Die Segnungen der modernen Technik

Ich habe mich ja immer für die letzte Person aus meiner Familie mit meinem Nachnamen gehalten, was nicht ganz unproblematisch ist, weil ich nie wollte, dass unser Nachname „ausstirbt“. Für einen potenziellen Heitratskandidaten hätte das bedeutet, dass er damit hätte klar kommen müssen, dass ich meinen Nachnamen nach der Hochzeit behalte und auch ein Kind, vorzugsweise ein Junge, dann meinen Nachnamen hätte tragen sollen. Ich wollte gewissermaßen „Mutter einer neuen Dynastie“ und eines „Stammhalters“ werden1. Dieses Problem stellt sich seit kurzem nicht mehr.

Leset also, wie es geschah, dass mir mein eigener Nachname jetzt nicht mehr ganz so wichtig ist:

Ich habe mich mal bei einem internationalen Internet-Netzwerk angemeldet, wie so viele es tun. Ja, diese Dinger sind recht verschrien, was Datensicherheit und so weiter betrifft, aber man muss ja irgendwie mit Freunden, Bekannten und Verwandten in Kontakt bleiben können.

Anfangs nutzte ich dieses Portal nur selten. Ich bekam ein paar „Freundschaftanfragen“ von mir völlig unbekannten Leuten aus Ländern, in denen ich zum Teil noch nie war. Mit der Zeit entdeckte ich das Portal für mich und fand Freunde, die auch dort angemeldet sind.

Irgendwann bekam ich eine Anfrage von einem Schweden, der zufälligerweise den gleichen Nachnamen hat, wie ich. Nennen wir ihn „F.B.“ Ich dachte mir: „Toll, endlich finde ich mal jemanden mit meinem doch recht ausgefallenen Nachnamen!“ – Ja, eigentlich hat er mich gefunden und ich halte meinen Nachnamen für so ausgefallen, weil ich in einem anderen Netzwerk niemanden gefunden habe, der heißt wie ich. Variationen meines Namens, ja, aber nicht die „volle“ Version.

Nun hatte ich also diesen netten Schweden als Freund. Juchuu!

Später meldete sich auch meine Mutter bei besagtem Netzwerk, auf Einladung einer Bekannten, an. Natürlich erzählte ich ihr, dass es hier jemanden gäbe, der heißt wie wir. Sie schaute mich an und meinte: „Du, es gab mal einen Verwandten von uns, der ist so um 1950/1960 rum nach Schweden ausgewandert, weil er so schlimmes Asthma hatte. Wegen dem gesünderen Klima da.“

Dies teilte ich natürlich gleich dem F. mit, weil ich es einen lustigen Zufall fand. In Hinterkopf hatte ich allerdings schon den Gedanken „was, wenn wir verwandt wären!?“ F. antwortete, dass diese Person sein Vater sein könnte. Was für ein Zufall!

Ein bisschen hin und her und meine Mutter beschloss, meine Großmutter zu konsultieren und sich von ihr einen Ordner zu borgen, der gewissermaßen unser „Abstammungsnachweis“ ist. Es gab da mal eine Zeit, in der musste sowas tatsächlich nachgewiesen werden, damit einem nichts böses passierte. Und diesen Nachweis hat mein Opa damals aufgehoben und eine Art kleine Familienchronik draus gemacht. Es steht nicht sonderlich viel drinen, aber: Perfekt für unsere Belange, vielleicht findet sich ja was2.

Und tatsächlich: Meine Mutter fand beim durchgehen dieser Belege einen Brief. Dieser wurde 1964 von einer Tante geschrieben, an die meine Mutter sich noch aus ihrer Kindheit erinnerte. Zum „Briefzeitpunkt“ war die gute Frau etwa sechszig Jahre alt und sie schrieb so über die Familie, wie es ihr und allen anderen gehe und so weiter. Im letzten Absatz kam dann der für uns wichtige Teil: Sie schrieb über einen W., der nun in Schweden seine Lehre und Militärzeit abgeschlossen hätte, die schwedische Staatsangehörigkeit bekommen hätte uns schon ein Jahr verlobt sei.

Jetzt fragte ich natürlich F., wie denn der Vorname seines Vaters sei. Nach einer Weile antwortete er, sein Vater heiße W. Jetzt war es klar: F. und ich gehören zur selben Familie, darum haben wir den selben Nachnamen.

F. interessierte sich sehr für das Verhältnis zwischen der Tante, die diesen Brief geschrieben hatte, und seinem Vater. Das konnte ich ihm noch nicht genau beantworten, vielleicht kann ich es, nachdem ich die Schwester meines Großvaters angerufen habe. Was ich ihm aber genau beantworten konnte war diese Frage: „Bedeutet das, dass wir verwandt sind?“ – „Ja, genau das bedeutet es.“

Das Ganze bedeutet aber jetzt auch für mich, dass ich mir keine Sorge um den Erhalt meines Nachnamens und gewissermaßen der ganzen Familie machen muss und heiraten könnte, wen ich wollte – auch wenn ich meinen Nachnamen nicht behalten dürfte.

Und das alles nur, weil es das Internet und internationale Netzwerke gibt. Das nenn ich mal Segen der modernen Technik.

  1. ja, das klingt komisch, aber genau das wollte ich []
  2. interessant auch die Stempel, die auf den Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden sind aber das nur nebenbei []

3 Gedanken zu „Die Segnungen der modernen Technik“

  1. *räusper* aus emanzipatorischer Sicht könntest du dennoch darauf bestehen deinen Nachnamen nach einer Hochzeit zu behalten … und somit gleichzeitig noch den deutschen Zweig der B. Dynastie sichern 😉

  2. Übrigens gibt es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, noch Verwandte von uns in D. Nur, wir haben zu denen leider keine Kontakte.
    Die T.T. freut sich schon auf ihren nächsten Besuch bei uns, da will sie das alles mit uns durchgehen.

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