Handbuch für Jungen

Meine „Oma Idsche“ schenkte mir vor unzähligen Jahren mal ein Buch. Das „Handbuch für Jungen“ in der überarbeiteten Ausgabe, erschienen beim Verlag „Die Libelle“. Original stammt aus Great Britain, das Copyright datiert sich auf 1976. Das Büchlein kostete mal 3,95 DM und sieht so aus:

Handbuch für Jungen 1976. Anklicken für größere Ansicht.
Handbuch für Jungen 1976. Anklicken für größere Ansicht.

Auf 192 Seiten werden die verschiedensten Themen angesprochen, wobei die Zusammenstellung mitunter extrem merkwürdig wird. Folgende Themenbereiche werden abgehandelt1 :

  • Das Weltall (9 – 15)
  • Der Mensch im Weltraum (16 – 19)
  • Die Erde 1 (20 – 34)
  • Die Erde 2 (35 – 64)
  • Deutschland 1 (65 – 74)
  • Deutschland 22 (75 – 83)
  • Unsere Sprache und Schrift (84 – 96)
  • Kunst und Wissenschaft (97 – 111)
  • Kalender und Weltzeit (112 – 117)
  • Berühmte Männer und Frauen (118 – 125)
  • Brauchbares für die Schule (126 – 138)
  • Technologie (139 – 149)
  • Natur und Freizeit (150 – 154)
  • Haltung und Pflege von Haustieren (155 – 169)
  • Sport (170 – 177)
  • Signale (178 – 184)
  • Transport und Verkehr (185 – 192)

Mittlerweile ist das Buch gute 33 Jahre alt und dementsprechen bizarr wirkt die Lektüre vereinzelt. So haben die Vereinten Nationen noch 149 Mitgliedsstaaten, heute sind es 192, und auch die Transkei gab es noch (neben anderen Staaten). Die „France“ (SS Norway) war das größte Passagierschiff, Bonn war noch Hauptstadt der BRD mit seinen 62, 1 Millionen Einwohnern und die DDR gab es natürlich auch noch. Anders als von mir erwartet, werden bei Dingen wie „Größten Städte“ oder „Universitäten“ die BRD und DDR nicht unterschieden, sondern es wird ein Gesamtdeutscher Ansatz genutzt.

Ferner gehören Abzeichen und Dienstgrade der Bundeswehr zu dem, was ein Junge scheinbar wissen musste. Richtig interessant wird es allerdings in den gesellschaftlichen und technologischen Kapiteln. So zum Beispiel das Kapitel „Neue Wörter“ (S. 89ff.). Zu diesen neuen Wörtern, die auch erklärt werden, zählen u.a. „Emanzipation“, „Indentität/-skrise“, „Rollenverhalten“, „Sachzwang“. „Soziologie“ oder „Statussymbol“. Direkt auf dieses Kapitel folgt übrigens „Kleinschreibung – gemäßigt oder radikal?“. Sehr schön bei der „gemäßigten kleinschreibung [sic!]“: „Eigennamen, einschließlich aller namen [sic!] Gottes, werden groß geschrieben.“

Später folgt dann direkt auf „Wernher von Braun – von der V2 zur Apollo“ das Unterkapitel „Was ist Parapsychologie?“

Eine der schönsten Formulierungen, die ich bisher gefunden habe, ist aber folgende unter der Überschrift „Sind Computer >>Elektronengehirne<<?“:

Computer werden oft Elektronengehirne genannt. Diese Bezeichnung ist falsch, weil sie nahelegt, daß ein Computer denken kann. Eine zutreffendere Umschreibung wäre >>Überschall-Idiot<<, denn Computer können zwar Aufträge in ungeheurer Geschwindigkeit ausführen, jedoch absolut nichts, von dem ihnen vorher nicht genau >>gesagt<< worden ist, wie es gemacht werden muß.

Schön, oder?

  1. Ohne Unterpunkte. []
  2. Nein, damit ist nicht die DDR gemeint []

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