Studiert im Osten?

Die Universität Magdeburg ist ja dazu übergegangen alle naselang Mails an alle Studierende zu verschicken. Die meisten, meistens diejenigen, die sich sonst immer über mangelnde Informationspolitik beschweren, stört dies, mich persönlich hingegen eher weniger. Allerdings ist der Informationsgehalt dieser Mails häufig wirklich nicht besonders groß. Heute gab es aber wieder so eine Mail mit dem Betreff „Campus Spezialisten“. Irgendwas in mir schrie gleich „studiVZ“, was wahrscheinlich nicht zuletzt an diesem Eintrag beim Chemnitzblogger lag. Ich sollte Recht behalten.

Was die TU-Chemnitz nämlich auf ihrer Seite direkt anpries, das wurde uns jetzt per Mail ans Herz gelegt. Scholz&Friends, Aperto und studi/schülerVZ haben sich mit dem BMBF zusammengetan und suchen Studierende, die via SchülerVZ gezielt Werbung für ihren Hochschulstandort machen, auch nachzulesen bei Sajonara. Das alles wird dann noch schön mit dem Hochschulpakt 2020 gedeckelt und gut ist. Als Anhang bekommen die Magdeburger Studierenden auch noch gleich alles an die Hand geliefert, was der Mensch so braucht um ehrenamtlich und unentgeltlich für „Ihre Universität“1 zu engagieren. Wenn man dann ein bisschen Glück hat, dann darf man mal ein Praktikum bei Scholz&Friends, Aperto oder studiVZ machen. Im BMBF natürlich nicht, obwohl das vielleicht echt mal ein Ansporn gewesen wäre.

Aber was soll man als „Campus Spezialist“ eigentlich tun? Man soll mit den nachwachsenden Studierenden, also den Schülern, in direkten Kontakt treten. Nicht auf Messen oder in Schulen, nein via schülerVZ. Allein diese Vorgehensweise ist in Hinblick auf die relativ restriktiven Zugangsmöglichkeiten zum schülerVZ (nur auf Einladung) und auf Grund des an sich nicht unumstrittenen Projektes schon etwas merkwürdig. Aber so soll es wohl laufen. Genaueres findet man in der Kurzvorstellung der Kampagne zur Vermarktung der Studienstandorte und Studienangebote der Hochschulen Ostdeutschlands. Dort wird eingehend erklärt wie die Schüler im SchülerVZ umworben werden sollen. So soll u.a. der Osten kommuniziert werden.

Eine „Tarnkappenkampagne“, die die Vorurteile gegenüber Ostdeutschland ausblendet, ist nicht glaubwürdig. Die Kampagne wird daher den Osten mit neuem Selbstbewusstsein kommunizieren und Klischees auf ungewöhnliche und sympathische Weise brechen. Ist die Aufmerksamkeit bei der Zielgruppe so erst einmal geweckt, werden die spezifischen Stärken der Hochschulstandorte vermittelt.

Na, da darf man ja gespannt sein, oder? Wenigstens planen Scholz&Friends auch noch Kanaäle um Eltern und Lehrer zu erreichen, bloß leider werden nur die Kanäle für die Schüler genauer dargelegt. So oder so muss man eine Menge selbst suchen, bevor man hinter den ganzen Sinn dieser Kampagne steigt, was in meinen Augen einen eindeutigen Minuspunkt darstellt. Interessant auch der Fragebogen, der geneigten Menschen vorgelegt wird, wenn es um die Bewerbung zum „Campus Spezialisten“ geht. Neben Angaben zur Person2 gibt es sage und schreibe 4 Fragen:

  • Wieviel Erfahrung hast du mit Online-Communities? (0: keine, 5: sehr viel)
  • Welchen Internetanschluss hast du zuhause? (DSL / Modem / keinen)
  • An welchen Hochschulgruppen bist du beteiligt?
  • Warum möchtest du „Campus Spezialist“ werden?

