Wie ich Jogi Löw traf

Heute wird das Wasser abgestellt. Wie schnell durch sowas doch der Mensch von zivilisiert zu panisch wechselt.

„Ohmeingottohmeingottohmeingott, die stellen das Wasser ab! Wir müssen sofort Vorräte anlegen! Stellt euch nur mal vor plötzlich kommt die Fußballnationalmannschaft zu Besuch und wir haben kein Wasser um Kaffee zu kochen! Oder die kommen zu Besuch und haben alle Durchfall und wir können nicht spülen! Kaum auszudenken!“

So kreischten wahrscheinlich meine Nachbarn. Ich natürlich nicht, ich bin bei sowas ganz ruhig. Gestern Abend habe ich mir so gedacht: „Mensch Flint, da kannste ja gleich mal früh aufstehen. Dann haste noch was vom Tag, kannst ganz in Ruhe duschen und den Wasserkocher mit Wasser füllen. Und wenn dann in den Wohnungen um dich herum Panik ausbricht und die Nationalelf wie die Zeugen von Tür zu Tür zieht, dann sitzt du ganz ruhig in deinem Zimmer, trinkst Kaffee und machst einfach die Tür nicht auf!“ Eigentlich ein ziemlich guter Plan, doch irgendwie sollte alles anders kommen…

Heute morgen klingelte dann mein Wecker. Um 07:30 Uhr, was irgendwie nicht die Zeit war zu der ich eigentlich aufstehen wollte. Eigentlich wollte ich so gegen 06.30 Uhr den Wecker das erste Mal klingeln lassen, um mir die Möglichkeit zu bewahren nochmal kurz weiterzuschlafen. Aber aus irgendeinem Grund hab ich den Wecker dann auf 07.30 Uhr gestellt. Wahrscheinlich war das mein Unterbewußtsein, das alte, faule, unausgeschlafene Kameradenschwein. Aber egal, ich hab ja trotzdem noch eine halbe Stunde Zeit bis die das Wasser abdrehen. Kein Grund zur Panik! Ich steh also auf, mach den Wasserkocher voll und stelle mich danach munter unter die Dusche. Klappt auch soweit ganz gut, schlafe beim Abspülen ein.

Wache auf, als sich der tropische Palmenstrand in meinem Traum plötzlich in die Antarktis verwandelt. Mein Arm ist verkrampft und meine Stirn fühlt sich merkwürdig an. Versuche herauszufinden woran das alles liegt. Normalerweise dusche ich sehr warm, doch aktuell fröstel ich. Ah, das Wasser wurde abgestellt und die Reste kühlen sich auf der Haut ab, so dass ich friere. Meine Stirn fühlt sich merkwürdig an, weil ich mich mit dem Kopf an die Wand gelehnt habe. Natürlich genau auf die Stelle, an der es eine Unebenheit in Form von Sylt in der Wand gibt. Betaste meine Stirn und fühle Westerland. Während ich so mit der rechten Hand meine Stirn befühle, frage ich mich, was meine linke Hand eigentlich so macht und warum sich der Arm so merkwürdig anfühlt. Aha, ich merk schon. Ich halte immer noch den Duschkopf über meinen Kopf, genau wie in dem Moment in dem ich eingeschlafen bin. Versuche den Arm wieder in die normale, am Körper herunterhängende, Position zu bekommen. Klappt nicht. Montiere den Schlauch ab und nehme den Duschkopf einfach mit. Bin mittlerweile auch getrocknet, brauch mich also nicht abtrocknen.

Versuche mich anzuziehen. Klappt im Großen und Ganzen nicht. Entschließe mich dann für eine Kombination aus normaler Beinkleidung und Badetuch-Toga. Damit setze ich garantiert Trends. Höre Lärm aus den umliegenden Wohnungen, die verfallen wohl gerade in Panik. Gucke aus dem Fenster und frage mich, was der DFB-Bus da will. Beschließe ihn zu ignorieren, ist ja kein gelber Bulldozer.

Gehe in die Küche und koche mir Wasser für Kaffee. Klappt gut, schlafe nicht ein, Wasser kocht. Kippe Wasser in den Becher. Klappt gut, schlafe ein. Träume vom Nordseestrand, der sich langsam in die Sahara verwandelt. Witt und Heppner stehen vor mir und lachen mich aus. Frage sie, was das denn jetzt bitte soll. Sie fangen nur an zu singen „Jetzt kommt die Flut“. Meine Füße fangen an weh zu tun, wache auf. Habe im Schlafen weiter Wasser eingegossen. Küche steht direkt unter mir unter Wasser und ich stehe im heißen Wasser. Springe aufgeregt herum.

Habe jetzt nur noch ca. 2 Teelöffel Wasser. Fange an zu rechnen: „Normalerweise 2 Teelöffel Instantkaffe und einen Becher Wasser. Funktioniert doch garantiert auch andersherum…“ Fülle einen Becher mit Instantkrümeln und kippe die 2 Teelöffel Wasser obendrauf. Sieht merkwürdig aus. Nehme trotzdem einen Schluck, fange an zu kauen, schmeckt grässlich. Nehme noch einen Bissen. Fange an zu weinen und die Tränen fallen in den Becher. Nach zehn Minuten entsteht eine teerige, kalte, leicht salzige, aber dennoch trinkbare Flüssigkeit. Bin wieder froh.

Es klingelt. Schlurfe zur Tür, vielleicht ist es ja ein Paket oder die Zeugen. Mache die Tür auf und blinzel Jogi Löw an, er grinst zurück bis er meinen Aufzug bemerkt. Meine linke Hand hält immer noch den Duschkopf über meinen Kopf, Badetuch-Toga und Kaffeebecher mit undefinierbarer Masse. Er scheint verwirrt. Gebe ihm meinen Kaffeebecher und schreibe ihm mit der nun freien rechten Hand ein Autogramm auf den Becher. Winke noch kurz, mache die Tür wieder zu und schlafe ein.

Wache Stunden später wieder auf, weil jemand gegen meine Tür hämmert. Aus meinem Bad kommt Dampf. Mir fällt ein, dass ich vorhin zwar den Duschkopf abmontiert habe, aber nicht das Wasser zugedreht. Schwimme durch mein Bad und drehe den Wasserhahn zu. Frage mich, warum gerade mir sowas immer passiert und wie ich das Ganze jetzt der Vermietung und meiner Praktikantin erklären soll. Treibe durchs Bad. Wenigstens bin ich jetzt ausgeschlafen und das Wasser ist auch wieder da.

Vielleicht kann Jogi ja alles erklären. Der steht doch sicher im Telefonbuch, oder?

4 Gedanken zu „Wie ich Jogi Löw traf“

  1. 😀 😀 Mein Tag ist gerettet… sehr klasse geschrieben!!! Wenn´s dazu jetzt auch bitte noch `ne Bildreihe gibt, dann vergeß ich fast, daß heute erst Montag ist 😀 😀

  2. saugeil!
    Erinnert mich stark an Horst Evers!
    ziemlich -warte,warte-ich hab Dir zuliebe ein neues wort: INBA! *s*

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