Und plötzlich interessiert es niemanden mehr

Die Piratenpartei Sachsen-Anhalt hat vor einiger Zeit eine Pressemitteilung über die Uni Magdeburg rausgegeben. Inhalt ist eine erneute Datenschutzpanne an der Uni. Wir erinnern uns zurück, sowas gab es schonmal. Damals waren die Forderungen der Studierendenschaft, vertreten durch den damaligen Studentenrat, mittlerweile Studierendenrat, ziemlich lang. Passiert ist…nun, nicht wirklich viel. Der Datenschutzbeauftragte scheint mittlerweile ein neuer zu sein. Aber von den Forderungen des StuRas und dem „Arbeitskreis Datenschutz“ hat man seitdem nie wieder etwas gehört. Und nun gibt es plötzlich einen neuen Datenskandal, „ist nun eine weitere Lücke im Datenschutz der Universität entdeckt worden“, wie die Piraten LSA in ihrer Pressemitteilung vom 23. September 2009 schreiben. Betrachtet man diesen Eintrag in einem örtlichen Forum, so wird deutlich, dass es sich zwar um die neuste Panne, aber nicht um die einzige in letzten Zeit handelt. Ausschlaggebend war beim etwas älteren Fall, der auch in der PM der Piraten erwähnt wird, dieser Blogeintrag vom 13. Juli 2009. An den wirklich zahllosen Kommentaren sowohl im Blog, als auch im Forum, kann man entnehmen, wie sehr das Thema noch zu reizen wusste. Dies ist schade, aber wie ich finde auch verständlich. Vorher wurde viel Aufhebens gemacht und die entsprechenden Stellen gelobten Besserung und was weiß ich nicht alles, doch passiert ist im Endeffekt nahezu nichts. Um ehrlich zu sein: Ich bin der Meinung, dass gar nichts passiert ist, kann dies aber nicht belegen. Deswegen ist halt fast/nahezu nichts passiert. Sicher sollte man sich dann trotzdem aufregen, aber warum? Verpufft doch wahrscheinlich eh wieder. Dies ist wahrscheinlich den meisten Lesern durch den Kopf gegangen, zumindest ging es mir so.

Trotzdem wage ich ja immer noch zu hoffen, dass zumindest einige Personen an der Uni anfangen darüber nachzudenken, wie sie mit den Daten der Studierenden umgehen. Leider können der Zyniker und ich neuerdings jemanden benennen, der sich da offenbar immer noch recht wenig Sorgen macht. Bitte lest den Beitrag beim Zyniker, da ich ihm nicht seine Leser klauen will und aus diesem Grund nur ganz kurz zitiere,  was wir in der FGSE so entdeckten. Das „lyrische Ich“ im Zitat ist der Zyniker.

In einem unverschlossenen Seminarraum hatte man einige Möbel eingelagert, die augenscheinlich aus dem zur Sanierung leer gezogenen Gebäudeteil stammten. Soweit, so unproblematisch. Die Tür stand offen, und so betraten der Flint und ich den Raum. Und fanden folgendes [einen Karton mit Akten].

In dem Karton befanden sich augenscheinlich Akten des Sprachenzentrums, und da an unserer schönen Universität der Datenschutz ja groß geschrieben wird – aber leider nur, weil es sich um ein Substantiv handelt – schrieb ich am selben Tag eine Email an das Sprachenzentrum der Uni, mit der Bitte doch den Raum zu verschließen. Mit dem Gefühl meine Pflicht und Schuldigkeit getan zu haben, ging ich dann nach Haus.

Die Reaktion, der Person, an die der Zyniker schrieb, war leider völlig unangebracht, da zunächst einmal auf die eMail einfach nicht geantwortet wurde. Als wir dann jemandem im Sprachenzentrum direkt darauf ansprachen1, stellte sich heraus, dass es die Dame war, der geschrieben wurde. Leider war beim Gespräch keine Spur von Einsicht oder auch nur leisem Bedauern zu spüren. Wie wir denn dazu kämen, einfach in den Raum zu gucken, interessierte die Dame viel, viel mehr. Es interessierte sie sogar so sehr, dass sie unsere Erklärungen gar nicht hören wollte bzw. sie einfach mal nicht zu glauben schien. Es ist wirklich erstaunlich, wie oft jemand das Wort „Autorisation“ kurz hintereinander benutzen kann. Dabei ist es meiner Meinung nach zunächst einmal völlig egal, ob wir die Berechtigung hatten oder gebraucht hätten, um einen offenstehenden Seminarraum zu betreten, selbst wenn dieser scheinbar gerade als Lager dient. Warum das so egal ist? Weil wir darauf hingewiesen haben und uns nicht einfach bedient haben. Ja, diese Logik mag komisch klingen, aber wenn man auf den schludrigen Umgang mit Akten und Dokumenten hingewiesen wird, dann sollte man für diese Hinweise dankbar sein. Nicht nur in Hinblick auf die Datenskandale und Skandälchen, die wir schon hatten, sondern auch im Hinblick auf die Diebstahlsrate an der FGSE. Was da nicht schon alles an Technik und Einrichtungsgegenständen verschwunden ist. In dem Raum hätten auch ganz andere Akten sein können bzw. vielleicht waren in dem Raum sogar ganz andere Akten. Wie wäre es mit Arbeitsverträgen, Gehaltsabrechnungen, Korrespondenz? Wobei sich einem die Frage aufdrängt, ob solche Dinge nicht in anderen, nämlich stets verschlossenen Räumen gelagert werden. Mit Klausuren von Studierenden kann man da wahrscheinlich schludriger umgehen.

Was mich persönlich an der ganzen Sache besonders nervte, ist der Umstand, dass kaum ein „Danke für den Hinweis“ kam.2 Man hätte auch einfach gar nichts machen und abwarten können, ob es nicht jemand merkt, der vielleicht Gefallen daran findet die Klausuren einfach mitzunehmen. Oder meinetwegen die anderen Dinge, die da so im Raum rumstanden bzw. wahrscheinlich immer noch rumstehen. Aber anstatt so an die Sache heranzugehen, wird man als Hinweisgeber fast als „Verbrecher“ hingestellt und rund gemacht. Grandios, wirklich.

  1. warum wir das getan haben, siehe Zyniker []
  2. Es kam eins, aber das war so dermaßen unfreundlich und unglaubwürdig… []

2 Gedanken zu „Und plötzlich interessiert es niemanden mehr“

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