In des Kellers Tiefen

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Heute war ich in der Uni und brauchte mal schnell einen Ordner. Also so’n richtigen mit Pappe drum herum und so Metallbügeln in der Mitte. Problem war: Gab keinen mehr im Fachschaftsrat. Im Keller des Fasras sollten aber noch welche sein, dachte ich bei mir, und ging runter welche zu holen. Im Keller waren auch tatsächlich welche, zwei davon sogar leer und beides auch noch wahre Fundstücke. Schon auf den ersten Blick sahen die Ordner merkwürdig aus. Die Vorderseite hatte keine Schlitze1 um die Metallbügel durchzulassen, keine “Grifflöcher”2 und insgesamt sah die Außenfläche schon ziemlich alt aus. Nicht kaputt, sondern einfach nur alt.

Im Innern wurde die Sache jetzt auch nicht besser. Die “Blatthaltevorrichtung”3 an sich war aus Metall, aber der Hebel aus solidem Plastik. Ich hab mir bei der Aufschrift des einen Ordners nicht viel gedacht, was aber wohl an meiner Sozialisation liegt. Anders ausgedrückt: Ich bin ein “Wessi” und muss nicht alles kennen. Dementsprechend dauerte es etwas, bis ich heraus fand, was “Jugendtourist” war. Wikipedia sagt dazu:

Jugendtourist war ein Reisebüro der DDR-Jugendorganisation FDJ, welches 1975 gegründet wurde. Die Aufgabe der Institution bestand darin, den nationalen und internationalen Jugendtourismus im Rahmen der Reisebeschränkungen für DDR-Bürger zu organisieren und zu fördern.

Irgendwas davon muss es also auch an der FGSE, bzw. an der Pädagogischen Hochschule, gegeben haben oder irgendein alter Fundus lebt in den Tiefen der FGSE weiter. Der Ordner wurde von den anwesenden Fasra-Mitgliedern schon dadurch gadelt, dass er nicht beschriftet werden soll und nun dekorativ im Büroregal steht.

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Mein Mitbewohner meinte übrigens, die Beschriftung stamme noch von einer typischen DDR-Beschriftungsmaske. Kann das jemand bestätigen?

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  1. auch bei Leitz heißen die einfach Schlitze []
  2. Ich finde “Griffloch” für diese Höllenlöcher die völlig falsche Bezeichnung. Ich tue mir immer weh, wenn ich Ordner unter zu Hilfe nahme dieser Löcher festhalte. []
  3. Gibt es einen Fachausdruck für diese Kiüppbügel? []
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7 Kommentare zu “In des Kellers Tiefen”

  1. Fox says:

    Nuja, typisch ist nicht so sehr die Schrift – da gabs auch in der DDR mehr als eine – sondern dass man solche Masken benutzt hat. Heute ist es kaum noch denkbar, dass sich einer hinsetzt, die Beschriftung mit solchen Masken überträgt und dann vielleicht sogar noch von Hand nachzieht und damals haben die zum Teil ganze Briefe so geschrieben… gabs das auf der anderen Seite der Mauer so nicht auch?

  2. Flint says:

    Achso, hm. Keine Ahnung. Da müsste ich mal meine Mutter fragen, wie die das bei der Bundeswehr gemacht haben.

  3. Magda says:

    Was meint ihr mit “Masken”. Wir (Bundeswehr) hatten höchsten Schablonen zum Beschriften der Ordner.

  4. Flint says:

    Ja, Schablonen sind gemeint.

  5. Magda says:

    Haben wir aber auch nicht immer genommen. Schreibmaschine hat auch oft gereicht.

  6. ... says:

    Wo bleibt meine Karte??

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