Magentafarbener Buchstabe und die Frage der Stornierung

Manchmal hat man den Eindruck, dass eine Firma mehr je mehr Murks macht, desto größer sie ist. Wenn dann auch noch andere Firmen involviert sind, ist das Chaos perfekt. Anfang des letzten Monats erhielt ich plötzlich zwei Rechnungen von „Gamesload“ (GL). Ich, bzw. mein Vater, hätte angeblich Software und Gutschriften via Gamesload bezogen. Alles in allem kam da ein stattliches Sümmchen zusammen. Wie reagiert man in einer solchen Situation, vor allem, wenn man überhaupt noch nie auf der Seite von GL war?

1. Man guckt, ob es sich bei der Mail um einen Betrugsversuch handelt.
2. Man ruft seine Eltern an und fragt sie, ob sie irgendwo rumgeklickt haben.
3. Man überlegt selbst, ob man irgendwo irgendwas geklickt hat.

Alle drei Punkte fielen negativ aus, also nochmal genau in die Mail geguckt und siehe da: „Sie koennen Ihre Vertragserklaerung innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gruenden in Textform (z.B. Brief, Fax,E-Mail) widerrufen.“ Also schnell eine Mail geschrieben, allerdings mit Angabe des Grundes. Sinngemäß: Meine Eltern haben nichts runtergeladen und ich auch nicht. Da hat sich wohl jemand unserer Kennung bedient. Bitte alle Posten stornieren, die angeblich über unseren Account bezogen worden sind!
Dazu sollte man wissen: Bei GL funktioniert es ähnlich wie bei Musicload u.a. so, dass man sich mit seiner T-Online eMail dort anmeldet und den Einkauf über die Telefonrechnung abrechnen kann. Deswegen habe ich, bzw. meine Eltern, auch bei GL einen „Account“, ohne je auf der Seite gewesen zu sein.
Die Bestätigung der Stornierung kam dann auch ein paar Tage später per eMail, mit dem Zusatz, dass doch bitte Anzeige gegen Unbekannt gestellt werden solle. Da meine Eltern nicht alleine zur Polizei gehen wollten, ich aber für sie keine Anzeige machen kann, haben wir das erstmal gelassen…wir dachten ja da würde nichts mehr kommen. Wer jetzt die Signalwörter erkannt hat, der kann sich denken: Da kam noch was. Richtig! Als ich die letzten Tage mit der Praktikantin bei meinen Eltern war, kam die Telefonrechnung für Mai. Diese Telefonrechung war merkwürdig hoch. Der Schuldige für diese Höhe war der Punkt „T-Online Premium“ auf der Rechnung, angeblich in Anspruch genommen Anfang April. Da wurde ich ja schon stutzig und befürchtete, dass nicht nur jemand bei GL eingekäuft hätte, sondern auch noch woanders. Nach wirklich endloser Telefoniererei bekam ich dann beim „Kundenservice“ jemanden an die Leitung, der mir sagen konnte, was sich hinter dem Posten „T-Online Premium“ so verbirgt. Na, wer errät es? Genau, die stornierten Posten von GL. Nach viel Rumgerede mit den T-Online-Mitarbeitern war klar: Das jetzt fälschlich abgebuchte Geld bekommen wir nur wieder, wenn wir eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei stellen, eine Kopie der ganzen Belege einreichen und dann darauf hoffen, dass die Rechnungsabteilung das gebacken bekommt. Das war der Erkenntnisstand vom letzten Freitag. Da wir die Wochenendbesetzung der Polizeiinspektion Aurich nicht unnötig strapazieren wollten, planten wir erst am Montag zur Polizei zu gehen.

Montag früh dachten meine Mutter und ich uns dann: Komisch ist das aber trotzdem. Da ist eine Sache storniert, wird aber trotzdem abgerechnet. Das ist doch Blödsinn. Also nochmal bei T-Online angerufen, um in Erfahrung zu bringen, warum so ein Blödsinn passiert. Die Aussage des Mitarbeiters war dann ungefähr folgende: Das Geld bekommen wir nur nach Anzeige bei der Polizei zurück und außerdem müssten wir die Stornierung nicht nur an GL, sondern auch an T-Online schreiben.

Äh….

Wie jetzt?

T-Online verkauft seinen Netzlogin an Gamesload,1 aber wenn man bei Gamesload was storniert, dann muss ich als Kunde dafür Sorge tragen, dass T-Online das auch mitbekommt? Na, DAS nenne ich doch mal Kundenservice! Aber egal, war ja jetzt nicht zu ändern. Wir zur Polizei und Anzeige erstattet.

Heute komme ich wieder in Magdeburg an und suche den Mail-Kontakt zu Gamesload raus. Die Polizei wollte den noch haben und die Ablage meiner Eltern braucht die ja auch noch, zwecks Vollständigkeit. Beim Ausdrucken fiel mein Blick dann auf den weiter oben bereits zitierten Passus mit dem Widerruf. Und dabei lese ich die postalische Adresse, für alle, die ihren Widerruf lieber mit der Post schicken.

Gamesload
Deutsche Telekom AG
T-Online-Allee 1
64295 Darmstadt

Zum Vergleich aus dem Impressum von T-Online:

Das Portal www.t-online.de ist ein Produkt der Deutsche Telekom AG.

Anschrift:
Deutsche Telekom AG
T-Online-Allee 1
64295 Darmstadt

Die wollen mich allen Ernstes verschaukeln, oder? Gamesload gehört zur Telekom/zu T-Online und die bekommen es noch nicht einmal gebacken eine Stornierung innerhalb ihres Gebäudes weiterzuleiten? War da schonmal jemand in dem Gebäude und kann mir sagen wie viele Meter zwischen beiden Rechnungsabteilungen liegen? Oder ist das mittlerweile so dermaßen „outgesourced“, dass die Adressen zwar übereinstimmen, aber die Abteilungen, die miteinander kommunizieren sollten hunderte Kilometer voneinander entfernt sitzen? Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass die Abteilungen recht nahe beieinander sitzen. Ein Vermerk hätte gereicht! Eine eMail, aber nein, das liegt ja scheinbar nicht im Bereich des Möglichen. Dafür kann der Kunde ja eine ansehnliche Zeit in allen möglichen Warteschleifen verbringen2 und zur Polizei rennen. Letztere freut sich auch über jede Anzeige, egal wie sinnvoll diese ist und wie hoch der evtl. „Streitwert“ ist. Sollte nochmal sowas sein, dann wird wieder storniert. Reicht die Stornierung nicht aus, wird das Geld einfach zurückgebucht, dann hat das Magenta-Imperium nämlich die Rennerei und nicht ich. Also manchmal…

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  1. Alle Klugscheisser noch eben kurz zurückhalten. []
  2. Apropos Warteschleife…Liebes Team vom T-Online-Kundenservice: Wenn ihr schon eine Warteschleife mit Musik habt, dann bitte nur eine Musik und nicht Standardmusik+Charthit übereinander gelegt. []
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5 Gedanken zu „Magentafarbener Buchstabe und die Frage der Stornierung“

  1. Nette Geschichte, habe das selbe problem. Ich werde den Betrag auch wieder zurück buchen.Ich hatte auch sofort nach den angeblichen käufen widerrufen und war auch bei der Polize… naja vielleicht schaffen sie es ja doch noch die Rechnung zu korrigieren bevor sie abgebucht wird… glaube ich aber nicht.

    Hast du denn jetzt schon dein Geld zurück ?

    Gruß: Bernd

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