Berichte von der Wahlkampffront

Ja, ich weiß, es hat lange gedauert, bis ich endlich mal berichte. Es tut mir leid. Dafür jetzt aber die Zusammenfassung der ersten beiden Donnerstage und mehr.

Erster Donnerstag, 14.05.2009:

Ich bilde mit dem K., einem Komilitonen, und dem B., einem gesetzteren Mitglied der zu Bewerbenden, ein Wahlkampfteam. Wir fahren in einem Bus zwei Standpunkte in Sachen-Anhalt an einem Tag an und machen Wahlkampf.

Zuerst verschlug es uns nach Gardelegen. Dort mussten wir erst mal unseren Stellpatz suchen. Aber nach zwei Ehrenrunden konnten wir unseren Stand aufbauen. Zuerst schaute ich mir an, wie die beiden Herren so ihr Material unter die Leute bringen, schließlich hab ich sowas noch nie gemacht. Dass ich anfangs am Stand blieb war auch gut so, denn es war sehr windig und das eine oder andere mal wäre der „Stand“ ohne festhalten eher zum „Lieg“ geworden. Nach ein paar Minuten versuchte ich dann auch mein Glück und fand sehr schnell heraus, dass es von Vorteil sein kann, wenn man Süßigkeiten für eventuell auftauchende Kinder dabei hat. Den Kindern kann man dann nämlich was leckeres in die Hand drücken und den Eltern ein paar Informationen zum Kandidaten.

Die allgemeine Stimmung war allerdings nicht sonderlich wahlfreundlich. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir folgende zwei Personen: Der Fensterputzer und die offensichtlich esoterisch begeisterte Unterstützerin der „freien Wähler“. Ersterer zeichnete sich trotz absoluter Politik- bzw. Parteienverdrossenheit durch Freundlichkeit aus. Nachdem er uns seinen Standpunkt erläutert, Fenster auf der gegenüberliegenden Seite geputzt und noch einmal mit uns geredet hatte, zeigte er uns den Rückweg. K. und B. beschlossen einstimmig, dass er spätestens bei den nächsten Wahlen Ortsvereinsvorsitzender einer Partei in seinem Wahlkreis sein würde.

Die Dame dagegen verwickelte den K. in ein etwa einstündiges Gespräch. Sie wähle nicht für das Europaparlament, das sei doch Unsinn. Aber sie sammele grade Unterstützungsunterschriften für ihren Kandidaten, ob wir nicht unterschreiben wollten. K. machte ihr dann klar, dass wir das nicht können, selbst, wenn wir wollten und dass doch auch die freien Wähler für das Europaparlament antreten. Nachdem ich soweit mitgehört hatte, beschloss ich, mich wieder um die anderen Passanten zu kümmern. Zwischenzeitlich traf auch noch unser Kanditat ein und rührte selber ein wenig die Werbetrommel. Der B. war allein unterwegs und verteilte Flyer in den Briefkästen. Nachdem der K. die gute Frau abgeschüttelt hatte, nicht ohne einen ihrer Flyer von ihr in die Hand gedrück zu bekommen, erzählte er dann von seinem Gespräch und zeigte den Flyer herum. Sie wolle, dass „das Volk“ regiere, nicht irgend eine Partei. Mein Gedanke dazu war: 1. schon mal versucht, 80 Millionen Leute in einen Raum zu bekommen? und 2. Ihre Kandidaten repräsentieren doch auch nur „das Volk“, genau, wie die, die jetzt in der Regierung sitzen und 3. wer genau ist eigentlich „das Volk“?

Bei dem Flyer fiel mir dann noch auf, dass der Beispielwahlzettel aus Bayern und dem Jahr 2005 stammt. Ich weiß nicht, ob das so klug war…1

Da der B. alleine unterwegs war, wie schon gesagt, standen wir ab einer gewissen Zeit vor einem Problem: der B. hatte den Autoschlüssel bei sich. So prägte sich die Frage „Wo ist eigentlich B.?“, die wahrscheinlich zum running gag dieser Kampange werden wird. Auch Versuche, ihn über das Handy zu erreichen waren nutzlos, er hatte sein Handy nämlich im Bus gelassen.

Nachdem er wieder da war, gingen wir noch eben zu Mittag essen und fuhren dann weiter nach Aschersleben.

Dort wurden wir vom Ortsverein unterstützt. Allerdings war am Nachmittag nicht mehr sonderlich viel los. Die Leute, die vorbei kamen, waren allerdings größtenteils recht interessiert. Auch hier zwei Besispiele: zwei alte Damen. Beide sehr politisch interessiert. Die eine berichtete, dass sie einen Vorschlag, ich glaube wegen Klimaschutz, an den Bundestag schickte und dieser Antwortete, dass sie, wenn sie wieder eine Idee hat, diese doch bitte auch mitteilen solle.

