Was kriegt die NPD zum Gruß?

Am 16. Januar 2009 jährt sich der Tag der Bombardierung Magdeburgs während des zweiten Weltkriegs, große Teile der Stadt und insbesondere des historischen Zentrums wurden damals zerstört. Seit mehreren Jahren versuchen neonazistische Kameradschaften im Verein mit rechtsextremistischen Parteien, das Gedenken der Magdeburger für sich zu vereinnahmen – dagegen gingen in den Vorjahren immer wieder Bürgerinnen und Bürger auf die Straße. 2009 soll es anders werden: Das Bündnis gegen Rechts und die Landeshauptstadt Magdeburg rufen gemeinsam mit vielen Einzelpersonen zum 17. Januar 2009 zu einer „Meile der Demokratie“ auf.

img_2195Heute war es dann auch mal wieder so weit, die Kleingeister vom äußersten, rechten Rand der Gesellschaft wollten erneut die Opfer der Bombardierung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg für ihre Sache instrumentalisieren und zum Glück gab es wieder Bürger, die dagegen etwas tun wollten. So rief u.a. das „Bündnis gegen Rechts Magdeburg“ zur Meile der Demokratie auf, damit nicht nur die Kleingeister von äußeren, linken Rand einmal Gesicht zeigen.1 Die Idee an sich war ja wirklich gut, vor allem die „Verschönerung“ vom Haus der Lehrer in Magdeburg. Soweit ich weiß, insgesamt 400 Magdeburger zeigen dort im wahrsten Sinne des Wortes ihr Gesicht gegen Nazis. Zentrum der Meile der Demokratie war der Alte Markt, an dem sich dieimg_2161 Hauptbühne befand. Der Rest der Meile war über den Breiten Weg verteilt und leider zum Teil ziemlich weit auseinandergezogen. Die ganze Strecke ablaufen machte, auch aufgrund des Wetters, nur bedingt Spaß, obwohl sich wirklich viele Organisationen beteiligt haben und viele sich auch wirklich auf das Thema „gegen Rechts“ beschränkten. Bei den eher politischen Organisationen spielten natürlich auch die üblichen, gerade aktuellen Programmpunkte eine Rolle. So sammelte ver.di Unterschriften für die Einführung des Mindestlohns. Ich hätte es mir zwar eher gewünscht, dass solche Themen außen vor bleiben, aber man muss sich ja über jeden zusätzlichen Stand freuen. Der Spruch „Lieber solidarisch, img_2172als solide arisch“ durfte bei ver.di natürlich trotzdem nicht fehlen und ich gebe auch zu, dass ich den Spruch mag. Auch ansonsten gab es hier und da mal mehr, mal weniger amüsante Sprüche gegen Rechts zu finden. Wobei man ja nun auch nicht zu stark interpretieren sollte. In wie weit jetzt der Genuß von alkoholischen Getränken gegen eine braune Gesinnung hilft, vermag ich nicht zu sagen. Aber vielleicht wird man betrunken eher zum Kommunisten, wer weiß. Auf verschiedenen Bühnen wurde man als Besucher mit Musik, Vorträgen, Lesungen oder anderen Darbietungen unterhalten, was ich persönlich sehr gut und abwechslungsreich fand. So spielten, als wir an der Hauptbühne ankamen gerade „14tägig anders„. Jedoch sollte man als Redner davon absehen, zu versuchen Zitate aus der Zeit des Nationalsozialismus mit eine hitlergoebbelshimmler Betonung vorzulesen. Die img_2167Aussagen stehen für sich und das sollte auch reichen. Was ichimg_2184 persönlich sehr amüsant fand, war die Anwesenheit einiger tapferer Soldatinnen und Soldaten der Apfelfront, was aber wohl meiner persönlichen Vorliebe für dieser Satire entspringt. Ich hab der Praktikantin natürlich auch gleich einen guten, deutschen Apfel besorgt, damit sich das Mädel mal wieder gesund ernährt! Gegen 16 Uhr wurde es dann interessant, da die Demonstration der Nazis mittlerweile in der Nähe war und die braune Herde eine Kundgebung vor dem Magdeburger Rathaus und somit in direkter Sichtweite von der Hauptbühne der Meile abhalten wollte. Dies galt es zu verhindern und dementsprechend machten sich viele Besucher auf den Weg zur Jakobstraße, Ecke Julius-Bremer-Straße um den Zug der Nazis aufzuhalten. Der Polizei war dies bekannt und so konnte man sich in aller Ruhe postieren. Die Blockade verlief auch weitestgehend ruhig und vernünftig, nur zwei oder drei Mal versuchten schwarz vermummte Gestalten zu stören. Meistens handelte es sich bei den Vermummten um Antifas nur das eine Mal bin ich mir nicht so sicher. Könnten auch welche aus dem schwarzen Block der Nazis gewesen sein. Großartig passiert ist aber, soweit ich weiß, nichts. Leider sind die Bilder, die ich inmitten rennender Polizisten img_2304gemacht habe, nichts geworden. Falsches Objektiv drauf gehabt. Lange Zeit standen wir so den Nazis mit ziemlichem Abstand gegenüber, bis sich Polizei und Verantwortliche dann auf das weitere Vorgehen geeinigt hatten. Wir durften stehenbleiben, die Nazis mussten in die Nebenstraße. Als sich der braune Zug in Bewegung gesetzt hatte, tauchten auch die Vertreter der Front deutscher Äpfel wieder auf. Ihre Rufe bildeten auch eine für mich willkommene Abwechslung zu den „Nazis raus!“-Rufen. Auch so mancher Polizist aus der Reihe vor uns konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, bei Rufen wie: „Was gibt der deutschen Jugend Kraft? Apfelsaft, Apfelsaft!“, „Für jedes Mädel, jeden Knilch: Apfelsaft statt Muttermilch!“ oder „Was kriegt die NPD zum Gruß? Apfelmus, Apfelmus!“ Die Äpfel sollten echt mal Zettel mit ihren Parolen verteilen. Lustig war auch der Typ, der zwischendurch recht alleine brüllte: „Nazis raus!“ und dann laut fragte, was wir denn für Antifaschisten seien. Tja, mein Freund, gar keine. Man kann auch gegen Faschisten sein ohne Antifaschist zu sein. Vernünftig zu sein ist auch eine Alternative. Wie es nach der Auflösung der erfolgreichen Blockade weiterging, kann ich leider nicht sagen. Meine Füße taten weh und ich hatte Hunger, also sind die Praktikantin, der Zyniker2 und ich dann wieder gegangen. Ich denke die Tage werde ich noch genug Berichte bekommen, vielleicht war ja noch was interessantes. img_2282

