Warum Möbelwagen manchmal einfach besser sind

Gibt ja so Tage, an denen ist man irgendwo zu Besuch und außer einem selbst auch noch andere Menschen. Diese Menschen kann man sich nicht immer aussuchen, aber man ist ja schon ein paar Jahre auf dieser Welt und kommt halbwegs damit zurecht, dass man nicht mit jedem auf einer Wellenlänge liegen kann. Manchmal gelangt man aber in Situationen, in denen sich Menschen, die man einzeln noch recht gut ertragen kann, quasi zusammenrotten und einem in trauter Einheit an den Nerven rumkauen. Erstaunlich ist dies vor allem dann, wenn die plötzlich so homogen auftretende Einheit eigentlich aus zueinander heterogenen Menschen besteht. Oder anders ausgedrückt: Wenn plötzlich zwei Menschen, die sich auf völlig unterschiedlichen Wellenlängen bewegen, anfangen auf einer Wellenlänge zu surfen. Als Welle benutzen sie dabei meine Nerven und das ist nicht nett.

Jetzt hab ich aber das entsprechende Gegenmittel gefunden. Möbelwagen! Nein, keine Sorge, es fuhr nicht plötzlich ein dicker Möbelwagen durch die Wand und zermalmte die beiden Nervensurfer unter sich, obwohl das auch äußerst effektiv gewesen wäre. Es kamen auch keine Möbelpacker und brachten sie weg, nein. Ich habe einfach nur das Wort „Möbelwagen!“ gesagt und das hat geholfen. Wie es dazu kam?

Wie bereits erwähnt war ich woanders zu Besuch. Außer mir ist noch ein Bekannter (B) mitgekommen und vor uns hatte sich schon folgende Kombination zusammengefunden: Die Nachbarin (N), ihr Freund (Freund der N=FdN), sein Bruder (Bruder vom FdN=BvFdN) und ihre Schwester (Schwesterder N=SN). N machte nichts besonderes, SN saß am Laptop von N, FdN und BvFdN spielten Halo 3. Aus diesem Grund unterhielten B und ich uns halt mit N und tranken ihren Kaffee. Wir machten Witze über Halo und Killerspiele im Allgemeinen1 , was von FdN und BvFdN kurzzeitig auf sie selbst bezogen wurde. Den Zahn konnten wir ihnen aber ziehen. SN gab nur ab und an unmotivierte und wenig artikulierte Laute von sich, war aber ansonsten voll und ganz von den Dingen auf dem Latop-Bildschirm gefesselt. Nur irgendwann veränderte sich die Situation. Erst wollte SN uns unbedingt an dem ach so lustigen Video teilhaben, welches sie sich gerade anguckte und dies tat sie so kund, dass sie laute und wenig informative Worte zu dem Geschehen ausstoß. B, N und ich unterbrachen unser Gespräch, warteten den Ausbruch ab und machten dann weiter wie bisher. SN hatte den richtigen Moment verpasst und konnte nicht auf meinen Nerven surfen. Kurz darauf schaltete sich jedoch BvFdN in unser Gespräch ein, während er weiter Halo 3 zockte.

*naaaaaagh*

Ich kenn dat ja, aber manchmal ist es nervig, wenn zwei Personen gerade versuchen einer dritten was zu erklären und sich dann eine vierte Person mit irgendwelchen Kommentaren einschaltet, die zwar grob was mit der Sache zu tun haben, aber nichts zur Erklärung beitragen. Aber auch hier funktionierte: Kurz innehalten und dann nahtlos weitermachen. Auf dem Bildschirm mussten schließlich irgendwelche Viecher erschossen werden und dementsprechend kurz waren die Kommentare. Soweit, so gut, aber dann plärrte SN wieder los. B oder ich hatten was gesagt und es plärrte plötzlich aus der Ecke: „Was hat er gesagt?“

*naaaaaagh*

Wenn man andere schon lautstark und in einem Dialekt2 unterbrechen muss, bei dem sich einem die Zehennägel umkrempeln, dann doch bitte nicht auch noch von einem ominösen „er“ sprechen, bitte! Was ist am guten, alten „Was hast du gesagt?“, auszusetzen, solange sich der Befragte oder derjenige, um den es geht im gleichen Raum und in Hörweite befindet? Man kann auch anders versuchen, sich in den Mittelpunkt des Gespräches zu drängen, oder? Interessant ist dann aber, wenn Menschen wie SN etwas von ihrer eigenen Medizin bekommen. Hatte noch sie vorher alle naselang irgendwelche zusammenhanglosen Wortfetzen geäußert, bekam sie jetzt nur ein „Möbelwagen!“ von mir an den Kopf. Daraufhin war sie bis auf ein gemurmeltes „Eierschneider“ ruhig. Keine Ahnung wie lange, denn wir sind dann gegangen. Trotzdem bleibt die Erkenntnis: Möbelwagen helfen, auch wenn sie niemanden überfahren.

  1. Obwohl die Sündenbockfunktion dieser Spiele beim tragischen Vorfall in Winnenden bisher noch nicht so wirklich genutzt wurde. []
  2. Tiefstes mansfelderisch mit leichten Tendenzen zu „Öy, Alda“. []

Ein Gedanke zu „Warum Möbelwagen manchmal einfach besser sind“

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.