Spieletest: Frag

Wer kennt das nicht: Immer kann irgendjemand auf der LAN gerade den einen Shooter nicht mitspielen, weil sein PC nicht die Anforderungen erfüllt oder der Spieler nicht mit der Tastenbelegung klarkommt. Hat man ihn doch noch überzeugt muss er das Spiel erst installieren, dann gibt es zu behebende Versionsunterschiede, der Red Bull ist alle und es hat sowieso keiner mehr Lust. Abhilfe verspricht das Brettspiel „Frag“ aus dem Pegasus Verlag. Ego-Shooter und Brettspiel? Das soll zusammenpassen?

Frag ist ein Strategiespiel, welches versucht die typischen Abläufe und Eigenschaften von nicht-kooperativen Arena-Shootern auf das Brettspiel zu übertragen. Im Spiel geht es um Frags, man kann Waffen fallenlassen, Waffen von Gegnern einsammeln und man respawned, wenn man selbst einen vor den Latz geknallt bekommen hat. Leider kitzelt Frag auch die „typischen“ Verhaltensweisen von Spielern heraus und durch den Spielaufbau wird „campen“ und sich verstecken leider allzu stark gefördert. Aber der Reihe nach.

Frag eignet sich in der „Gold Edition“ für 2-6 Spieler. Jeder Spieler erhält dabei eine farbige Spielfigur und darf sich, innerhalb eines gewissen Rahmens, die für das Spiel wichtigen Werte selbst festlegen, vergleichbar mit dem Wählen einer „Klasse“ bei manchen Shootern. Die Spielfiguren erinnern stark an die „Space Marines“ aus Warhammer 40000, allerdings hat Frag ansonsten keine Ähnlichkeit mit Warhammer. Besonders hervorzuheben sind die „Charakterdatenblätter“, die man zur Bestimmung der genauen Werte seiner Spielfigur ausfüllen muss: Diese sind beschichtet und abwischbar. Pegasus liefert auch gleich zwei entsprechende Stifte mit, die sich leicht und ohne Rückstände wieder entfernen lassen. Sogar die Finger bleiben dabei sauber.
Das Spielbrett ist relativ groß, passt aber auf die gängigen Tischvarianten. Außerdem ist das Spielbrett doppelseitig bedruckt, so dass man zwei verschiedene Level spielen kann. Zusammen mit verschiedenen Karten und einer ausreichenden Anzahl Würfeln ist der Spielinhalt damit auch vollständig.

Gespielt wird Frag rundenbasiert. In jeder Runde kann sich der Spieler bewegen (Bewegungsweite wird ausgewürfelt), auf entsprechenden Feldern Waffen oder Gadgets einsammeln und natürlich andere Mitspielern beschiessen. Gewonnen hat, wer als erstes 3 Frags erreicht hat. Bis dies geschafft ist kann sich das Spiel allerdings etwas ziehen.

Zum Test

Getestet wurde mit 4 Spielern. Der Spielaufbau und die Regeln sind in ein paar Minuten erledigt, so dass schnell mit der ersten Runde begonnen werden kann. Zumindest in unserer Runde hatte es sich dann auch erstmal mit dem „schnell“ erledigt. Beide Spielbrettseiten haben ihre Vor- und Nachteile, jedoch bieten beide Seiten relativ sichere Orte, an denen man sich erstmal mit Waffen und Gadgets ausrüsten kann. Dies wurde in der Regel auch erstmal exzessiv genutzt, so dass es erstmal einige Zeit dauerte, bis sich einzelne Spieler in Bereiche gewagt haben, in denen sie überhaupt „gefraggt“ werden konnten. Wenn genügend Spieler in den „unsicheren“ Bereichen sind geht es zwar etwas actionreicher zu, allerdings können Frags trotzdem dauern. Abhängig vom Lebenswert, der Rüstung, dem Verteidigungswurf und der Entfernung des Ziels, so wie von der Waffe und dem Angriffswurf des Angreifers können selbst sicher geglaubte Frags nahezu wirkungslos verpuffen. Man mag einwenden, dass auch beim Ego-Shooter auf dem PC kein Frag sicher ist. Stimmt natürlich, allerdings ist der Shooter auf dem PC nicht rundenbasiert, d.h. zwischen einer Vielzahl von Schüssen und Versuchen vergehen auf dem PC nur Sekunden, auf dem Brett allerdings schonmal ein paar Minuten. An dieser Stelle sind dann die Spieler gefragt: Spielen auf Sicherheit und auf Zeit zieht das Spiel unnötig in die Länge. Frag muss mit einer offensiven Taktik gespielt werden. „Campen“ und „idlen“ mögen zwar schon auf dem PC zu Frustausbrüchen der Mitspieler führen, bei Frag machen sie das Spiel aber fast unmöglich. Wenn man sich aber erstmal darauf geeinigt hat, dass die Spieler nicht auf Ewigkeiten in irgendwelchen sicheren Ecken rumsitzen, sondern offensiver und schneller vorgehen und wenn man sich an die Rundenbasiertheit gewöhnt hat, dann macht Frag wirklich Spaß. Angriffe über weite Entfernungen sind genauso möglich wie Angriffe von direkt benachbarten Felden, man kann die Gegebenheiten des Feldes (Wände, Türen, Säurebäder) für sich und seine Taktik nutzen und eine breite Auswahl an Waffen (es gibt sogar eine Kettensäge!) und Gadgets sorgen für viele Angriffs- und Verteidigungsmöglichkeiten.

Für das Original, bei Steve Jackson Games erschienen, gibt es schon mehrere Erweiterungen für das Grundspiel, die unter anderem neue Spielmodi einführen. Wann diese in deutsch erscheinen ist allerdings noch nicht bekannt.

Alles Wichtige auf einen Blick:
Material:
• Spielbrett mit 2 Spielplänen
• 112 Karten
• 6 Plastik-Spielfiguren
• wiederbeschreibare Charakter-Karten
• 18 Würfel
• 1 Anleitung

Spieler: 2-6 Personen
Dauer: 30-45 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
empf. VK: € 39,95

Erstes Bild aus dem Pressebereich von Pegasus. Bilder im Artikel von Claus Hock.

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