Weitere Bilder findet ihr hier.

  1. Okay, Antifa & Co. zeigen ihr Gesicht bei solchen Aktionen eher selten, aber ihr wisst, was ich meine. []
  2. Ja, der war auch da! []

8 Gedanken zu „Was kriegt die NPD zum Gruß?“

  1. Der Zyniker hat sich allerdings mit Rücksichtnahme auf eine werdende Mutter in seiner Gruppe (nee, nich die Praktikantin, und Schuld bin ich auch nich) eher Abseits gehalten und sich an einen Baum gestellt. Denn merke: Lehnt der Rücken am Baum, rennt dich auch kein Polizist aus Versehen über den Haufen – und die Jungs und Mädels sind doch recht fix unterwegs.
    Außerdem stand der Herr Oberbürgermeister ja auch in der Nähe, da fühlt man sich doch gleich doppelt sicher, dem darf nämlich nun wirklich nix passieren.

  2. Schön dass es euch mit uns Spass gemacht hat, meldet euch ruhig bei uns, wenn in MD mal wieder was ansteht, ansonsten, bis nächstes Jahr.

    Gruß,
    Gauleiter Sachsen-Anhalt und die gesamte Apfelfront

  3. Sehr geehrter Herr Gauleiter,
    sie sollten trotzdem dazu übergehen ihre Schlachtrufe auf praktischen Handzetteln unter dem Volk zu verteilen!

    😉

    Handzettel wären echt praktisch gewesen, so alle Sprüche kennt man dann doch nicht.

  4. Werden wir für die nächsten Aktionen in Betracht ziehen, jedoch ist das mit der Materialweitergabe immer so eine Sache.
    Wir in unserer überschwenglichen Selbstüberschätzung sind der Meinung, dass nur wir dazu in der Lage sind, die Parolen auch richtig einzusetzen. Bei der Verteilung der Parolen an Nichtäpfel wäre es leider nicht möglich die Verbreitung zu kontrolieren.
    Und stellt euch vor, Autonome nutzen unsere Parolen und werden dabei von der Polizei erfasst. Wie sähe denn das aus?

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