Das Hehlerspiel

Damals, im alten Jahrtausend, besuchte ich wie viele andere in meiner Heimatstadt den Konfirmandenunterricht.1 Wie fast alles, was meine Ausbildung betrifft, lief auch der Konfirmandenunterricht bei mir irgendwie anders, als bei allen anderen. Ich war zuerst beim Pastor D. Er war eine angenehme Mischung zwischen streng und locker und außerdem seit Jahren der zuständige Pastor für meine Familie. Dann wurden mitten im Kufi-Unterricht die Bezirke oder so neu eingeteilt und ich sollte zu Pastor K. Ich selbst kannte Pastor K. nun nicht so genau, aber Pastor D. war der Meinung, dass Pastor K. so für mich nichts sei bzw. der Unterricht bei K nicht so gut für mich bzw. meine Persönlichkeit geeignet sei. Deswegen kam ich zu Pastor S.2 S. war der jüngste Pastor, den wir hatten und dies schlug sich auch in seinem Unterricht wieder. Gewisse Regularien mussten immer eingehalten werden, aber vieles war freier und dementsprechend für Jugendliche auch irgendwie angenehmer.

Im Zuge des Konfirmandenunterrichts sind wir dann auch mal ein Wochenende nach Asel gefahren. Die „Evangelische Jugendbildungsstätte Asel“ befindet sich im Kreis Wittmund und besteht aus einem nett eingerichteten Gebäudekomplex, ohne den typischen Jugendherbergscharme. Auf dieser Konfirmandenfahrt spielten wir eines Abends/Nachts das so genannte Hehlerspiel. Bei diesem Spiel, welches wirklich immens viel Spaß macht, wird die Gruppe in vier kleinere Gruppen unterteilt:

  • Polizisten
  • Dealer
  • Abhängige
  • Bank

Die Polizisten werden mit einem P als solche gekennzeichnet, entweder in die Innenhandfläche geschrieben, oder aber auf einem eingeschweißten, versteckbaren Zettel. Die Polizisten sollen schließlich nicht sofort als solche erkannt werden. Die Dealer erhalten zu Spielbeginn einen Grundstock an Drogen (Kronkorken sind gut geeignet) und 500€. Die Abhängigen starten mit einem größeren Kapital von 3000€.3 Die Bank beherbergt weiteres Geld, die Drogen und legt den „Wechselkurs“ fest, also was die Drogen im Endeffekt kosten. Wer zu welcher Gruppe gehört wird ausgelost und zwar so, dass niemand weiß, wer zu den anderen Gruppen gehört.

Die Aufgaben der einzelnen Gruppen sind klar: Die Dealer müssen ihre Drogen loswerden und neue von der Bank organisieren, die Abhängigen müssen Drogen kaufen, die Polizisten müssen versuchen Dealer und Abhängige ausfindig zu machen und Drogen/Geld konfiszieren. Die Bank ist zunächst nur den Dealern bekannt, spätestens wenn die Polizisten die Bank finden, ist das Spiel beendet. Ab hier bin ich mir etwas unklar über die Details, bin aber dran sie rauszufinden. Soweit ich mich erinnere, dürfen sowohl Dealer, als auch Abhängige Geld und Ware in Verstecken bunkern. Dies empfiehlt sich in sofern, da ansonsten ein erwischter Dealer/Abhängiger sofort aus dem Spiel ist. Wenn ich mich richtig erinnere, durfte aber jeder ein gefundenes Versteck „ausrauben“ bzw. konfiszieren.

Gespielt werden kann das Spiel sowohl draußen, als auch drinnen, genügend Platz vorausgesetzt. Die Begehung des Spielfeldes erfolgt zunächst in der gesamten Gruppe mit Ausnahme des Ortes der Bank, die wird später nur den Dealern bekannt gegeben. Ab hier lassen sich schon Spielvarianten einbauen: Fasst man, zum Beispiel für die Besprechung von Strategietipps, die einzelnen Gruppen in einem Raum zusammen, so wissen Polizisten/Dealer/Anhängige jeweils, wer zu ihrer Gruppe gehört. Verzichtet man darauf, müssen die Spieler während des Spieles auch die Angehörigen ihrer eigenen Gruppe herausfinden.

Die genauen Spielziele usw. muss ich nochmal herausfinden. Für all diejenigen, die Dealer/Abhängige nun nicht als besonders geeignet ansehen und dem Ganzen einen anderen Touch geben wollen, können die Regeln beispielsweise wie folgt variiert werden:

Piracy : Aus den Polizisten werden Abmahnanwälte oder Mitglieder einer Anti-Piracy-Behörde.4 Aus den Drogen werden Filme oder Musik.5 Aus den Dealern werden entsprechend Seeder, aus den Abhängigen Leecher. Das Geld kann man zur etwas abstrakteren Downloadgeschwindigkeit oder so machen.6 Die Bank wird einfach Pirate Bay oder so genannt und stellt dementsprechend die Dateien und die abstrakte Währung zur Verfügung.

Killerspiele: Polizisten werden zu Politikern oder besorgten Eltern, die Dealer bleiben Dealer, verticken aber böse Killerspiele, die Bank wird zum Computerladen und die Abhängigen werden zu potentiellen Amokläufern.

Politisch völlig korrekte Varianten lassen sich dann mit Briefmarkensammlern oder TC-Gamern bewerkstelligen.7

  1. Die ausgesprochene Abkürzung war merkwürdigerweise Kufi-Unterricht, vielleicht um Ähnlichkeiten zu Kofi Annan zu vermeiden. []
  2. Die Entscheidung war, glaube ich, ziemlich gut. []
  3. Man nehme Spielgeld oder Chips mit einem bestimmten Wert. []
  4. Oder sie bleiben einfach Polizisten. []
  5. Hier kann man dann auch verschiedene Größen der „Ware“ einführen. []
  6. Vorschläge von jemandem, der sich damit auskennt? 😉 []
  7. Dies ist übrigens der 600. Eintrag. []

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