Interviews auf SPON

Wenn man sich so durch die zahlreichen Interviews bei SPON klickt, dann fragt man sich schon manchmal, wie schlimm es um unsere Gesellschaft bestellt ist. Oder man fragt sich, ob der jeweilige Interviewer krampfhaft versucht ein bestimmtes Bild von seinem Gesprächspartner zu vermitteln, in dem er entweder „fiese/gemeine“ Fragen stellt oder aber reine Allgemeinplätze in den Raum stellt. Besonders deutlich wird die Qualität der Interviews, meiner Meinung nach, bei denen mit Kader Loth und mit der Studentin Verena Haase. Der Schluß, den Frau Loth liefert, spricht eigentlich schon für sich, wobei die Hervorhebung von mir stammt:

SPIEGEL ONLINE: War es ein Kindheitstraum von Ihnen, einmal Politikerin zu sein?

Loth: Nein, aber bei all den Vorbehalten, die man immer gegen mich hat, wird es Zeit, den Leuten zu zeigen, was ich draufhabe. Gegen diese Vorurteile will ich ankämpfen und mich weiterentwickeln. Gerade Frauen wie ich, die außergewöhnlich sind und in der Öffentlichkeit stehen, die oft auch in eine bestimmte Schublade gesteckt werden, sind am Ende viel motivierter, sich für etwas einzusetzen als eine normale Frau, die hinterm Kochtopf steht.

Hm, ja. Entweder bestätigt Frau Loth da gerade ganz geschickt die Vorbehalte, die „man“ immer gegen sie hat, oder aber die Redakteurin lacht sich klammheimlich ins Fäustchen, weil sie dies ohne Suggestivfrage geschafft hat.

In eine etwas andere Richtung geht hingegen das zweite Interview. Hier habe ich irgendwie den Eindruck, dass die Fragen und die Antworten ab und an nur so ganz ungefähr zusammenpassen und dass eine kritische Auseinandersetzung noch weniger gewollt ist, als bei Frau Loth. Frau Haase ist Studentin und hat eine „Pro-Bachelor-Kampagne“ entworfen, in der es u.a. heißt: „Ich bin Bachelor und kein Mensch weiß, was das ist!“ Nun ist ein Vergleich von Studienabschlüssen relativ schwierig, aber folgendes Zitat strebt einen wirklich schwierigen Vergleich an:

Erst vor Kurzem hat ein Bekannter einen Job nicht bekommen, weil er Bachelor-Absolvent ist. Ein Diplomstudent wurde vorgezogen. Spätestens da war mir klar, dass endlich etwas geschehen muss, um den Bachelor-Abschluss in ein besseres Licht zu rücken.

Bachelor mit Diplom zu Vergleichen ist wirklich schwierig. Master mit Diplom, wäre einfacher und vor allem wäre das Argument dann nachvollziehbarer, finde ich zumindest. Danach kommen schöne Beispiele dafür, dass man nicht auf Fragen antworten muss, die einem gestellt werden. So gefällt Frau Haase am Bachelor, dass man einen straffen Zeitplan hat, da sie „dieses Trudeln nicht [mag], nach dem Motto: Ich hab jetzt ewig Zeit. Ich bin ein Mensch, der immer Input braucht […]“. Strenger Zeitplan ist gut, weil sie „viel Zeit“ eh nicht mag? Äh…nun gut.
Schön ist auch folgende Passage:

SPIEGEL ONLINE: Ist es nicht so, dass man in kürzerer Zeit mit der gleichen Menge Informationen zugeschüttet wird und keine Zeit mehr bleibt, sich richtig damit auseinanderzusetzten?

Haase: Das ist natürlich eine Gratwanderung. Viele Absolventen, die ich kenne, meinen im Nachhinein, dass ein bisschen mehr Zeit nicht schlecht gewesen wäre. Aber was hätten die denn mit dem mehr an Zeit angefangen? Die meisten sitzen dann nicht am Schreibtisch, sondern gehen jeden Abend einen trinken. Das gehört auch zum Studium, aber es muss nicht dauernd sein. Wenn man sich einschränkt, kann man das Studium gut in der verkürzten Zeit schaffen.

Ich lasse das jetzt einfach mal so im Raum stehen. Ich studier halt nicht zukunftsorientiert, habe mehr Zeit und haue mir deswegen ständig die Hucke voll. Lesen Interviewer und Interviewte manchmal, was da im Endeffekt steht? So mit Kontext und so?

Als Schlusswort, auf die Frage nach der Meinung zum Bildungsstreik:

Haase: Also bei uns in Hof gab es das nicht. Da hätte man wohl nach Nürnberg fahren müssen. Aber ich würde bei so was definitiv nicht mitmachen. Ich bin überzeugt, dass man sich hauptsächlich selbst schadet, wenn man auf Bachelor studiert und dann behauptet, dass der eigene Abschluss schlecht sei.

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