Hab ich früher echt mal…

…CDU gewählt? Diese Frage stelle ich mir ja in letzter Zeit immer häufiger. Doch momentan mal wieder ganz besonders. Während der Schulzeit war ich ja mal mitglied in der SU. Nein, liebe Leser, ich war nicht Mitglied der SowjetUnion, sondern der SchülerUnion, einem Ableger der CDU. Kurzzeitig war ich dann auch mal Mitglied der JU (Junge Union), bis mir der ganze Kram irgendwie auf den Keks ging. Seitdem schlage ich mich parteilos durch die politische Partizipation. Und ich finde, das ist auch gut so, denn der logischen Reihenfolge folgend müsste ich ja mittlerweile Mitglied im RCDS sein, wobei sich das wahrscheinlich spätestens heute geändert hätte. Warum? Ich zitiere einfach mal IdEp:

Der lokale RCDS schießt gerade gegen die Antifaschistischen Hochschultage.

Die „Antifaschistischen Hochschultage“ sind eine Aktion, die von der „AG Emanzipative AntifaschistInnen“ ins Leben gerufen wurde. Das ganze Programm und so einiges mehr von der AGEA findet man hier. Nun finde ich die AGEA auch bei Zeiten etwas merkwürdig, aber ich kenne die meisten Mitglieder und kann dementsprechend bei vielen Sachen einschätzen, was denn so dahintersteckt und wenn ich irgendwas irgendwie daneben finde, so teile ich das einzelnen Mitgliedern auch durchaus mit.1 Der RCDS Magdeburg hat nun sein „Missfallen“ über die geplanten Aktionen geäußert. Unter der Überschrift „GEGEN EXTREMISMUS“ kann man auf der verlinkten Seite u.a. folgendes lesen:

In unserer Gesellschaft ist kein Platz für Faschisten! An der Universität erst recht nicht! Darüber sind sich alle Studenten einig. Der RCDS befürwortet Aktionen und Aufklärungsarbeit gegen Rechtsextremismus. Antifaschismus darf aber nicht als Deckmantel für antidemokratische Kommunismus-Propraganda genutzt werden.

Jo, stimmt schon, nur mag man sich fragen, wo denn die „antidemokratische Kommunismus-Propaganda“ herkommt. Diese kommt aus dem Programm der „Antifaschistischen Hochschultage“. Es gibt insgesamt 6 Programmpunkte und zwei davon befassen sich mit dem Kommunismus (oder auch: 1/3, wie der RCDS so schön ausführt).

26.10.2008 // 20 Uhr // Café Central
Kommunismus: Eine kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird
Hörspiel nach dem Buch von Bini Adamczak

30.10.2008 // 19 Uhr // Uni-Gebäude 40
Scheitern und Zukunft des kommunistischen Projekts
Vortrag von Hannes Gießler und Zwi Negator

Dies kann und soll man gerne hinterfragen, auch ich finde es recht merkwürdig und die vorgebrachten Begründungen an verschiedenen Stellen mögen auch nicht so wirklich überzeugen. Aber bitte, für den Diskurs sind wir Geisteswissenschaftler ja an der Universität, auch wenn es nicht immer leicht fällt. Der RCDS schreibt weiter:

Aber genau dieses Ziel verfolgt die „Arbeitsgemeinschaft Emanzipative AntifaschistInnen“ (AGEA), indem sie im Rahmen der Antifaschistischen Hochschultage (22.10 – 10.11.08) versucht Kommunismus wieder salonfähig zu machen.
Wer heute die Einführung des Kommunismus „gegen Wert- und Warenform, Geld und Lohnarbeit, Kapital und Staat“ (offizieller Programmflyer) diskutiert, muss nach seinem Verhältnis zur Demokratie gefragt werden.

Der RCDS Magdeburg fordert daher alle den Kommunismus verherrlichenden Veranstaltungen, die mit einem Drittel einen Großteil des Programms ausmachen, unverzüglich zu streichen. Denn in unserer Gesellschaft ist auch kein Platz für Linksextremismus! An der Universität erst recht nicht!

Gut, an sich haben sie ja recht. Extremismus ist nichts, was sich ausbreiten sollte, obwohl extreme Meinungen zu fast jedem Diskurs gehören. Bis hierher finde ich zwar die Aufmachung und den Text des RCDS zwar nicht unbedingt passend und irgendwie auf zu niedrigen Niveau – denn mehr Text hat der eintrag ja nicht zu bieten -, aber ich würde mich nicht weiter drüber aufregen2 , aber der RCDS Magdeburg macht ja noch weiter und zwar mit einer hübschen kleinen Grafik, die ich hier nur in kleiner Variante wiedergebe. Das Original findet sich im verlinkten Eintrag des RCDS oder hier.

Der RCDS stellt hier, um seine These zu untermauern, 4 der Vortragsthemen der „Antifaschistischen Hochschultage“ 4 fiktiven Themen gegenüber. Diese fiktiven Themen sollen ganz offensichtlich die äußerste Rechte darstellen. Bei der Gegenüberstellung von extremistischen Meinungen mag es ja normalerweise ganz passend sein so etwas zu tun, aber hier erinnert es eigentlich nur an Godwin’s Law:“As a Usenet discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one.“ Warum? Weil der RCDS ja nicht nur die beiden Kommunismus-Themen nimmt, nein! Sie nehmen noch zwei andere hinzu und zwar:

Antirassismus am Ende? Neue Ansätze in der antirassistischen Bildungsarbeit. Empowerment von und für People of Color und Critical Whiteness-Seminare in Deutschland.

und

06.11.2008 // 19 Uhr // Uni-Gebäude 40
Magdeburg im Nationalsozialismus
Vortrag von Maik Hattenhorst

Das heißt zwei Themen, die mit dem angeprangerten Kommunismus-Kram nichts, aber auch wirklich rein gar nichts zu tun haben, werden hier mit „in den Dreck gezogen“. Unter aller Kanone, wie ich finde. Über die beiden Kommunismus-Themen kann man wahrlich streiten, bzw. darüber, was beide in den „Antifaschistischen Hochschultagen“ zu suchen haben, aber bei neuen Ansätzen der antirassistischen Bildungsarbeit und einem Vortrag über Magdeburg im Nationalsozialismus ist dies einfach nur unangebracht und ziemlich respektlos, wie ich finde. Aber ich schrieb ja schon einmal, dass die Magdeburger Hochschulgruppen scheinbar lieber versuchen sich durch Ankreiden und Anpissen anderer zu profilieren, denn selbst mal irgendwas gescheites auf die Beine zu stellen. Aber danke für die Bestärkung meiner Überzeugung dem ganzen Zirkus den Rücken zu kehren…

  1. Und über die meisten Genderkonstruktionen muss ich immer noch schmunzeln. []
  2. Man müsste höchstens mal gucken wie der RCDS Magdeburg auf die aufgedeckten Verbindungen zwischen RCDS-Mitgliedern und NPD woanders in Deutschland reagiert hat []

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