Countrysachsen

Freitag und Samstag war ich mit der Praktikantin in Bergwitz, genauer gesagt hier. Meine Eltern sind dort Dauermieter eines (unrenovierten) Bungalows. Die ganze Siedlung liegt mitten im Wald und ist eigentlich schön ruhig. Der Bungalow meiner Eltern verströmt außerdem noch so einen gewissen DDR-Charme. Für zwei Tage Entspannung ist die Siedlung aber normalerweise wunderbar geeignet, jedenfalls wenn man Glück mit den anderen Gästen hat. Dieses Mal hatten wir etwas weniger Glück. Außer uns und ein paar anderen Gästen war auch eine größere Gruppe aus dem Raum Leipzig angereist.

Nun habe ich nichts gegen Sachsen, ich habe nur etwas gegen Menschen, die sich mit Vorliebe über eine Distanz von mehreren Metern unterhalten und dementsprechend, nun, brüllen.1 Aber nach ein paar Jahren Olvenstedt, stören mich auch laute Menschen etwas weniger als vorher, selbst wenn sie sächseln. Was mich allerdings weiterhin stört ist laute Musik, die mir nicht gefällt und um die ich nicht gebeten habe. Leider kam dieser Punkt bei den Leipzigern noch erschwerend hinzu, denn es handelte sich um eine Line-Dancers-Country-Wasweißich-Gruppe, die scheinbar ein gemütliches, alkoholseliges Probewochenende in der Ferienanlage verbringen wollte. Hierfür hatten sie auch den Veranstaltungssal angemietet. Dieser Veranstaltungssaal ist an sich ein großer Wellblechschuppen mit Türen. Türen…Türen sind wichtig, denn man kann sie aufmachen um in ein Gebäude zu gelangen. Soweit brachten die anderen Gäste es auch, nur das Prinzip „Tür schließen“ war ihnen nicht ganz so geläufig. So konnten sie ständig während ihrer Proben gemütlich rein und raus laufen und die Musik konnte sich auch ungehindert entfalten. Ungehindert…entfalten. Country-Musik ist nun nicht jedermanns Sache, wobei ich gegen viele Lieder nun nichts habe, wenn ich entscheide, wann und in welcher Lautstärke ich sie höre.2 Ernsthaft über ein Attentat auf das Stromkabel dachte ich allerdings nach, als ich plötzlich einzelne Texte erkannte. Die Musik blieb Country, aber die Texte wurden plötzlich Irish Folk. Irish-Folk-Country-mit-yeeehawenden-Sachsen. Man möge darüber bitte einmal kurz nachdenken, vor allem, wenn man seit Jahren Bands wie The Dubliners kennen und lieben gelernt hat…

*schauder*

Dem Internet sei Dank, konnte ich hier mit etwas Sucherei ein entsprechendes Beispiel rauskramen. Was die da scheinbar geprobt haben nennt sich „Irish Stew“ und ich glaube das Medley im folgenden Lied war auch eines der Lieder, was meine Ohren und die der Praktikantin in Bergwitz umwehte. Die Linedance-Truppe ist aber wohl eine andere.

Die entsprechenden Szafe zum Wochenende gibt es dann hoffentlich demnächst. Yeehaw!
Hmm…wenn Linedancer ihre Tänze ab und an nach Gerichten benennen…gibt es dann auch eine Country-Version von Heino? Mit dem Tanz „Eisbein und Sauerkraut“?

  1. Der sächsische Dialekt ist für meine Ohren dabei ein verstärkendes Zubrot. []
  2. Auf sächsisch yeeehawende Menschen waren hier die obligatorische Zugabe für meine Ohren und mein Nervenkostüm. []

4 Gedanken zu „Countrysachsen“

  1. Das waren bestimmt Delitzscher, das können auf gar keinen Fall Leipziger gewesen sein. Leipziger verfügen über Stil, Kultur und Geschmack! Das müssen die „Wilden“ aus dem Leipziger Umland gewesen sein, anders sind das beschriebene Auftreten nicht erklärbar!!!!

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