Interjektionen und Onomatopoetika

In einer Vorlesung über Wortarten hatten wir als letzte Wortart des Semesters die Interjektionen. In der Vorlesung und auch hier sollen Interjektionen wie folgt definiert werden:

prototypische Merkmale der Interjektion:1
„expressiver Ausdruck einer spontanen Emotion, Abwesenheit referentieller Bedeutung, Unflektierbarkeit, syntaktische Autonomie, eventuelles Vorhandensein onomatopoetischer Strukturen“

Dröseln wir das mal etwas auseinander für alle, die sich, wie ich, mit zu vielen Fachwörtern etwas schwer tun.
Flektion ist grob gesagt die grammatikalische Anpassung der Form eines Wortes an so etwas wie Kasus oder Nummerus. Unflektierbar bedeutet dementsprechend, dass eine solche Anpassung nicht vorgenommen wird/werden kann. Syntaktische Autonomie sagt aus, dass Interjektionen nicht an einen festen Platz im Satz gebunden sind. Was onomatopoetisch ist, das klären wir nach der Bestimmung einer „Interjektion“. Interjektionen sind an sich schlicht „Einwürfe“, die wir in unsere Sätze einbauen. Dies geschieht meistens in der gesprochenen Sprache. Beispiele wären: ah, brrr (frieren), hui, nanu, oi, puh, tja, uff, ui, pst, ätsch oder brrr (zum Tier). Nun können Interjektionen auch eine onomatopoetische Struktur haben. Onomatopoetika sind „lautmalerische Wörter“, d.h. Wörter die ein außersprachliches akustisches Phänomen nachahmen. Beispiele hierfür sind zum Beispiel miau, piep, Kuckuck, tatütata, kikeriki oder brumm. Onomatopoetika können Interjektionen – „haha“ zum Beispiel – sein, manchmal sind sie aber auch nur Onomatopoetika.
Neben der gesprochenen Sprache sind Interjektionen und Onomatopoetika besonders in Comics und der „Internetkommunikation“ verbreitet. Besonderer „Dank“ gilt hier wohl Erika Fuchs, ihres Zeichens Übersetzerin der Donald Duck Comics. Erika Fuchs sind besondere Leistungen in Bezug auf die Verbreitung des Inflektivs im Deutschen zuzuschreiben. Der Inflektiv oder scherzhaft „Erikativ“ genannt ist ein Verb in der „Grundform“, welches nicht gebeugt wird2 , bei der auch die deutsche Infinitivendung -n/-en weggelassen wird. So wird aus dem Infinitiv „gähnen“ das Wort „gähn“. Oder aus „lachen“ wird „lach“. Man sieht, dass viele im Internet, besonders in Messengern, ständig mit Inflektiven rumwerfen ohne dies zu wissen.3

  1. nach Nübling, D.: Die prototypische Interjektion: Ein Definitionsvorschlag.
    In: Zeitschrift für Semiotik. 26 (2004) 1-2, 13 []
  2. Eine infinite, unflektierte Verbform []
  3. Ich wollte auf irgendwas bestimmtes hinaus, hab aber vergessen auf was. Deswegen endet der Eintrag „einfach so. []

2 Gedanken zu „Interjektionen und Onomatopoetika“

  1. Der Inflektiv kann auch erweitert werden: „Ins Fäustchen lach“, „vor Angst in die Hosen mach“ – zumindest war das in meiner Spielerunde früher so üblich.

    Syntaktisch autonom sind Interjektionen insofern, als sie in der Regel wohl satzwertige Konstruktionen sind – also nicht nur an keine Stelle in einem Satz gebunden sind, sondern gar nicht in einem Satz auftauchen können, sondern selber einen Quasi-Satz bilden.

    Wie man am Erikativ sieht (das Wort kannte ich noch nicht, sehr nett) können Interjektionen auch aus anderen Wortarten entstehen. „Mist!“ ist wohl eine Interjektion, oder? Auch „fuck“ ist eine Analyse wert, selbst mit Quasi-Objekt „fuck you“ verhält es sich nicht wie ein normaler Imperativ. (Siehe „English sentences without overt grammatical subject“ von Quang Phuc Dong. Gibt’s sicher auch im Web.)

  2. Hm, das mit der Autonomie stimmt wohl so. Wenn ich wüsste worauf ich hinaus wollte, dann wüsste ich, ob ich darauf noch näher zu sprechen kommen wollte.

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