Redensarten

Erinnert ihr euch noch an eure Kindheit? An all die tollen Redensarten, mit denen eure Eltern versucht haben euch zu erziehen? All diese Binsenweisheiten, die Kindern Benehmen beibringen oder sie auf ihre gesellschaftliche Rolle vorbereiten sollen. Das bekannteste Sprichwort ist wohl „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“, und schon dieses Sprichwort strotzt nur so von Unwahrheit.

Vor kurzem hab ich einen Indianer getroffen, der stand da einfach so rum, und ich dachte mir: „Hey, da kannste jetzt mal testen!“ Also zu ihm hin und mal volle Kanne freundlich vor sein Schienbein getreten, im festen Glauben, dass er mich angucken und sagen würde: „Deine Eltern hatten Recht, wir kennen keinen Schmerz“, und mir dann ein Bier spendieren würden. Als ich ihn trat, verunsicherte mich sein Blick. In seinem Blick stand eindeutig Schmerz geschrieben. Ich war völlig erstaunt! Sollten meine Eltern etwa gelogen haben? Da ich das Weglaufen vergaß, hatte ich im Krankenhaus eine Menge Zeit über die Worte meiner Eltern nachzudenken. Also beschloss ich die ganzen Redensarten auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen, um dann irgendwann meinen Eltern eine dicke Rechnung zu präsentieren. So ging ich sie dann durch, die ganzen alten Unwahrheiten und fand schnell Anhänger, die mich mit mehr Redensarten versorgten.
Aber es war nicht immer leicht die falschen Redensarten zu entlarven. Zum Beispiel stellte mich „Wenn es jetzt zwölf schlägt, bleibt dein Gesicht so stehen“ vor ziemliche Probleme. Welcher zwölfte Glockenschlag war gemeint? Tag oder Nacht? Welche Zeitzone? Ich war wahrscheinlich der erste Tourist, der einzelne Zeitzonen nur aufgesucht hat um zweimal, nämlich um 12 und um 24 Uhr, eine dämliche Grimasse zu schneiden. Lasst euch gesagt sein, in fremden Ländern kann eine blöde Grimasse dazu führen, dass einen die Eingeborenen aus dem Dorf jagen! Keine schöne Erfahrung sowas.
Der Spruch „Mund zu, sonst werden die Milchzähne sauer“ stellte mich vor ein ganz anderes Problem: Ich selbst habe ja keine Milchzähne mehr und versucht einmal Kinder, die ja diesen unverschämten Spruch auch kennen, davon zu überzeugen ihren Mund für längere Zeit geöffnet zu lassen. Was habe ich nicht alles probiert! Irgendwann fand ich dann einen Zahnarzt, der mein Vorhaben gut hieß. Er sorgte bei ein paar seiner kleineren Patienten dafür, dass der Mund mit den Milchzähnen für längere Zeit offen blieb. Lasst euch gesagt sein, dass kein einziger Milchzahn dabei sauer wurde. Allerdings kann es nach 8 Stunden Maulsperre durchaus sein, dass das Gesicht erst einmal so stehenbleibt, völlig unabhängig von der Uhrzeit. Nebenbei bewies ich noch, dass wer A sagt, noch lange nicht auch B sagen muss. Im Gegenteil, es gibt eine Menge Gelegenheiten, bei denen man völlig ohne B auskommt.

Was noch aussteht ist die Untersuchung von „Wenn du mal heiratest, ist alles wieder vorbei“. Konnte noch keine junge Dame davon überzeugen mich für wissenschaftliche Zwecke zu heiraten. Die Eltern dieser Welt können sich aber schon einmal warm anziehen. So geht das nicht weiter!

Demnächst geh ich übrigens nach Meppen und von da aus dorthin wo der Pfeffer wächst. Will mal wissen, was es da so interessantes gibt und/oder ob sich die Bevölkerung wirklich nur aus Menschen zusammensetzt, die irgendwann mal jemandem auf den Keks gegangen sind. Vielleicht kann ich dann auch näher bestimmen, wie denn der Keks genau aussieht.

3 Gedanken zu „Redensarten“

  1. Großartig!
    Ich will mehr!
    Klär mich auf über viereckige Augen, sag mir wie sich die Wetterstatistik auf leergegessene Tellergerichte auswirkt und enthülle was passiert wenn man eine moderate Menge Kaugummi verzehrt!

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