Der Metzger ruft. Die Augen fest geschlossen

Lieder mit politischem Inhalt, die man getrost als Propaganda bezeichnen kann, findet sich in der heutigen Zeit sicherlich leicht, vor allem wenn man Propaganda einfach als Öffentlichkeitsarbeit bezeichnet. Auch Werbung ist eigentlich nichts anderes, als Propaganda, nur hat sich die negative Konnotation von Propaganda hier in Deutschland durchgesetzt. Propaganda ist immer das, was die Bösen oder Schlechten machen um ihre Macht oder Herrschaft weiter zu festigen. Der nachfolgende Eintrag ist wieder eher Gedächtnisstütze für mich. Weitere Ausarbeitung erfolgt vielleicht bei Gelegenheit mal.

Am Stärksten haben den Begriff der Propaganda wohl die Zeiten geprägt, in denen es in Deutschland totalitäre Regime gab. Namentlich natürlich die NS-Zeit und die DDR.1 Über die „sozialistischen Arbeiterlieder“ ist in unserer Zeit noch relativ viel bekannt, die Lieder der Nationalsozialisten hingegen verschwinden langsam im Dunst der Vergangenheit oder sind auf Grund ihres Inhaltes so oder so verboten. Aus dem Geschichtsunterricht während meiner Schulzeit erinnere ich mich eigentlich nur noch an die Nennung eines Liedes. Das Horst-Wessel-Lied muss angesprochen werden, sonst versteht man den Kälbermarsch von Brecht nicht im ganzen Umfang. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass man den Kälbermarsch bei jeder NPD-Veranstaltung anstimmen sollte, aber das nur am Rande.2

Durch einen Kommentar von Herr Rau zum Artikel Cartoons at War (II) wurde ich dann auf verschiedene Interpreten aufmerksam. Ich zitiere den Kommentar vollständig:

Nur als Fußnote: “The Fuehrer’s Face” ist übrigens von Spike Jones & His City Slickers. Der hat nur solche schräge Musik gemacht. Sehr witzig.
Bei den Deutschen gab’s Charlie and His Orchestra, eine Swing-Band, die Propagandaversionen von amerikanischen Swing-Klassikern gemacht hat. (Neue englische Texte voll Spott und Hohn.) Die Propagandasendungen von “Lord Haw-Haw” waren für die Briten gedacht. Der Fall “Tokyo Rose” in Japan ist komplizierter.

Von den Amerikanern war mir bewusst, dass sie auch die Komik für ihre Zwecke und gegen Nazideutschland verwendeten. Was mir aber ehrlich neu war ist die Tatsache, dass auch die Deutschen sowas wie Swing-Bands zu ihren Zwecken einsetzten. Deutsche „Lied-Propaganda“ war für mich immer irgendwie „Volksmusik“ mit Akkordeon oder halt Marschmusik. Der Grund hierfür ist, neben der mangelnden Thematisierung im Unterricht, wahrscheinlich die Kenntnis der „sozialistischen Arbeiterlieder“, von denen ich auch nur die „Volksmusik Variante“ kenne. So kann man sich täuschen. An dieser Stelle will ich mich mal etwas eingehender mit „Charlie and His Orchestra“ beschäftigen. Neben einem Wikipedia-Artikel, findet sich bei Radio Bremen eine Übersicht über diese Band. Unter Recherche Aspekten ist sicherlich noch der WFMU Blog interssant, hier gibt es die beiden Alben von Charlie and His Orchestra. Was das Propagandaministerium nutzen konnte, konnten allerdings auch die Gegner des Regimes nutzen. Siehe dazu zum Beispiel diese Übersicht über die „German Swing-Kids„. Die deutsche Version der Seite findet ihr hier und der Artikel dann hier.3

Ich dachte ja bisher immer, dass ich in der Schule einen recht guten Überblick über die Propaganda Maßnahmen im Dritten Reich bekommen hätte, aber da muss ich wohl mal nacharbeiten. Vielen Dank nochmal an Herr Rau. Den Rest aus dem Kommentar werde ich mir bei nächster Gelegenheit raussuchen.

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  1. Bevor jemand schreit: Dies ist KEIN Vergleich []
  2. Nachfolgend eine Illustration zum Kälbermarsch. Über Quellenangaben bin ich dankbar. ich weiß nur, dass es fast immer im Schulbuch neben dem Kälbermarsch stand. []
  3. Danke an den Zyniker für den Hinweis. []
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Ein Gedanke zu „Der Metzger ruft. Die Augen fest geschlossen“

  1. Naja, das mit dem swing ist nicht so überraschend, wenn man sich vor Augen hält, wer das Ziel der Propaganda war: Nämlich Engländer und Amerikaner, nicht Deutsche.

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