Nach dem Shadowrun

Flint schaute auf seinen Kaffee und dachte über die letzte Nacht nach. „Der Run ist erst vorbei, wenn du in deinem Bett liegst“, murmelte er vor sich hin. Letzte Nacht hatte sich diese Weisheit mal wieder bestätigt.

Er war mit zwei Anfängern auf einem Run gewesen. Einer Normin, genannt Holly, und einem Troll mit Namen Murdock. Der Run war nicht sonderlich gut verlaufen, aber sie hatten es mehr oder weniger gut überstanden. Flints rechter Unterarm war geschient und momentan nicht sonderlich gut zu gebrauchen, die beiden anderen waren müde und kaputt. Die Gegend, durch die sie gerade fuhren, war bekannt für seine Lone Star Kontrollen, deswegen hatten sie ihre Ausrüstung an einem sicheren Ort untergebracht. Was sollte auch schon passieren? Dieser Teil von Seattle war zwar nicht sonderlich hoch angesehen, aber in den letzten Jahren immer ruhiger geworden. Was sollte also passieren?

Flint lachte in sich hinein und dachte darüber nach, wie schnell man sich doch in Sicherheit wiegt. Er würde es sich eine Lehre sein lassen.

Sie fuhren eine Straße entlang, irgendsoeine Seitenstraße mit ner 30er Geschwindigkeitsbegrenzung. Plötzlich tauchte hinter ihrem kleinen VW ein Auto mit aufgeblendeten Scheinwerfern auf. Holly fuhr, Flint selbst saß auf dem Beifahrersitz und der Troggy auf der Rückbank. Flint sagte zu Holly: „Halt dich an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Das sind wahrscheinlich irgendwelche Halbstarken, die auf Ärger aus sind. Lass sie vorbei und lass dich nicht reizen. Die werden schon die Lust verlieren.“ Holly tat, wie ihr geheißen und anfangs schien sich Flints Verdacht auch zu bestätigen. Der Wagen, ein dicker BMW, überholte sie und versuchte die Fahrbahn zu blockieren, bzw. sie auszubremsen. „Nicht provozieren lassen“, meinte Flint nur und warf einen flüchtigen Blick auf das Kennzeichen. Er dachte immer noch an die Halbstarken, die einen auf dicke Hose und „aggro“ machen wollten, deswegen merkte er sich das Kennzeichen nicht. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte.

Eine Person hängte sich aus dem Beifahrerfenster des BMW und zeigte mit irgendetwas in Richtung des VWs der drei Runner. „Sieht wie ein Schlagring aus“, meldete sich Murdock von der Rückbank. „Hmmm“, machte Flint bloß. „Sie biegen ab, Holly. Fahr einfach weiter!“, sagte Flint und schüttelte den Kopf über solche Deppen. Gleich waren sie bei Murdocks Bleibe für heute Nacht und nach ein paar weiteren Minuten Fahrzeit würde er zusammen mit Holly seine Bude erreichen. Alles in Butter also.

Da tauchten die Scheinwerfer wieder hinter ihnen auf. „Ach, verdammt“, dachte Flint und sagte laut zu Holly: „Fahr an Murdocks Bleibe vorbei, wir wollen doch nicht anhalten, wenn die Deppen hinter uns sind. Die hängen wir schon ab.“ Bis dahin glaubte er immer noch an harmlose Halbstarke, doch dann setzte der BMW zum Überholen an, setzte sich neben den VW und aus dem Beifahrerfenster lehnte sich ein Kerl heraus. Schwarze Kapuze, Sonnenbrille, um die 20 Jahre alt. Der vermeintlich harmlose Halbstarke fing umgehend an die hintere Scheibe auf der Fahrerseite des VW mit seinem Schlagring zu bearbeiten. Holly wurde instinktiv etwas langsamer, doch Flint brüllte: „Gas! Lass die bloß nicht vor uns! Schnell!“ Holly reagierte und mit 70-80 rasten sie durch die geschlossene Ortschaft. An der nächsten Kreuzung bogen sie rechts ab und stellten erleichtert fest, dass der BMW nach links fuhr. Sie hatten es scheinbar bis auf weiteres überstanden.

Flint nahm den letzten Schluck Soykaf, schob dem Barkeeper das Geld rüber und schnappte seine Sachen. „Tja, der Run ist halt wirklich erst zu Ende, wenn du zu Hause bist.“

Klingt wie eine alltägliche Situation beim Rollenspiel Shadowrun, oder? Das dachte ich mir im Nachhinein auch so, aber leider war es keine erdachte Situation. Diese Geschichte ereignete sich so gestern Nacht, auf dem Rückweg vom Shadowrun spielen. Es war nicht in Seattle, sondern in Magdeburg. Passiert ist uns nichts und das Auto ist auch noch heil. Die Polizei wurde informiert und Holly (Die Praktikantin), Murdock (ein Bekannter) und ich haben den größten Schrecken verwunden. Idioten gibt das auf der Welt, da macht man sich kein Bild von…

7 Gedanken zu „Nach dem Shadowrun“

  1. Jap, find’s auch toll geschrieben…gibt aber kaum wieder, was für ne Angst ich hatte. Wenn ich so einen in die Finger kriege….*evil*

  2. Es fehlen mir die Worte. Aber es ist nur eins wichtig: euch ist nichts schlimmes passiert. Obwohl die Nerven sicher gelitten haben. Fühlt Euch umarmt und geknuddelt.

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