Baustellen
Ich war heute zum Probearbeiten bei (einem?) meiner neuen Jobs und dafür musste ich in einen mir unbekannten Ort fahren. Und was war natürlich wieder? Baustelle und Umleitung! Mir passiert sowas ja ständig, ich fahr eigentlich nur noch mit allen möglichen und unmöglichen Straßenkarten los. Vor allem, wenn man zu mir sagt: “Ist ganz einfach zu finden, kannste gar nicht verfehlen!” Todsicheres Zeichen dafür, dass der Zielort zwar normalerweise wirklich ganz einfach zu erreichen ist, man im Falle einer Baustelle aber durch die letzten Ecken gurken muss und sich garantiert verfährt, weil die Umleitungsschilder weg sind oder hinter einem Baum stehen. Und plötzlich ist man anstatt im Berliner Weg in Magdeburg, im Magdeburger Weg in Berlin und es wird einem von einem Punk die Scheibe gewaschen. Auf die Frage, wie man denn wieder nach Magdeburg kommen würde, lächelt der Punk nur wissend und sagt: “Na, Baustelle gewesen, wa? Na dann fahr doch einfach so zurück, wie du gekommen bist, wa? Oder fahr in die Baustelle da vorne, vielleicht kommste dann ja wieder nach Magdeburg.” Recht hat er ja irgendwie und das weiß er auch. Er will 5€ für die Info. Überlege erst, einfach weiterzufahren, lasse es aber bleiben, da mich die nächste Baustelle wahrscheinlich wieder hierher verschlägt. Ab in die nächste Baustelle und zwei Stunden später ist man wieder ungefähr da, wo man losgefahren ist.
Eine zeitlang habe ich versucht diese magische Anziehungskraft, die ich ja scheinbar auf Baustellen ausübe, für mich zu nutzen. Immer, wenn ich irgendwo hin musste, wo ich eigentlich nicht hin wollte, hab ich die Tage vorher immer nur laut vor mich her gesagt: “Oh, am Mittwoch, da muss ich so gegen 15Uhr aber ganz, ganz dringend dahin! HOFFENTLICH ist da KEINE Baustelle, nicht dass ich mich verfahre und da nicht ankomme!” Hat nie funktioniert. Ich bin ungestört zum Zielort gekommen. Nur zurück wurde immer schwierig, denn egal wie lange ich weg war, auf dem Rückweg war die Straße immer weg und irgendwelche Bauarbeiter grinsten mich an. Und da wusste ich endgültig: Es liegt eine Verschwörung der Bauunternehmer gegen mich vor! Die haben sich alle zusammengerottet, um mir das Leben schwer zu machen.
Mit der Zeit hat sich das auch rumgesprochen und Freunde rufen mich an, weil sie unbedingt die Schlaglöcher vor dem Haus loswerden wollen. Hat auch ein paar Mal gut geklappt, nur haben jetzt alle meine Freunde komplett neue Straßen vor der Tür. Deswegen hab ich vor kurzem den Spieß umgedreht. Ich schließe Verträge mit verschiedenen Bürgermeistern ab, damit ich sie besuchen komme. Oder damit ich sie nicht besuchen komme, je nach Haushaltslage.
Eine zeitlang habe ich auch versucht meine Erfahrungen und “meine” neuen Straßen in einer Ausstellung zu veröffentlichen. Hätte wahrscheinlich auch geklappt, wäre ich nicht zur Ausstellungseröffnung gefahren, bzw. hätte es versucht. Seitdem ist die Galerie nämlich durch Baustellen vom kompletten Straßennetz abgeschottet. Schön war es trotzdem, bin nämlich in Paris rausgekommen. Wirklich schöne Stadt. Nur dieser Baulärm…
Das klappt aber nur, wenn du allein im Auto bist, denn aus der Lutherstadt sind wir seinerzeit ganz gut zurückgekommen.
Sach mal, gibt´s eigentlich irgendwas auf der Welt, das sich nicht gegen Dich verschworen hat? Mit Kaffee hattest Du doch auch schon so Deine Problemchen, oder?
Hmm…Leitungswasser?