Een Auerker för Auerk

Oh haua haua ha. Wenn man die örtliche Auricher Presse in den letzten Wochen und Monaten so verfolgt hat, weiß man gar nicht womit man zuerst anfangen soll. Mit dem OHV Aurich geht es im Profi-Sport schnurstracks in die Insolvenz und manch Auricher wird sich deswegen fragen, warum man jetzt so’ne große Halle im Dorf stehen hat.1 Außerhalb der Kassen des OHV geht es allerdings fideler und gesünder zu. Dies demonstrierte vor allen Dingen Heinz-Werner Windhorst in jüngster Zeit recht eindrucksvoll. Die „Ostfriesischen Nachrichten„, nicht zuletzt dank Herrn Dunkmann das investigativste Blatt der Region, wenn es um die Lokalpolitik geht, überschrieben die Artikel zum Thema so:

Aurich: Kunstkauf – Windhorst muss ab jetzt fragen (Ostfriesische Nachrichten Online-Ausgabe vom 22.04.2009)

Aurich: Windhorsts Kunstkäufe erhitzten die Gemüter (Ostfriesische Nachrichten Online-Ausgabe vom 08.05.2009)

Meine erste Reaktion war: Kunstkauf? Wat? Wie? Wo? Nach ein bisschen Rumfragerei und Leserei kam ich zu folgender Erkenntnis: Der Auricher Bürgermeister darf innerhalb eines festgelegten „Kulturetats“ Kunstgegenstände für das Rathaus kaufen. Dies kann er mehr oder weniger nach eigenem Ermessen tun. Naja, er konnte es zumindest bisher. Ich zitiere die Bildunterschrift aus dem Artikel vom 08.05.2009:

Die nostalgische Sitzgruppe aus den Jahren 1860/70, die alte Bürgermeister-Wanduhr, ein Ölgemälde und der antike Prunkschrank haben ihren festen Platz im Foyer der Büros der Verwaltungsspitze im Auricher Rathaus. Windhorst hatte die Möbelstücke bei ostfriesischen Antikhändlern unter dem Aspekt „Kunst im Rathaus“ gekauft. Dafür steht ihm ein jährlicher Etat von 20000 Euro zur Verfügung.

Hinzu kommt, ebenfalls im Artikel nachzulesen:

Bei den Kunstgeschäften des Bürgermeisters dürfe kein „Geschmäckle“ entstehen, so Janßen. Es handele sich um Steuergelder der Bürger. Diese und die Politik hätten ein Anrecht zu erfahren, wofür das Geld im Einzelnen verwendet werde. Hans-Gerd Meyerholz (CDU) erinnerte, dass der Bürgermeister bereits 2007 seinen Etat um 50 Prozent auf 30000 Euro überschritten habe.

Der liebe Herr Windhorst übertreibt es also scheinbar ein bisschen, was seine Einkäufe angeht. Er übertreibt es sogar so sehr, und dabei ist es egal für wieviel man die Kunstgegenstände angeblich wieder verkaufen könne, dass das Satiremagazin des NDR über die Auricher Rathausantiquitäten berichtet. Bei Youtube findet sich eine gekürzte Version des Videos auch:

Bisher dachte ich ja, nur Wilhelmshaven würde das mit seinen Fäkalien in der Nordsee schaffen:

Im Video über Windhorst ist nicht nur der Zoom auf den Sous-Turm mit den Worten „Aurich ist schön“, sehr zu empfehlen, sondern auch die Erläuterung von Janßen, wofür das Geld aus dem Kulturetat eigentlich gedacht ist. Trotzdem oder gerade wegen den Einkäufen, die manche für „Nonsense“ halten könnten, gebührt Heinz-Werner Windhorst Respekt. Respekt dafür, dass er der kleinen Stadt Aurich einen Gastauftritt bei Extra3 verschafft hat.2 Aus diesem Grund bietet sich auch ein kleiner Blick in die Archive der „Ostfriesischen Nachrichten“ an. Schnell stellt man dabei nämlich fest, dass Aurich mit seinen Bürgermeistern in den letzten Jahren so einige Querelen hatte. Die Vorgängerin von Windhorst, Sigrid Griesel, geriet gerade kurz vor den Lokalwahlen zunehmend ins Feuer der Kritik. Feuer bekam sie dabei nicht nur von anderen Stadtratsmitgliedern, sondern auch vom bereits erwähnten Stefan Dunkmann, dem jetzigen Geschäftsführer der „Ostfriesischen Nachrichten“, und jetzigem Schatzmeister des „Stadtmarketing Aurich„, bzw. allgemein durch die Berichterstattung der ON. Die Berichterstattung gegen Frau Griesel ging damals sogar vor den deutschen Presserat, wurde allerdings nicht gerügt, wie man ebenfalls bei den „Ostfriesischen Nachrichten“ nachlesen kann. Als „Wunschkandidat“ für das Amt des Bürgermeisters wurde schnell Windhorst gehandelt und ziemlich viele Leute freuten sich auch, als er dann gewählt wurde. Als Beispiel:

Aurich: Erfolgreiche Jahre mit Bürgermeister Windhorst erwartet
Verkehrsverein, KV und SMA gratulieren
(Ostfriesische Nachrichten Online-Ausgabe vom 25.09.2006)

Nun, fast drei Jahre später scheint sich das Blatt ja gewendet zu haben. In einigen Bereichen scheint Windhorst Politik eben nicht von „einem Auricher für Aurich“ zu stammen, wie „Winni“ es so schön auf seiner Homepage ankündigt. Leider kann man die Kommentare von Dunkmann nicht in der Online-Ausgabe nachlesen und außerdem habe ich die Kommentare über Griesel nicht aufgehoben. Ich würde sie ja gerne miteinander vergleichen. Ich vermute, dass sie sich mittlerweile recht ähnlich sind.

Demnächst bin ich mal wieder in Aurich und ich glaube, ich werde mir die Antiquitäten zusammen mit meiner Kamera einmal angucken. Bin ja echt gespannt, was als nächstes passiert. Wahrscheinlich wieder irgendwas mit der „Sparkassen-Arena“.

  1. Die wurde u.a. für die Spiele des OHV gebaut. []
  2. Ich geb zu, dass der schon etwas her ist, aber ich wurde erst jetzt auf das Video hingewiesen. []

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