„Ich weiß nicht, ob sie das so in der Didaktik lernen.“

Sie wisse nicht, ob ich das so in der Didaktik lernen würde, aber es wäre ziemlicher Mist gewesen. Das bekam ich im Praktikum für einen wirklich „dämlichen“ Fehler zu hören. Ich bin froh über entsprechende Kritik, vor allem, wenn der Fehler oder die Ansicht dort sei ein Fehler gewesen, nichts mit unterschiedlichen Lehrstilen zu tun hat. Ich werde wahrscheinlich auch genau diese Stunde im Praktikumsbericht entsprechend auswerten1 und werde auch mir selbst den Großteil der Schuld zuschieben. Noch bin ich allerdings am Überlegen, ob nicht auch die Didaktik den einen oder anderen Seitenhieb bekommt. Wahrscheinlich wird sie es nicht, weil die einzige Didaktikerin für das Fach diesen Bericht liest und ich nicht ganz genau weiß, wie es mit ihrer Kritikfähigkeit bestellt ist. Dementsprechend werde ich zunächst einmal hier meine Gedanken entsprechend ordnen.

Zunächst: Wo lag der Fehler? Während einer (verkürzten) Unterrichtsstunde zu Fabeln (Fabelvergleich Äsop/Lessing „Wolf und Schaf“) in der 11. Klasse sollten die Schüler für mich ihren tabellarischen Vergleich (Hausaufgabe) kurz zusammenfassen. Dies fiel eher dünn aus. Strukturelemente der Fabel, welche in den Texten zu finden waren, kamen erst auf Nachfrage, zur Charakterisierung der auftretenden Figuren und deren Bedeutung kam nahezu nichts und auch sonst fehlte so das eine oder andere.

Was der Flint gemacht hat: Ich bin leider, abgesehen von ca. 5 Minuten relativ ergebnisloser Fragen darüber hinweggegangen, da ja noch die Ausformulierung der Tabelle anstand. Dementsprechend blieben die eher dünnen Analysen relativ unkommentiert im Raum stehen.

Die logische Konsequenz aus den Schülerleistungen wäre sicherlich gewesen, an dieser Stelle meinen vorbereiteten Unterrichtsentwurf zu verlassen und die Texte Schritt für Schritt zu analysieren. Ohne eine vernünftige Grundlage wird nämlich wahrscheinlich die Ausformulierung auch nicht das, was sie eigentlich sein soll. Warum ich das nicht getan habe, hat für mein Dafürhalten verschiedene Gründe. „Angst“ vor dem Verlassen der vorbereiteten Wege spielte wahrscheinlich eine Rolle, wenn auch meiner Meinung nach eine eher geringe. Die vage Hoffnung, dass die von mir korrigierten Brocken und das, was die Schüler in ihren Heftern hatten2 , einhergehend mit einer erneuten Beschäftigung mit dem Text, ausreichen würden um die Ausformulierung zu retten, spielte sicher auch seinen Teil. Was ich für mich selbst bisher aber als größten Faktor ausgemacht habe, ist eher unterbewusster Art. Meistens bekommt man nämlich in der hiesigen Didaktik vermittelt, dass der vorbereitete Unterricht etwas heiliges ist. Ein verlassen dieses Entwurfs, eine Improvisation könne zwar angebracht sein, aber man sollte dieses Vorgehen lieber vermeiden. Kommt nicht gut, vor allem nicht später im Referendariat in irgendwelchen Prüfungsstunden. Diese Herangehensweise hat sicherlich ihre Vorteile, brennt sich aber – zumindest bei mir – scheinbar recht fest und überlagert zwischenzeitlich das, was mir eigentlich wichtig ist: Die Schüler sollen einen Mehrwert durch meinen Unterricht haben.

Zeit das Ganze zu retten habe ich leider nicht wirklich, aber so werde ich wahrscheinlich die Schülerleistungen, welche ich korrigiere, noch mit etwas anderen Augen sehen. Warum Schüler ein Jahr vor dem Abitur noch nicht firmer in der Textanalyse sind, steht auf einem anderen Blatt.

Was bleibt ist auf jeden Fall die Erkenntnis, dass ich im Bereich „Verarbeitung von Schülerinterpretationen“ für mich selbst noch nacharbeiten muss. Ist ja aber auch das erste Mal, dass ich mit soetwas im Unterricht konfrontiert werde.3

  1. Wenn mir im Rest des Praktikums nicht noch schlimmeres passiert, was ich ja nicht hoffe. []
  2. Was ja nicht unbedingt genau das ist, was sie vorlesen, []
  3. Heute lief es etwas besser, dafür habe ich die Zeit aus den Augen verloren. []

2 Gedanken zu „„Ich weiß nicht, ob sie das so in der Didaktik lernen.““

  1. Geht doch nichts über eigene Erfahrungen. Spontan alles umstellen ist etwas, was man immer wieder mal macht, und was auch im Referendariat hoffentlich gern gesehen wird (wenn auch nicht unbedingt in Lehrproben).

    Das Ausgangsproblem war aber wohl das, dass die Schüler nicht wussten, was sie zu Hause machen sollten; oder keine rechte Lust dazu hatten und die Arbeit oberflächlicher gemacht haben als nötig; oder überfordert waren. Wenn du weißt, wie man sich da verbessern kann, gib mir einen Tipp.

  2. Werde ich tun. Aber dafür erst einmal eine Klasse lange genug haben…Die Einschätzung der Schüler, wenn man sie nur so kurz unterrichtet, ist dann doch immer etwas oberflächlich.
    Denke aber, dass ich demnächst noch einen Artikel zu meinen Erfahrungen im Fach Deutsch in diesem Praktikum schreiben werde.

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