Ja, dadurch kann man herausfinden, ob der ausfüllende „die / der Richtige für diese ehrenvolle Aufgabe“ ist. Auch ansonsten liest sich gerade die Mail von der Uni wie „ein bisschen gewollt, aber komplett nicht gekonnt.“Man muss sich selbst durch die Anhänge und durch das Internet wühlen, um alle halbwegs relevanten Infos neben „keine Vergütung“ zu bekommen, aber dennoch will der Mail-Schreiber, „Sie jetzt motivieren, sich als „Tutor“ alias „Campus Spezialist“ zu bewerben“. Ein bisschen Eile ist auch geboten, denn „wir müssen unsere Auswahl zum 27.2. an schülerVZ weitermelden, damit ist unsere Terminkette leider sehr eng.“ Auch fraglich bleibt, ob die laut Leitfaden geforderten 2 bis 4 Spezialisten wirklich ausreichen um eine Universität vernünftig zu repräsentieren.

Was bleibt nach so einer Mail? Ein irgendwie fader Beigeschmack, aber auch neue Informationen über die Planungen der Uni. So soll im April 2010 wohl ein „Studenten-Service-Center“ entstehen. Manchmal würde ich mir wünschen, dass so ein Aufheben um andere, „etabliertere“ ehrenamtliche Tätigkeiten an der Universität gemacht werden würde. Vor allem, da auch diese „Campus Spezialisten“ früher oder später sagen müssen: „Da können wir keine verbindlichen Antworten geben, wendet euch bitte an die richtige Studienberatung“. Ich bin ja mal gespannt ob man von dieser Kampagne je wieder was hört.

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  1. Die Anführungszeichen finden sich auch in der Mail, als wäre es irgendwie merkwürdig zu sagen, dass sich ein Student mit seiner Uni identifiziert. []
  2. Interessant dabei der Punkt „dein studiVZ Profil. []
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6 Gedanken zu „Studiert im Osten?“

  1. Danke für’s Verlinken. – Tja, die Campus Spezialisten sind eben jetzt in Mode. Tutoren gab’s schon ewig an der Uni. Doch dieses Potenzial hat man bundesweit eben nie im Blick gehabt… Förderung = Null.

  2. Kritik ist ja schön und gut, aber an ein paar Punkten liegst Du wirklich daneben. Dass ein Ausschreibungsformular keine enzyklopädische Länge haben kann, liegt wohl auf der Hand. Ebenso, dass die Auswahl der Campus Spezialisten erst nach einem Gespräch mit dem Hochschulteam stattfindet, indem beide Seiten ihre offenen Fragen klären können. Und zu guter Letzt, dass die Kampagnenverantwortlichen die Campus Spezialisten natürlich gründlich auf ihre Aufgabe vorbereiten, bevor diese tätig werden.
    Außerdem ist der Zugang zu schülerVZ wahrlich nicht restriktiv. Dass dieser nur auf Einladung möglich ist, hat ziemlich nachvollziehbare und vernünftige Gründe. Ich wüsste von keinem Schüler, der an dieser vermeintlichen Door Policy gescheitert wäre.
    Und was die Sichtbarkeit betrifft… sind wir wie Du sehr gespannt, aber deutlich optimistischer. Schon alleine die hitzigen Diskussionen vor dem eigentlichen Kampagnenstart am 23. April lassen einiges erwarten. Vielen Dank!

  3. (Ganz grundsätzlich glaube ich, dass wenige Kampagnen so transparent aufgezogen werden wie diese – das gilt für unseren Blog wie auch die Aktivitäten auf schülerVZ – die Campus Spezialisten werden dort also natürlich auch als solche gekennzeichnet.)

  4. Ich mag es ja, wenn mein Blog wahrgenommen wird.
    Danke für die Erläuterungen zum Auswahlverfahren und mal gucken, was noch kommen wird. Bin gespannt auf die weiteren Entwicklungen.

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