Artikel, ab da dann wieder die normale Bildreihenfolge. Mitten in der folgenden Nacht veröffentlichte dann Bild.de den Artikel „Jetzt spricht der Regisseur des Nackt-Videos“ (06.05.2010 – 01:06 UHR). Dieses Mal keine Bilderstrecke, sondern ein Video. Mittlerweile scheint RTL die entsprechenden Szenen freigegeben zu haben, daher kann man einen Zusammenschnitt der Szenen zeigen. Zwei gerado so als nackt zu erkennende Personen rennen auf ein Schwimmbecken zu, springen, platsch. Danach planschen im Wasser, ein bisschen Rumgeknutsche und „der Höhepunkt“, in dem sich Frau Meyer-Landrut „fast nackt“ zeigt. Natürlich gleich noch einmal im Bild.de-Video wiederholt. Insgesamt dauert der Zusammenschnitt der einzelnen Szenen 26 Sekunden. Danach Bilder von einem Auftritt und nochmal, halbwegs unmotiviert und losgelöst vom gesprochenen Kommentar, 8 Sekunden anderes Material aus der „Helfen Sie mir“ aus der gleichen Folge.4 In diesem Artikel gibt es erstaunlicherweise keine weiteren Fotos. Bei dem Video handelt es sich übrigens um das gleiche Video, welches auch im aktuellsten Artikel verlinkt ist, dementsprechend gibt es zu Beginn auch die angesprochenen Fotos der Zeitungen. Für all diejenigen, die es allerdings immer noch nicht mitbekommen haben, titelt Bild.de am gleichen Tag „Lena Meyer-Landrut nackt in RTL-Doku-Soap „Helfen Sie mir““ (06.05.2010 – 10:41 UHR). Zur Abwechslung gibt es dieses Mal eine Bildergalerie, aber am Ende des Artikels, einen zurechtgeschnittenen Still als „Aufmacher“ und den gleichen Still nochmal unbeschnitten links neben dem Artikel. Die Bildergalerie hat wieder 28 Teile und ist damit wohl wieder die gleiche wie bei der „verliebten Badenixe“.5 Im aktuellsten Eintrag „Dieses Video will ganz Deutschland sehen!“ (06.05.2010 – 15:20 UHR) ist wieder besagtes Video eingebunden.

Etwas aus der Reihe tanzt ein Artikel, in dem es nicht nur um irgendwelche Wasserplanschereien einer jungen Frau geht, sondern um die „100 Sexiest Women In The World“-Liste der FHM. In der Bildergalerie selbst wird ein „normales“ Foto verwendet, dafür findet sich am linken Rand erneut eines der Standbilder.

Insgesamt verwendet Bild.de also 34 Sekunden Filmmaterial, aus dem vier Standbilder immer und immer wieder verwendet werden. Rechnet man alles zusammen, so benutzt Bild.de zur „Untermalung“ der Artikel 68 Sekunden „original“ Filmmaterial aus der Reihe „Helfen Sie mir“ und 22 Bilder. Dem Gegenüber stehen drei Teitelseiten, die von Bild.de angeführt werden, um zu belegen, dass die Zeitungen „voll sind“.

Haaaaalt, moment. Alles Käse, wieder zurück. Den „aktuellsten“ Artikel gibt es zweimal. Einmal wie verlinkt ohne Bildergalerie und einmal mit gleichen Titel, aber anderer URL mit Bildergalerie. In dieser 36-teiligen Bildergalerie finden sich „Großaufnahmen“ der Titelseiten der besagten Zeitungen und, durch Verwendung einer der bekannten Montagen6 und einer Dopplung sechs Standbilder aus der RTL-Sendung. Dementsprechend kommen wir durch das zusätzliche Video auf 102 Sekunden Filmmaterial und 28 Bilder, plus die drei Titelbilder, wenn man denn will.

Was neben der Festellung der vollen Zeitungen gegenüber der eigenen Berichterstattung allerdings noch interessant ist, ist die Verbindung des einen Standbildes, welches völlig aus der Reihe fällt. Es geht um das Standbild, welches Bild.de im „Was war da los?“-Artikel benutzt und auch die aufgeführten Tageszeitungen auf ihren Titel andrucken. Dieses Bild fällt in Bezug auf Helligkeit und „Detailreichtum“ völlig aus dem Rahmen, wird aber merkwürdigerweise in keiner einzigen Klickstrecke auf Bild.de benutzt. Kann mir das mal jemand erklären? Normalerweise, wenn man „nackte Tatsachen“ verkaufen will, dann nehm ich doch das Bild, auf dem die meisten Details zu erkennen sind, anstatt mich mit irgendwelchen dunklen Screenshots abzumühen. Ich versteh es nicht. Andererseits würde es mir wahrscheinlich noch viel mehr Sorgen machen, wenn ich die BILD verstehen würde.

Nachtrag: Zum „Neuigkeitswert“ dieser ganzen „Lena war schonmal im TV“, siehe hier.

  1. Und mehrere Bilder, bei denen betont/gezeigt wird wie „kurz und knapp“ es die Schülerin bei ihren Outfits mag o.ä. []
  2. Wahrscheinlich sowas wie „Die heißesten Szenen“. []
  3. Bild 4 von 32 []
  4. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass Bild.de oder wer sonst auch immer den Kram zusammengeschnitten hat, in diesen 34 Sekunden auch restlos alles halbwegs „brauchbares“ aus der gesamten Folge zusammengschnitten hat. []
  5. Ich klicke die nie ganz durch, sondern gehe nach fünf bis sieben Übereinstimmungen einfach davon aus, dass nichts neues passiert. []
  6. Die „heißesten Szenen“. []

4 Gedanken zu „Und auch die Zeitungen sind voll!“

  1. Vielleicht findet sich ja noch ein Foto auf dem die kleine Lena nackt auf dem Töpfchen sitzt. Armes Deutschland mit einer noch ärmeren (Teil)Presse. Haben die nichts anderes zu berichten?

  2. Das ist nicht der Nippel von Lena auf dem Bildbild, das ist dazu gemalt und auch noch schlecht. Außerdem trägt sie deutlich sichtbar nen Badeanzug. Und sowieso ist sie angezogen um einiges aufregender.

  3. Dat das Bild irgendwie manipuliert ist, vermute ich schon die ganze Zeit. Allerdings erkenn zumindest ich auf diesen pixeligen Aufnahmen viel zu wenig um das abschließend beurteilen zu können. Wenn das jemand gemacht hat, dann bitte Link.

  4. Dass so zahlreiche Zeitungen und deren Online-Ableger am 4. Mai auf die Story aufgesprungen sind, liegt mal wieder daran, dass sie einfach eine Meldung der Deutschen Presseagentur (dpa) übernommen haben, siehe z. B. hier:
    http://www.zeit.de/newsticker/2010/5/4/iptc-bdt-20100504-515-24728872xml
    Inzwischen ist es ja schon fast „Tradition“, dass die ehemals seriöse dpa häufig völlig kritik- und recherchelos die zugesandten Bild-Pressemitteilungen leicht umschreibt und weiterverbreitet. Kostet ja nix und wird in letzter Konsequenz auch noch von den Zeitungsabonnenten und Werbekunden bezahlt.

    Das sind eben die „Qualitätsmedien“ heutzutage.

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