Das Objekt war sauber und ordentlich gekleidet

Am Dienstagabend durfte ich zum ersten Mal Günter Grass1 live, in Farbe und in einer Lesung mit anschließender Diskussion erleben. Vorher mochte ich Grass nicht unbedingt, jedoch frage ich mich nach dem gestrigen Abend, wie ich zu dieser Einstellung gekommen bin. Im Hörsaal 1 der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg bestach der Nobelpreisträger durch viel Witz und Redegewandheit. Gelesen habe ich bis dato, außer Auszügen, auch noch nichts von Herrn Grass, werde das aber demnächst mit „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland – Tagebuch 1990“ nachholen. Die gelesenen Auszüge gefielen mir gut bis sehr gut, vor allem diese Mischung aus alltäglichem und politischem aus der Umbuchszeit der Wiedervereinigung. Aber auch in der Diskussion mit Markus Meckel bestach Herr Grass durch Witz, sowie durch harsche und spitze Worte an den richtigen Stellen. Grass‘ Meinung zur Wiedervereinigung ist eine kritische, aber kritisch hauptsächlich in Bezug auf die westdeutschen Politiker und Unternehmer. Allerdings will ich an dieser Stelle nicht so viel über die Inhalte der Lesung reden, sondern um das Drumherum. Interessant und wahrscheinlich unfreiwillig zweideutig war schon die Begrüßung durch den Rektor. Dieser betonte u.a., dass das Profil der Uni Magdeburg eher ein naturwissenschaftlich-technisches sei und erwähnte die Geisteswissenschaften auch erst am Ende der Aufzählung. Trotzdem nannte er die Lesung von G. Grass eine Bereicherung des Lehrplans bzw. des Angebots. In Anbetracht dessen, dass es eine wirklich gute, interessante und vor allem sehr politisch orientierte Veranstaltung war, wundert sich der FGSE-Studenten und die FGSE-Studentin schon irgendwie: Warum ist Günter Grass auf der einen Seite eine Bereicherung, wenn auf der anderen Seite die FGSE zusehends verkommt und immer stärker eine (gefühlt?) untergeordnete Rolle im Gesamtbild der Universität spielt? Man weiß es nicht, man weiß es nicht.

Fortsetzung die Tage…

  1. Die Überschrift ist ein abgewandeltes Zitat aus der Stasi-Akte über Günter Grass. []

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