Wouldn’t it be nice, so auf dem Schirm?

Unsere Sprache treibt die schönsten Blüten, wenn man sie nur lässt. Das ist hinlänglich bekannt, selbst wenn viele Anglizismen und Neologismen selbst dann nicht erkennen würden, wenn man sie damit schlägt. Es ist halt alles eine Frage der Gewöhnung. Meistens habe ich recht wenig gegen die Anreicherung der deutschen Sprache mit Fremd- oder Lehnwörtern oder meinetwegen auch Neologismen. Übertreiben tun es zwar viele, aber im Endeffekt ist es gehupft wie gesprungen, ob der Hausmeister nun Hausmeister oder Facility Manager heißt. Ein bisschen anders sehe ich das bei Füllwörtern und Redewendungen.

Jeder Sprachbenutzer entwickelt mit der Zeit seinen eigenen Stil und das soll meinetwegen auch so sein. Ich selbst benutze beim Sprechen viel, viel zu häufig Partikel wie „äh“ oder ähnliches. Fällt mir meistens nicht auf, aber wenn es mir mal auffällt, dann nervt es mich selbst. Irgendwann kann ich daran vielleicht was ändern. Außerdem benutze ich gerne solche Wendungen wie „nicht wirklich“, auch wenn das in den letzten Jahren abgenommen hat. Ein Bekannter von mir muss sich über ICQ alle naselang anhören, dass er eine merkwürdige „Schriftsprache“ entwickelt hat. Mein liebstes Beispiel ist da immer noch „Ciddy“ [sic!]. Ist schon länger her, dass er das benutzt hat, aber ich stand erstmal da wie der Ochs vorm Berg und wusste nicht so recht was er von mir wollte. Gedanklich war ich nämlich die ganze Zeit beim, mir geläufigen, Kiddy/Kiddie, aber das wollte nicht so recht in den Kontext passen. Letztendlich meinte er mit Ciddy eine Verbalhornung von City und das ergab dann auch Sinn, obwohl sich meine Nackenhaare eine ganze Zeit lang nicht beruhigen wollten. Ähnlich war es bei dem Wörtchen „phat“, was er ganz gerne anstelle von „fett“ benutzte. Wobei fett/phat hier im Sinne von gut genutzt wurde und ich „fett“ in dieser Nutzung schon merkwürdig finde. Bei der Verbalhornung von City ging ich ja noch so ungefähr mit, aber bei „phat“ hab ich mich wirklich gefragt: Warum? phat hat 4 Buchstaben, fett ebenso, es gibt also keine sprachökonomischen Gründe das so zu schreiben. Rein tippökonomisch liegen f-e-t-t sogar näher beieinander, als p-h-a-t. Aber egal, darauf wollte ich gar nicht hinaus, mir geht es eher um eine Bekannte von mir. Diese Bekannte arbeitet in der Medien- und Werbebranche und zeichnet sich allein deshalb wahrscheinlich schon durch einen merkwürdigen oder „hippen“ Sprachgebrauch aus. Bei ihr stechen besonders zwei Sachen ins Auge, bzw. ins Ohr: „nice“ und „das hab ich gerade nicht auf dem Schirm“. „Nice“ kommt bei ihr eigentlich nicht mehr nur als anderes Wort für „schön“ oder „toll“ vor, sondern ist zu einem Füllwort avanciert. welches auch gerne mal als Zustimmung benutzt wird oder einfach irgendwo in der Satzmitte oder am Satzende gesetzt wird. Ansonsten ist sie aber wirklich nett und so kleine Macken hat ja jeder. Aber das Wörtchen „nice“ ist ja, wie gesagt, nicht das einzige. Zu „nice“ kommt noch die Wendung „das habe ich gerade nicht auf dem Schirm“ hinzu, als Ausdruck für ein schlichtes „weiß ich gerade nicht“ oder „keine Ahnung“. Wenn sie das sagt, dann fühle ich mich manchmal an den guten alten Pavel Chekov von der Enterprise erinnert. Der hatte zwar beständig irgendwas auf dem Schirm, aber dafür nur die offensichtlichen Sachen, zum Beispiel Ionenstürme (wer Mittermeier kennt dürfte wissen, was ich meine). Wenn meine Bekannte nun mal wieder sagt „das hab ich gerade nicht auf dem Schirm“, dann stelle ich mir unwillkürlich manchmal folgende Szene vor:

Wir sind auf der Brücke der Enterprise. Kirk sitzt mal wieder lässig auf seinem Stuhl und versucht krampfhaft seinen Bauch einzuziehen. Uhura denkt mal wieder über ihren undankbaren Namen nach und fummelt an ihrem überdimensionierten Ohrstöpsel rum. Spock guckt in dieses komische Gerät in das er halt immer geguckt hat und will damit einfach nicht aufhören. Könnte daran liegen, dass Pille, der alte Witzbold, den Bereich der das Gesicht berührt mit Sekundenkleber eingeschmiert hat und Spock deswegen nicht mehr vom Gerät weg kommt. Plötzlich erschüttert eine der üblichen Explosionen die Brücke. Spock klebt immer noch fest und wirbelt deswegen noch merkwürdiger umher als üblich, Kirk wiegt sich heldenhaft in seinem Sessel und ruft: „Chekov! Was war das?“, und dieser antwortet mit seinem unverkennbaren Akzent: „‚tschuldigung, Käpt’n, das hab ich gerade nicht auf dem Schirm!“

Stille. Der Weltraum hält den Atem an, die Funken vergessen zu sprühen, die Erschütterungen hören vor Schreck auf zu schüttern und alle blicken Chekov entgeistert an. Kirk wiegt sich noch ein bisschen sinnlos hin und her, völlig überrumpelt von der Situation. Chekov, der sonst immer alles auf seinem Schirm hatte, egal ob wichtig oder unwichtig, offensichtlich oder verborgen, dieser Chekov sagt plötzlich: „Hab ich nicht auf dem Schirm!“. Der Bordcomputer nutzt die Gelegenheit und spielt die Beach Boys ein: „Wouldn’t it be nice…“

Beängstigende Vorstellung, oder?

3 Gedanken zu „Wouldn’t it be nice, so auf dem Schirm?“

  1. Das kann nur jemand mit nem Starfleet Academy Shirt sagen…obwohl…hast ja recht…ich schäme mich!

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