Wie lustig darf Wissenschaft sein?

Im Zuge eines Seminars mit dem bezeichnenden Titel „Wissenschaftliche Texte schreiben“ müssen wir eben dieses tun: Wissenschaftliche Texte schreiben. Nun lag mir das, sagen wir mal pfurztrockene, Schreiben noch nie so wirklich. Ich mag es meistens etwas lockerer und nicht so hochtrabend. Da die Vorgaben im Seminar nicht so eng sind, versuche ich auch im Seminarzusammenhang meine Texte nicht zu trocken zu gestalten. Dabei stellt sich mir die Frage: Wie lustig, bzw. witzig, darf Wissenschaft eigentlich sein?

Mir geht es dabei vor allem um die zu verwendende Sprache. Natürlich ist nicht jedes wissenschaftliche Thema unbedingt dafür geeignet witzig oder sprachlich lockerer dargestellt zu werden. Aber bei manchen Themen, vor allem so sprachwissenschaftlichen, tut es eigentlich keinem weh, wenn man auf Formulierungen verzichtet, die man dreimal lesen muss um sie zu verstehen oder wenn man auf einen Text verzichtet, der nur mit viel gutem Willen noch als „deutsch“ zu bezeichnen ist, weil er vor Fremdworten (oder Fremdwörtern? Das hatten wir doch vorhin erst…) oder vor Fachausdrücken jeglicher Coleur nur so strotzt.

Natürlich will die Wissenschaft möglichst genau sein, auch wenn sie es (wahrscheinlich) nie schaffen wird zu objektiven Wahrheiten zu gelangen. Subjektivität ist immer gegeben, auch wenn die Einsicht darüber von Wissenschaftsbereich zu Wissenschaftsbereich stets schwankt. Aber diese Bemühungen, möglichst exakt zu sein, gleiten doch sehr schnell in Textformate ab, die man eigentlich erst versteht, wenn man schon jahrelang studiert.

Wissenschaft, die versucht einen trockenen Stoff interessant aufzubereiten, gleitet hingegen schnell in den oberflächlichen Bereich ab, oder? Nur missen will diese Versuche eigentlich auch niemand, zumindest würden mir keine Proteststürme gegen Peter Lustig oder Quarks&Co. einfallen.

Ist unsere Sprache so ungenau, dass die „herkömmliche“ deutsche Sprache nicht ausreicht um komplexe Sachverhalte zu beschreiben? Sollte uns das nicht zu denken geben?

Oder sind die Wissenschaften mittlerweile noch weiter weg von der „Gesellschaft“, als sie es schon seit Anfang an war? Sollte uns das dann nicht auch zu denken geben?

Auch wissenschaftlich fundierte Literatur über Blogs würde sich wahrscheinlich so lesen, als hätten die Verfasser nie wirklich einen Blog zu lesen bekommen oder der Blogger würde sich beim Lesen denken: „Bitte WAS tue ich? Tue ich das wirklich? Neee, kann nicht sein, das wüsste ich doch! Kennt jemand nen Babelfisch für wissenschaftliche Texte? Hilfe?“

Okay, das mag etwas übertrieben sein und ich lasse mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen.

Viele Gedanken, kein konkretes Ergebniss, sehr wissenschaftlich, wie ich finde. Ende.

Ein Gedanke zu „Wie lustig darf Wissenschaft sein?“

  1. Gerade Deutsch ist als Sprache mMn ziemlich gut geeignet wissenschaftliche Zusammenhänge und Sachverhalte präziese darzulegen. Kaum eine andere Sprache ermöglicht es (bei umsichtigem Einsatz) so unzweideutige Aussagen zu machen.

    Einzig der Umstand das es durch die Möglichkeiten ziemlich kompliziert wird mit der Sprache umzugehen könnte als Nachteil gelten 😉

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