Galileo und Zölibat

Von , 24. März 2010 14:08
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Es ist Freitag, wir (Die Nachbarin, Die Praktikantin und ich) sind fertig von zwei Tagen Leipziger Buchhmesse und hängen vor dem Fernseher Der Nachbarin rum. Da keiner von uns die Energie aufwenden will, um umzuschalten1 und sich Pro7 so schön zur Berieselung eignet, gucken wir seit längerer Zeit diesen Sender. Taff, Newstime, Simpsons und: Galileo. Die freitagliche Galileleosendung begann mit einer “Begriffserklärung” des Zölibats. Grundsätzlich war ja alles richtig, allerdings muss man sich die “Berichterstattung” im Kontext der aktuellen Berichterstattung anzeigen. Der Zölibat2 geriet durch die neuen Missbrauchsfälle rund um Einrichtungen der katholischen Kirche erneut in den (kurzzeitigen) Fokus der öffentlichen Diskussion. Es geht also um zahlreiche Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern. Schwerwiegendes Thema, welches mit dem notwendigen “Feinsinn” behandelt werden sollte. Hier kann man sehen, was ProSieben daraus gemacht hat.3 Zu sehen war das ganze in der Rubrik “Wort der Woche”. Wenn man sich diesen “Bericht” mal genauer zu Gemüte führt und vor allem den Kontext des aktuellen Diskurses im Auge behält, so stellen sich einem vor allem eine Frage: Ist es sinnvoll im Umfeld von sexuellem Missbrauch an männlichen Kindern und Jugendlichen eine “Erklärung” zu liefern, in dem der männliche Berichterstatter u.a. im Brautkleid zu sehen ist und an mehreren Stellen als Frau “verkleidet” die Blicke bzw. Gelüste der, ebenfalls durch den Berichterstatter dargestellten, Priester auf sich zieht? Gut, es ist Galileo. Die Praktikantin sagt immer so schön: “Früher hat dir Galileo erklärt, wie ein Kühlschrank funktioniert. Heute setzt Galileo eine leichtbekleidete junge Dame in einen Kühlschrank, um zu zeigen wie kalt er ist.” Vielleicht bin ich ja auch der einzige, dem so eine Art der Berichterstattung auf den Keks geht. Man kann vieles in einer “lockeren” Art erklären, jedoch sollte man immer den Kontext beachten oder die “Berichterstattung” ins Kabarett verlegen.

Mancher mag nun einwerfen, dass man solche Sendungen wie “Galileo” nicht unbedingt ernst nehmen oder beachten sollte. Losgelöst davon, dass man sie sehr wohl beachten sollte, weise ich an dieser Stelle einmal verschiedene Äußerungen des ProSieben-Sat.1-Chefs Thomas Ebeling hin, die das F.A.Z.-Fernsehblog schön zusammengefasst hat:

Informationsvermittlung, wie sie der Rundfunkstaatsvertrag auch von privaten Sendern verlangt, sei schließlich nicht nur durch Nachrichten erreichbar. “Die vertiefende Betrachtung können Magazine viel besser leisten”, findet Ebeling – und hat auch ein schönes Beispiel parat: “Formate wie ‘Galileo’ sind viel relevanter als die Nachrichten um 18 Uhr.”

Peer Schader guckt sich dann eine typische Galileo-Sendung im Detail an, weswegen man sich den Eintrag im Fernsehblog ruhig einmal zu Gemüte führen sollte. Ich hoffe nur, dass die Macher von Galileo sich bei ihrer “lustigen” Berichterstattung in Zukunft etwas zurückhalten. Sonst steht der symphatische junge Mann im Brautkleid wahrscheinlich demnächst mit einem… ach was weiß ich.4

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  1. Die Energie wird fürs Heben des Bierglases benötigt. []
  2. Wikipedia sagt, dass “das Zölibat” umgangssprachlich sei. Ich kannte es nur unter “das Zölibat”, aber ich bin ja auch kein Katholik. []
  3. Ich suche noch eine Version, die sich einbinden lässt. []
  4. Ich kann mir eine Menge unpassender Berichterstattungen vorstellen, weigere mich aber diese aufzuschreiben. Sonst kommen die Redakteure noch auf dumme Gedanken. []
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