Die andere fragte viel nach, war auch besonders am Klimaschutz interessiert und berichtete von einer Reportage, die sie gesehen hatte. Sie meinte, der Inhalt dieser könne mich ja auch interessieren, weil ich doch Nebenfach Philosophie studiere2.

Auch hier stellte sich heraus, dass Gummibärchen wunderbare Wahlkampfhilfen sind.

Nachdem wir auch in Aschersleben ein wenig Material los geworden waren fuhren wir zurück nach Magdeburg, da es sich abzeichnetete, dass nicht mehr viele Leute vorbei kommen würden. Damit war also der erste Wahlkampf-Donnerstag vorbei.

Donnerstag, 21.05.2009, Vatertag:

Kein Wahlkampf, dafür war ich mit Chefchen mal wieder in Aurich. An diesem Donnerstag passierte nicht sonderlich viel. Wir waren mit einer Bekannten vom Chef Kaffee trinken. Am folgenden Samstag aber entdeckte ich, als wir durch die Stadt schlenderten einen Wahlkapfstand vom niedersächsichen Teil der durch mich zu bewerbenden Partei. Da musste ich doch glatt mal gucken. Also ran und die nächstbeste Wahlkämpferin angesprochen. Diese hat mir auch gleich Material in die Hand gedrückt. Als ich dann erzählte, dass ich in Sachsen-Anhalt Wahlkampf mache, holte sie gleich ihren Kanditaten ran3. Dieser fragte dann nach der Stimmung bei uns, dachte kurzzeitig, dass ich etwas mit Enercon zu tun habe, gab mir den einen oder anderen Wahlkampf-Tip und meinte, ich solle meinem Kandidaten einen schönen Gruß bestellen.

Donnerstag, 28.05.2009

Am Treffpunkt erfuhr ich von unserem Koordinator, dass mein Kandidat und der niedersächsiche sich nicht unbedingt grün sind, zumindest auf sachlicher Ebene. Der Eine ist Spezialist für Umwelt, der Andere für Verkehr. Den Gruß hab ich dann trotzdem übermittelt.

Unsere Tour führte uns nach Haldensleben. Auf der Fahrt ließ ich mich vom K. darauf festnageln, dass ich eintrete, wenn unser Kandidat es wieder ins Europäische Parlament schafft4.

Auch hier unterstüzte uns wieder der Ortsverein oder wir ihn, je nachdem, wie man’s sehen will, sind ja schließlich auch Kommunalwahlen.

Diesmal hatten wir herzförmige Lollies dabei. Auch die ziehen wunderbar bei den meisten Eltern mit Kindern. Die zum verteilen bestimmten Kugelschreiber gingen weg wie warme Semmeln, natürlich nur in Verbindung mit Informationsmaterial, versteht sich. Ansonsten gibt es nicht weiter viel zu berichten, außer dass wir uns kurz vor Abfahrt fragten: „Wo ist eigentlich B.?“ Der hatte sich nämlich im allgemeinen Getümmel irgendwann von dannen geschlichen. Aber als wir dabei waren, ein Foto unseres Kanditaten auf einem Steinthron zu machen, der da einfach so rum stand, war er wieder da. Schönes Foto.

Bei unserer Abreise begann irgendwo Weihnachsmusik zu spielen…

Danach gings wieder nach Gardelegen. Da war allerdings recht tote Hose, weil auch der Markt in unserer dierekten Nähe gerade abgebaut wurde. Wir beschlossen, uns ein Wohngebiet mit möglichst vielen Briefkästen zu suchen, um diese mit unseren Flyern zu bestücken. Gesagt getan. Nach einer Klettereinlage von K. und mir und einer abenteuerlichen Suche nach einer Toilette meinerseits waren die Flyer verteilt und wir machten uns zurück nach Magdeburg. Dort beglückte ich noch die Koordinatoren mit zwischenzeitlich gekaufter Schoki  und machte mich dann nach Hause.

Soweit mein Bericht. Einen Donnerstag haben wir noch, dann wird gewählt.

  1. aber vielleicht war das der einzige Wahlzettel, der im Netz zu finden war, wer weiß!? []
  2. warum habe ich ihr das eigentlich verraten? []
  3. mit der Bemerkung, dass es doch eine Schande sei, dass ich noch kein Mitglied bin :-/ []
  4. ich bin gespannt []

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