Wenn die Bildung streikt

Am 17. Juni 2009 war bundesweiter Bildungsstreik. Erst wollte ich was zum Ablauf dieses Streikes hier in Magdeburg schreiben, habe mich dann aber doch dazu entschlossen mich einem anderen Thema zu widmen. Bei manchem Studierenden hat heute nämlich die Bildung wirklich gestreikt und wenn nicht die Bildung, dann doch zumindest das letzte bisschen Verstand. Die Ablehnung, die dem Bildungsstreik heute von Seiten mancher KommilitonInnen entgegengeschlagen ist, ist für mich nur schwerlich nachzuvollziehen. Klar, man kann dagegen sein. Aber wenn man dagegen ist, dann doch bitte mit halbwegs nachvollziehbaren Argumenten. Diese Argumente kamen mitunter, vermochten aber kaum die Platitüden und dummen Sprüche zu überlagern, die einem sonst so um die Ohren wehten.

Ich selbst habe in Gesprächen im Vorfeld und während der Veranstaltung keinen Hehl daraus gemacht, dass ich den Streik an sich befürworte und auch die „Besetzung“ der Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften als gute Aktion ansehe.1 In der FGSE sollten während des Bildungsstreikes (also eigentlich bis 13 Uhr, weil da ging die Demo los) keine Lehrveranstaltungen stattfinden. Die Dozenten durften aber ihre Seminare öffentlich vor der Tür halten oder „spontane“ Seminare zum Thema Bildung/Bachelor ebenfalls vor der Tür anbieten. Kurz gesagt: Die Organisation war gut und wirklich durchdacht. Natürlich gibt es immer Dinge, die man verbessern kann oder die nicht wirklich gut gelaufen sind, aber das Gesamtbild, wie ich es mitbekommen habe, passte.
Die „Argumente“, die zum Teil gegen den Bildungsstreik und gegen die „Besetzung“ der FGSE hervorgebracht wurden, waren hingegen nicht unbedingt immer gut durchdacht. Meine persönlichen Highlights:

So beriefen sich einige auf ihr „Recht auf Bildung“. Ja, gut…wo war dieses Recht bei nicht angebotenen Lehrveranstaltungen oder völlig überfüllten Seminaren? Besonders lustig war es übrigens, dass dieses Argument oft genau von denen kam, die sonst2 ständig das Maul weit aufreißen wie schlimm und scheisse doch alles an der FGSE wäre. Geht dann mal jemand auf die Straße, dann bleiben sie beim Maul aufreißen. „Ist doch scheisse…und diese Forderungen!“ Tja, nur doof, dass an der FGSE selbst andere, „lokalere“ Forderungen und „Parolen“ ausgegeben wurden, als bei der Demo. Natürlich wurden die „offizielle“ Punkte auch verlesen, aber nur als ein kleiner Punkt unter vielen. Von den vehementen Gegnern hat das wahrscheinlich niemand mitbekommen, denn dafür hätte man vor Ort sein/bleiben und vor allen Dingen zuhören müssen.

Ein bisschen anders war es bei den Kollegen, die erst gar keine Argumente vorgebracht haben, sondern einfach so den Streik gebrochen haben. Ganz schön clever eigentlich, denn so wirklich fernhalten kann man aus der Uni ja niemanden. Besonders eindrucksvoll brach den Streik ein Dozent der Politikwissenschaft.3 Dieser Dozent riss einfach den Tisch bei Seite und stürmte in das Gebäude. Man munkelt er hätte mal telefonieren müssen. Dieser Dozent bietet übrigens Seminare wie „Argumentation und Verhandlung“ an und „Politische Kultur“ gehört zu seinen Schwerpunkten.

Ansonsten waren noch die Kleinkaroscheisser interessant. Denen reichte ein kleines Fitzelchen, um das ganze Projekt schlechtzumachen. Frei nach dem Motto – und frei erfunden: Da fehlt ’n Komma, das kann ich nicht unterstützen!

Natürlich gab es auch Leute, die zwar mit dem Streik bzw. den konkreten Maßnahmen nicht zufrieden waren, aber sich wenigstens mit den Streikenden auseinandergesetzt haben. Wenigstens hoffe ich, dass es diese gab.

Wer mag, kann gerne noch persönliche Erfahrungen ergänzen.

  1. Besetzung heißt hier: Die Türen wurden mit „Streikposten“ versperrt. Reingelassen wurde nur die Verwaltung und Leute mit guten Begründungen. So z.B. einige Dozenten oder grundsätzlich Leute die Prüfungen o.ä. hatten. []
  2. Auf dem Flur oder beim Bier []
  3. Ich muss allerdings zugeben, dass ich nicht genau weiß in wie weit vorher argumentiert wurde. []

2 Gedanken zu „Wenn die Bildung streikt“

  1. Auch wenn zahlreiche Forderungen des Bildungsstreikes (weniger Einfluss der Wirtschaft (was auch immer das heißen mag), Ablehnung der Bologna-Reform etc.) reichlich illusorisch, realitätsfremd und falsch sind, so ist die grundlegende Konzeption unterstützenswert und auch dringend notwendig und geboten. Wäre ich in Deutschland, hätte ich mich definitiv beteiligt.

    Nicht zu vergessen ist die Außenwirkung, kaum ein Politiker, Bürger wird sich in diskursiver Manier mit den Forderungen auseinandersetzen, sondern es soll ein Fokus auf die Mißstände innerhalb des Bildungssystems gerückt werden.
    Französische Verhältnisse werden wir wohl nie erreichen. Bevor wir Deutschen eine Revolution starten, bitten wir sowieso erst um Erlaubnis.

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