Ich erinnere mich noch an früher

Manchmal muss man seinen nostalgischen Gedanken einfach nachhängen. Ich hab einmal darüber nachgedacht, was in den letzten Jahren, so seit 2002, alles passiert ist. 6 Jahre sind zwar auf der einen Seite nicht viel vergangene Zeit, auf der anderen Seite aber doch schon eine ziemlich lange Zeit. Manchmal kommt es mir wie gestern vor, als wir feiernd durch die Auricher Straßen zogen, das Abitur frisch in der Tasche, die ganze Welt lag uns zu Füßen und die Zukunft breitete sich vor uns aus.
Dann gingen die ersten Freunde weg und man fing an sich in unterschiedliche Richtungen zu entwickeln. Beziehungen endeten, neue Beziehungen begannen.

Ring a ring a Rosie, as the light declines…

Irgendwann ging ich selbst. Später als mancher, früher als viele. Was war das anfangs für ein Gefühl, getrennt von Freunden und Familie, in einer Stadt, die so fremd war. Von der ländlichen Stadt, in der die Entfernungen in Fahrradminuten gerechnet werden, in eine Stadt mit Straßenbahnen und einer Universität. Von Ostfriesland mit seinen Problemen und Eigenheiten nach Sachsen-Anhalt mit seinen Problemen und Eigenheiten. Der ehemalige Point of no Return (Marienborn) war wie ein Grenzübergang in eine neue, befremdliche Welt.

My mind’s too full of memories, too old to hear new chimes…

Ständig suchte ich den Klang des Alten, des Gewohnten und Liebgewonnenen. Doch die Zeit ging voran, ich gewöhnte mich an vieles hier, auch wenn ich mich an manches nie gewöhnen werde. Und irgendwie wechselten langsam und schleichend die Vorzeichen. Die Nummern in meinem Handy, die stets eine Verbindung in die Heimat darstellten, wurden weniger. Die Gründe und das Bestreben sich bei all den alten Freunden zu melden wurde weniger, so wie die alten Freunde immer mehr verschwanden. Dafür kamen neue hinzu, interessante Menschen mit neuen Ansichten und neuen Perspektiven. Früher mehr oder weniger ignorierte Themen wurden wichtig, das Leben bekam eine andere und neue Qualität. Nicht besser als früher, nur anders.

There I spent my youth and to tell you the truth I was sad to leave it all behind me…

Mittlerweile gibt es nur noch ein paar „von uns“, die die Stellung halten. Alle alten Stammplätze haben sich verändert oder existieren nicht mehr. Einzelne Erinnerungen liegen verstreut, ein paar Fotos, die zerknitterte Getränkekarte des Pubs und natürlich das alte Werbeschild, eine alte Folie zum Eintragen der erspielten Punkte beim Bowling und ein gesplitterter Pin.

I dreamed a dream by the old canal, kissed a girl by the factory wall…

Auf die nächsten 6 Jahre, liebe Freunde!

Will chop you down like an old dead tree. Dirty old town. Dirty old town…

7 Gedanken zu „Ich erinnere mich noch an früher“

  1. es wird der Tag kommen, an dem wir ALLE wieder an DEM Küchentisch sitzen werden, ein Stappel Bücher um uns herum, ein Haufen Zettel vor uns, die uns heilig sind… ja… und auch jemand, der lautstark schreit:“OMA, KAFFEE!“

    (Ich hoffe und wünsche mir dies zumindest…)

  2. Wie cool. Meine Lernszene ist die, wo wir uns alle bei Benni in H. treffen um für’s Mathe-Abi zu lernen, dann den ganzen Vormittag über Fußball reden und schließlich irgendwann alle wieder nach Hause fahren, ohne auch nur irgendetwas geschafft zu haben. Aber ein toller Tag war’s trotzdem 😉
    Anscheinend hatten andere auch solche Erlebnisse.
    Munter bleiben

  3. Ne, er redet über das gute, alte DSA^^
    Lernszenen gibt es irgendwie nicht wirklich bei mir. War immer eher der Einzellerner…

  4. ach Großer, lass Dir von einer (noch) Daheimgebliebenen sagen dass Du alles richtig gemacht hast…

  5. Ja, Ja, die gute alte Zeit. Wer träumt nicht mal davon. Es war auch schön, wenn die Bude voll war, DSA gespielt wurde und die Horde später wieder abzog um die Stadt unsicher zu machen. Manchmal fühlt man sich doch einsam, so als zurückgelassene….

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