Nachtschicht I

Schatten umgaben ihn, als er an der Wand kauerte. Er blickte die Straße entlang und suchte nach Bewegungen in der staubigen Dunkelheit, die nur vom fahlen Mondlicht erhellt wurde. Die Straßenlampen funktionierten schon seit Jahren nicht mehr und warmes Licht, das aus den Wohnhäusern auf die Straße scheint, schien nur noch eine vage Erinnerung aus längst vergangenen Tagen zu sein. Das leise Pfeifen des Windes war das einzige Geräusch, dass an seine Ohren drang. Er drückte sich tiefer in den Schatten und wünschte sich eine Zigarette, um die Anspannung zu verscheuchen. Aber Licht verbot sich, es hätte sie angelockt.

Sein Blick suchte erneut die Straße ab, doch es schien außer ihm selbst kein Lebewesen unterwegs zu sein. Er dachte an das fröhliche Gezwitscher von Vögeln und das Bellen von Hunden. Geräusche, die er zu lang nicht mehr gehört hatte. Nicht, seitdem es passiert war. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel brach das Unheil damals über ihn und die Welt herein. Er schüttelte den Kopf um die Gedanken zu vertreiben. Das war das Problem mit diesen verdammten Nachtschichten, die Erinnerungen fielen ständig über einen her. Am Tag war es besser, wenn auch nicht viel. Er versuchte sich an der Wand in eine bequemere Position zu bringen, als sie sich als marode Holztür entpuppte und plötzlich hinter ihm nachgab. Sein nur halb unterdrückter Schrei der Überraschung drang unnatürlich laut durch die Nacht. Schnell rappelte er sich wieder hoch und blickte sich um, sein Herz schlug ihm dabei bis zum Hals. Waren welche von ihnen in der Nähe und hatten ihn gehört? Staub tanzte in der Luft, als er versuchte die Straße und das Innere des Hauses gleichzeitig im Auge zu behalten. Innerlich fluchte er über die marode Bausubstanz der Häuser und über seine eigene Unachtsamkeit. Die Häuser in dieser Straße waren schließlich schon vor dem schicksalshaften Tag alt und teilweise renovierungsbedürftig gewesen. Er starrte ein paar Sekunden lang das Loch in der Wand und den Haufen Baumaterial, auf dem er stand, kopfschüttelnd an. Er klopfte sich gerade den Staub von der Kleidung, als sein Blick auf die Sitzgruppe in der Ecke fiel. Er erstarrte…

Wird fortgesetzt

Teil 2

5 Gedanken zu „Nachtschicht I“

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