Traditionelle Gründe für die Pressatmung

Ich war gestern mit der Praktikantin bei C., meiner Nachbarin. C. wollte zusammen mit der K. und der M. Fußball gucken. Da wollte die Praktikantin nicht fehlen und ich hatte auch nichts besseres vor. Aber um das noch einmal klarzustellen:

Die Mädels wollten Fußball gucken, der G. und ich eigentlich nicht! Ich hab wenigstens so ein bisschen zugeguckt, der G. hat sich lieber mit seinem Laptop beschäftigt. Beängstigend am ganzen Abend war irgendwie, dass sich C. und K. erstaunlich gut mit Fußball auskannten. Gut, meistens waren es Kommentare wie: „Bei der WM sah der aber besser aus!“, oder „Der is so niedlich!“, aber auch alte Spielstände usw. kamen ab und an zu Tage. Ich finde ja irgendwie, dass Frauen, die sich mit Fußball auskennen, etwas merkwürdig sind, aber da ich ein Kerl bin, der sich nicht mit Fußball auskennt, sollte ich wohl ruhig sein, oder?
Wir haben uns jedenfalls das Spiel angesehen, bzw. die Mädels haben sich das Spiel angesehen (später kam noch die S. hinzu) und ich hab mir C. angeguckt. Warum ich mir die C. angeguckt hab? Zum einen, weil sie natürlich wirklich, wirklich gut aussieht (und sich, wenn sie das liest, wahrscheinlich wieder in ihrem T-Shirt versteckt und guckt ob noch alles da ist), zum anderen aber, weil sie wirklich mitgefiebert hat und dabei interessante Geräusche und Gesichtsausdrücke fabriziert hat. Wenn der Ball auch nur in die Nähe eines der Tore gekommen ist rutschte und quietschte sie auf dem Sofa rum, dass es nur so eine Wonne war. Ich hoffe, ich bekomme das irgendwann noch aufgenommen. Das muss man hören, das kann man nicht beschreiben.
Natürlich ging es nicht die ganze Zeit um Fußball, dafür waren es vier Frauen. Hätten die die ganze Zeit über konzentriert zugeguckt, dann hätte ich echt Angst bekommen. So sorgte die Praktikantin schon zu Anfang des Spiels für eine amüsante Zwischeneinlage. Zu Anfang des Spiels werden ja so die Wetterdaten eingeblendet, da die Zuschauer ja auch wissen sollen, mit welchen Umweltbedingungen die Spieler es zu tun haben. Aber irgendwie war meine Praktikantin verwirrt durch die Anzeige „Deutschland – Polen“ und den Wetterdaten drum herum und fragte sich, warum da denn das polnische Wetter angezeigt wird. Okay, sie fragte nicht nur sich, sondern sie fragte laut und die K. guckte sie an, als hätte sie sich plötzlich in einen sprechenden Petunientopf verwandelt. Aber ganz unrecht hat sie ja nicht, hätte ja ein neuer Service sein können: „Sie haben der Wetterbericht verpasst? Gucken sie die EM-Spiele und bekommen sie das Wetter für die jeweiligen Länder kostenlos dazu!“
Nachdem dieses kleine „Missverständnis“ aufgeklärt wurde, passte die Praktikantin den Peinlichkeitenball schnell rüber zu M., die während den Nationalhymnen feststellte, dass sie ja eigentlich gerne Hymnenforscherin werden würde, ihre Freundin aber verstanden hätte: „Ich will Hymenforscherin werden!“ Nach diesem Gewaltschuss durfte ich dann auch irgendwann nochmal einen zum Besten geben. Als Schweinsteiger aus unbekannten Gründen eingewechselt wurde, meinte der Kommentator, dass dies wahrscheinlich konditionelle Gründe habe. Naja, gut, ich habe verstanden es habe traditionelle Gründe. Ist ja auch irgendwie einleuchtend, oder? Der Schweinsteiger kann nix und jeder Fußballfan ist wahrscheinlich froh, wenn Schweinsteiger es schafft den Ball grob in die richtige Richtung zu schiessen. Auf jeden Fall hatten danach alle möglichen Dinge plötzlich traditionelle Gründe. Das Spiel spielte sich dann so vor sich hin, Ball von links nach rechts und rechts nach links. Irgendwann, wahrscheinlich auch aus traditionellen Gründen, fiel dann das zweite Tor und C. bekam vor Freude ein Kind. Jedenfalls klang es, als würde sie in Pressatmung verfallen, als das zweite Tor vorbereitet und der Ball dann verwandelt wurde.

Beim nächsten Spiel werd ich es wohl nicht schaffen, vor Ort zu sein aber ich bin mir sicher, dass dies nicht das letzte gemeinsame Gucken war.

7 Gedanken zu „Traditionelle Gründe für die Pressatmung“

  1. Also mal ganz ehrlich: ich hätte das Spiel lieber mit Eurem Haufen geguckt als neben meinem lieben Göttergatten, der
    a) überhaupt keinen blassen Schimmer von Fußball hat und
    b) das ganze Spektakel dann kommentiert mit Sprüchen wie: „Schweinsteiger – besteigt der eigentlich Schweine?“ oder „Menno, Sport sollte doch fair bleiben, also finde ich, daß der andere auch ´ne gelbe Karte bekommen sollte“. Noch besser war, als es hieß, Klose und Poldi haben das Tor zusammen gemacht: „Wie? Spielen die jetzt mit zwei Bällen?“ Argh… wegen des Spiels ansich hätte man ja noch einigermaßen ruhig bleiben können, zumal die zweite Halbzeit nicht wirklich berauschend war, aber bei dieser Kommentierung seitens der besseren Hälfte war es dann doch unmöglich ^^

  2. hehe…noch ne Frau, die sich besser mit Fußball auskennt, als ihr Mann ^^
    Willste nich Donnerstg her kommen und mit uns zusammen gucken!? 😀

  3. du meinst mit der „anderen Frau“ aber nicht dich, oder? „Guck mal, in Polen regnet es!“ 😛

  4. Ich hatte auch Spaß. Trotz einer Quote von 3 Fußballauskennern (männlich) zu zwei nicht ganz so Bewanderten (m+w). Gut dass keiner uns aufgenommen hat *wave at Schäuble*

  5. Mein lieber Göttergatte hat sich gestern zur „Zahl des Tages“ gezählt… 1,5 Mio. Frauen wußten nicht, was sie anfangen sollten, da ihre Männlein vorm Fußball hockten. Muß ich mir jetzt Gedanken machen??? 😀

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