Die Sprache als Werkzeug des Geistes

Die Sprache ist das Werkzeug des Geistes. Nur durch sie ist es möglich uns auszudrücken und das Denken fällt ohne Sprache auch relativ schwer. Aber was für ein Werkzeug ist die Sprache eigentlich und besitzen alle Menschen das gleiche Werkzeug? Oder ist Art des Werkzeuges bei jedem Menschen anders?

Versuchen wir eine Annäherung über die kriegerische Variante. Sprache ist eine Waffe, die richtig eingesetzt einen gehörigen Schaden anrichten kann, selbst wenn sie dadurch Frieden stiftet. Vergessen wir für diesen Vergleich einmal die Annahme, dass die Feder mächtiger sei, als das Schwert. Wie sieht es auf den verbalen Schlachtfeldern aus? Ganz vorne stehen die Lanzenträger. Sie können den ersten Angriff abwehren in dem sie immer die gleiche Taktik fahren. Einem ernst gemeinten Angriff haben sie aber nur wenig entgegenzusetzen. Der Spracheinsatz der Lanzenträger tut weh, aber wenn man die Taktik kennt, dann kann man die Wirkung ihrer Waffe umgehen und sich gegen die nächste Verteidigungslinie werfen. Hier warten die Menschen mit den Hiebwaffen. Grob, schwerfällig und verhältnismäßig ungenau sind ihre Waffen. Wenn sie aber treffen, dann hinterlassen sie einen wahrhaft bleibenden Eindruck und einen meist nicht mehr gut zu machenden Schaden. Im Gegensatz zu den Lanzenträgern müssen sie ihre Taktik und ihren Einsatz variieren. Ihnen steht aber nur grobes Werkzeug zur Verfügung und dieser Umstand behindert sie. Die Angriffe sind voraussehbar, bestechen aber durch ihre Wucht und Gewalt. Ist man zur falschen zeit am falschen Ort braucht man eine sehr stabile Verteidigung um dem Angriff zu widerstehen. Aber auch Morgensterne und Kriegshämmer sind zu umgehen und hinter ihnen lauern die wirklich gefährlichen Gegner. Sie sind bewaffnet mit perfekt ausbalancierten Schwerten und Äxten. Sie sind schnell, ihr Angriff ist auch ihre Verteidigung und blitzschnell können sie Schwächen in der eigenen Verteidigung ausnutzen. Spätestens jetzt kommt es auf die eigene Waffenwahl an. Wie gut ist man selbst? Wie gut versteht man es die Verteidigung des Gegners zu durchbrechen und wie lange kann man die gegnerischen Schläge mit Waffe und Schild abwehren?

Dieser Vergleich ist, wie gesagt, sehr kriegerisch und nicht immer angebracht. Sprache dient ja nicht ausschließlich der Verletzung. Man könnte die Sprache auch mit dem Autofahren vergleichen. Die meisten Menschen schaffen es, sich mit der Zeit eine grundlegende Sprachfertigkeit zuzulegen. Sei es nun mündlich und/oder schriftlich. Dies nehmen wir jetzt als bestandene Führerscheinprüfung. Wenn man es etwas genauer haben möchte, dann könnte man auch sagen, dass sich die meisten Menschen durch die verschiedenen Führerscheine arbeiten. Vom Trecker (grob, langsam und stark zweckgebunden), über das Moped (weitreichender und schneller) bis hin zum normalen PKW (den meisten Anforderungen gewachsen, weitreichend, schnell usw.). Lassen wir Sattelschlepper und ähnliches einmal außen vor. Die weitere Differenzierung der Werkzeuge ist natürlich erstmal Geschmackssache. Die einen bevorzugen schnelle und wendige Fahrzeuge, andere eher die Familienkutsche, welche zwar nicht die schnellste , dafür aber weniger extrovertiert und eher darauf ausgelegt ist, andere mitzunehmen und sicher ans Ziel zu bringen. Oder sie steht eher für Bodenständigkeit, keine Lust auf Experimente und ein gewisses Maß an „mit dem Strom schwimmen“, während der Flitzer Aufmerksamkeit will und im Gedächtnis bleiben will. Er will auffallen und andere abhängen. Es kommt halt auch auf den Fahrer an. Allen Fahrzeugen sind aber bestimmte Eigenschaften gemein: man will damit im allgemeinen ein oder mehrere Ziele erreichen, man muss sie bis zu einem bestimmten Grad beherrschen um dies zu erreichen und man muss alle naselang investieren, um den ersten Punkt weiter verfolgen zu können. Hat man sich für ein Auto, also die „Grundausstattung“ entschieden, dann geht es hauptsächlich um die Fertigkeit des Autofahrens an sich und um die Investition in die Grundausstattung. Grundlegende Situationen kann jeder mit der Zeit meistern, wie die gewohnte Strecke zur Arbeit. Die Investitionen sind abschätzbar und bewegen sich immer in einem ähnlichen Rahmen. Fertigkeit durch Routine. Die wahre Kunstfertigkeit zeigt sich aber erst in ungewohnten Situationen und wenn der Navi versagt, man sich also außerhalb der Karte befindet. Hier schränkt einen natürlich die Grundausstattung ein, denn mit einem Porsche hat man auf einem Waldweg eher verloren, als mit einem Jeep. Davon abgesehen kommt es jetzt aber auf den Fahrer an. Wie gut kann er die ihm gegebenen Möglichkeiten, also das ihm gegebene Werkzeug, nutzen um die Situation zu bewältigen?

Eine andere Zugangsweise wäre, die Sprache wirklich mit Werkzeug zu vergleichen. Dieses Bild zeigt wohl auch am Ehesten die vielfältigen Möglichkeiten, die die Sprache bietet. Jeder schleppt ständig einen ganzen Werkzeugkoffer voll mit verschiedenen Werkzeugen mit sich rum. Je umfangreicher der Werkzeugkasten, desto vielfältiger sind die Situationen und Anforderungen, mit denen man fertig werden kann. Ein großer Werkzeugkoffer gewährt einem größere Freiheit. Man kann gestalten, reparieren, ausbessern, Neues erschaffen und anderen helfen, während man selbst in immer weniger Fällen Hilfe benötigt. Natürlich muss das Werkzeug von Zeit zu Zeit erneuert werden und man ist selten im Gebrauch aller Werkzeuge gleich geübt, dennoch bleibt die Freiheit erhalten, solange man seine Werkzeuge pflegt und sich selbst im Umgang mit ihnen schult. Die Axt im Haus erspart einem halt den Zimmermann.

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