„…und dem Wahnsinn zugewandt!“ (2. Akt)

Dramatis Personae

Der Pinguin – Der Stein des Anstoßes, sonst nichts weiter zu tun
Gremgor – Der Troll
Bruch – Der Hofnarr (Kurzauftritt)
Natellu – Der Greise aus dem Morgenland
Dackel – Ein schlecht erzogener Hund
Windkind – Hetzer ohne Talent
McLeon – Ein Hochländer, zum Glück gibt es nur einen
Gehage – Der Gastgeber

Es treten auf: Bruch, Gremgor, Natellu, Dackel

Bruch lugt hinter einem Busch hervor und ruft Gehage nach.

Bruch: „Vieles könnte ich zu dir sagen, Gehage, aber ich tue es nicht! Aber erzittere in dem Wissen, dass ich es könnte! Ich beziehe mich auf folgenden Satz von dir: ‚Das Zitat ist, wie schon richtig bemerkt, dem Lied entsprungen, das einmal die Hymne der DDR war. Im Jahre 1972 wurde verfügt, daß der Text nicht mehr gesungen werden darf.‚ Hier muss ich dir widersprechen, denn der Text durfte nicht wegen eurer Wahlkampfaussage nicht mehr gesungen werden, sondern weil im Text der Passus: \\\“Deutschland einig Vaterland\\\“ aufgetaucht ist. […] Allein eure historische Betrachtung zeigt eins, dass ihr entweder bestimmte historische Probleme nicht sehen wollt oder das ihr ein gewaltiges Unrechtsregime gutheißen wollt.
Beide Sachen gefallen mir nicht, aber naja ist ja Wahlkampf…


Bruch geht ab, er hat gesagt, was er sagen wollte. Es gehörte nicht zum Thema und war unnötig, aber sein Kostüm ist echt Granate!


Natellu tritt auf. Gekleidet in die Farben der Erde, gestützt auf einen Stock erscheint der alt ehrwürdige Greis.

Natellu: „Ach, welch Schmach bringen die jungen Leute über unser Land. Nichts erlebt in ihrem kurzen Leben. Kein Nachdenken, kein Nachsinnen, so scheint’s, gibt es mehr unter der Sonne. Allzu leichtfertig werden die Symbole des alten Regimes im Weltenlauf zitiert. Mag es daran liegen, dass keiner mehr die alte Zeit erlebte?“

Gremgor (ihm sich zuwendend): „Welch wahres Wort du sprichst, alter Mann. Zwar lebte auch ich nicht in der alten Zeit, aber ich habe von meinen Glaubensbürdern echt verflucht viel gehört. Wollten sie es zu etwas bringen, dann durften sie nicht glauben! Aber doch gab der Glaube den unsrigen Kraft zu widerstehen! Ich weiß zwar nicht, was ich gemacht hätte, aber die, die haben widerstanden! Und nun ist es an mir immer dort ein Faß zu öffnen, wo ich meine Unrecht zu erblicken! ich weiß nicht, ob ich den druck ausgehalten hätte, obwohl hinter mir die bastion der katholischen kirche gestanden hätte, die weder bismark, hitler noch die ddr klein bekommen hat.
wir waren mit sicherheit nicht immer gut, aber für die unseren waren wir immer eine festung.

Dackel tritt auf, sein schmieriges Fell glänzt in der Sonne.

Dackel: „Wer ist Bismark? Falls die Anspielung auf den ersten Reichskanzler sein soll: Dieser nannte sich Otto Fürst von Bismarck.

Und ob der armen, armen Katholiken. Mir kommen gleich die Tränen. Dazu nur:
Judenverfolgung, Inquisitionen, Kreuzigungen, Hexenverbrennung, wir
wissen wie man feiert – Ihre Kirche

Natellu: Oh, Gremgor! Ich verstehe, was die deinen erlebten. Ich selbst habe es durchgemacht. Nur mein Problem ist folgendes: … ich finde es einfach nur erschreckend, wie leichtfertig heutzutage politische Organisationen mit den Symbolen der \“ddr\“-Diktatur umgegangen wird – und wie dieser Unrechtsstaat damit verharmlost wird.

