Die Sprache als Werkzeug des Geistes

Was liegt bei dieser Aufgabenstellung näher, als sich die Sprache als tatsächliches Werkzeug vorzustellen, mit dem der Geist so lange etwas bearbeitet, bis es zu dem passt, was er will?

Dann würde der Geist zum Beispiel als erstes mit Hammer und Meißel aus dem großen „Klotz“ an Lauten die passenden heraus meißeln und nach und nach zu Worten und Sätzen formen. Die fallenden Splitter sind das, was nicht gebraucht wurde und werden später einfach mit den verwendeten Lauten zu einem neuen „Klotz“ zusammengefügt. Das Ganze ist also ein recht kurzlebiges Werk, das aber doch – möglicherweise und je nach Kontext – manchen in Erinnerung bleibt.

Der eine verwendet lieber einen großen Hammer, um einfache, grobe Sätze zu formen, die oft eher an moderne Kunstwerke erinnern, die man lange betrachten und darüber nachdenken muss oder kann, um zu verstehen, was sie bedeuten. Der andere verwendet feine Werkzeuge, um facetten- und detailreiche Wortskulpturen entstehen zu lassen (gewissermaßen eine Wort-Venus). Mancher ist darin so kunstvoll, dass auch dieses Werk lange betrachtet werden muss, um es zu verstehen und jede Einzelheit erkennen zu können. Jedoch gilt es zu beachten, dass auch das richtige Werkzeug an der richtigen Stelle zum Einsatz kommt, ansonsten werden die Konturen zu dick oder zu dünn und das Werk wirkt schief oder unpassend. Wichtig ist auch der richtige Gebrauch des richtigen Werkzeuges. Wie schnell wird sonst aus einer schön geplanten Facette ein gähnendes Loch, das die Skulptur aus dem Kontext wirft oder sogar völlig zerstört!? Die Betrachter fühlten sich dann vielleicht beleidigt, statt geschmeichelt, gehasst, statt geliebt oder angenommen, statt abgewiesen.

Oder aber die Sprache wäre ein Schraubenzieher (oder besser: Schraubendreher), der die einzelnen Schrauben und Teile dort befestigt, wo sie hin gehören. Sind sie richtig angeordnet, wurden die passenden Werkzeuge benutzt, entsteht eine funktionierende Maschine. Natürlich sind die entstehenden Maschinen bei jedem wieder unterschiedlich. Die einen funktionieren mehr schlecht als recht und quietschen, andere arbeiten vielleicht sogar zu gut.

Auf jeden Fall gibt es viele verschiedene Werkzeuge wie Hammer, Meißel, Schraubenzieher, Bohrmaschine, Pinsel, Zirkel, Lineal, Feder und Schwert, deren richtige Nutzung ganz vom Künstler, Mechaniker (oder welcher Berufsgruppe auch immer) abhängt.

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