Zudem merkt man besonders bei den Grünen die politische Unausgewogenheit – im Wahlprogramm aktiv gegen Neonazismus (was ja gut und richtig ist) , aber gleichzeitig mit der \“ddr\“ kokettieren.

Ich frage mich – was ein Aufschrei durch die Massen gehen würde – wenn eine andere demokratisch orientierte Hochschulgruppe mit Nazisymbolik spielen würde…. Lasset dies nicht einfach so geschehen, Gremgor! Macht mit mir zusammen aus einer Mücke einen Elefanten! Ich bitte euch!“

So fleht er, der Greise aus dem Morgenland. Doch erst vergebens, denn der Troll und der Dackel begeben sich auf andere Diskussionswege.

Dackel: „Ihr Gläubigen, ihr seid immer so wehleidig! Damals, also wirklich schon ganz früher, da habt ihr euren Glauben mit Feuer und Morgenstern verbreitet! Und jetzt, JETZT regt ihr euch auf, wenn mal so ne kleene, runzlige Diktatur euch an den Kragen will! Ihr seid so erbärmlich! Ihr messt doch echt mit zweierlei Maß!
Das soll jetzt natürlich keine Rechtfertigung für das alte Regime sein. Nicht, dass ihr das da rauslesen könntet, aber ich sag es lieber noch einmal. Außerdem hat es irgendwie was mit dem Plakat von Gehage zu tun, wenn ich das alte Regime wenigstens mal erwähne! Oh ihr Götter, wie lange dauert es noch, bis endlich alle meiner Meinung sind und einsehen, dass sie alle blind waren?“

Gremgor: „och bitte. du bist doch gebildet. nutze deine geistigen fähigkeiten und vertraue nicht auf die meinungen des spätmittelalters. das ist einfach nur lästig.
und noch eines: toleranz bezieht sich darauf andere zu akzeptieren und nicht ihnen die eigenen meinung aufzudrücken. ich akzeptiere dich, wie du bist. auch wenn ich deinen ablehnung der religion nicht nachvollziehen kann. ich akzeptieren auch, dass du religion in der öffenlichkeit ablehnst. nur akzeptiere mich bitte darin, dass ich zu fronleichnnm durch die straßen ziehen will und glocken hören will.
der ausschluss der religion aus der öffenlichkeit ist das gegenteil von toleranz.

Dackel:“Solang die Glocken mich nicht in meiner Ruhe stören, ergo nicht vor 12. Bitte, gerne.
Die Ablehnung von Religion ergibt sich aus historischen und aktuellen Gegegebenheiten. Historisch bereits genannt. Aktuell: Ablehnung der katholischen Kirche des Gebrauches von Kondomen, insbesondere Afrika. Die HIV-Neuinfizierten freut\’s. Weiterhin ist meine Lust gering von den kruden Moralvorstellungen Gläubiger und ihres imaginären Freundes Gott/Jesus/Allah/Jahwe/etc. innerhalb der Rechtsprechung/Politik belästigt zu werden.

Natellu merkt, dass die Diskussion irgendwie an ihm vorbei geht.

Natellu: „Du bist auch einer derer, die auf einen Bauernhof ziehen und sich dann beschweren dass der Hahn kräht und dann verlangen, dass er geschlachtet wird…

Die Kirchen hier […] standen schon, als Du noch gar nicht auf der Welt warst. Es gibt […] genug Wohnquartiere, in denen kein Kirchengeläut zu hören ist – ziehst Du jedoch in Kirchennähe, beschwere Dich bitte nicht.

Verehrte Zuhörer, hier endet der zweite Akt. Demnächst geht es weiter mit dem dritten Akt. Freut euch auf das Windkind und McLeon! Werden sie die Handlung zu einem glücklichen Ende bringen? Oder werden auch sie sich auf Pfaden weit ab vom Thema verirren?

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