Erst Nebel, dann isses kalt

Wo wir gerade bei Geschichten aus der Jugend waren…hier noch zwei kleinere Geschichten, die mir gerade wieder eingefallen sind.

Es begab sich irgendwann mal in der Auricher Disco „Dinis“. Ich glaube es war noch zu den glorreichen Zeiten der „Jugenddisco“ am Sonntag Nachmittag. Einer meiner Kollegen, nennen wir ihn Joe, wollte was von einer jungen Dame, nennen wir sie einfach mal „Lara“. Lara und Joe turtelten schon längere Zeit umeinander herum, bloß irgendwie brachten sie den entscheidenden Schritt nicht hinter sich.

So mit 14-15 Jahren ist man da ja auch noch nicht so…stumpf…wie man es heute vielleicht ist. Jedenfalls waren wir eines Nachmittags im Dinis, es lief irgendein kitschiges Lied, die beiden saßen wieder an einem Tisch und wir hatten uns schon verzogen um sie nicht zu stören. Der DJ machte die Nebelmaschine an und das Licht etwas dunkler. Und machte noch etwas mehr Nebel…und noch mehr…und an seinem irritierten Gesichtsausdruck konnte man langsam sehen: Das war jetzt so nicht beabsichtigt. Die Nebelmaschine prustete ihr Glück raus und schnell konnte man in der Diskothek fast nichts mehr sehen, kurz darauf war auch das OG des Einkaufszentrums in dem die Disco liegt, leicht nebelig. Es dauerte etwas, bis man die Nebelmaschine davon überzeugen konnte sich zu beruhigen. Wir dachten nur so bei uns: „Na, nun werden die beiden es jawohl endlich schaffen. Es läuft immer noch diese Schnulze, es ist seeeehr heimelig hier…besser geht es jawohl nicht.“

Nach so ca. 10 Minuten waren die Nebel von Avalon dann wieder weg und…die beiden saßen immer noch genau so da wie vorher! Also hin, Joe unter ’nem Vorwand mitgeschleift und ausgequetscht. „Und? Wat is nu?“ (Als Jugendlicher ist man ja so subtil) „Ja, ne, nichts is…“

Es war nicht zu glauben, so ne Chance und Joe hat sie nicht genutzt! Wir waren von der Rolle, aber war ja irgendwie auch nicht unser Bier.

Ein paar Wochen (oder waren es Monate?) später, ich weiß nicht mehr ob sie mittlerweile zusammen waren oder nicht, war uns Abends langweilig. Es war entweder Frühling oder Spätherbst, jedenfalls nicht sonderlich warm am Abend. Aus irgendeinem Grund kamen Joe und ich auf den Gedanken doch mal bei Lara vorbei zu fahren um sie zu besuchen. Was man halt so macht. Dort angekommen klingelten wir und wurden von ihrem, mehr oder weniger ungehaltenen, Vater begrüßt, der aber trotzdem so freundlich war seine Tochter runterzuholen. Reinkommen war irgendwie nicht, also standen wir draußen in der Kälte rum. Wir redeten über irgendein belangloses Zeug. Ich glaube die beiden waren tatsächlich noch nicht zusammen…oder so…irgendwas war da auch mit ’nem Auqarium in dem Gespräch. Wir hatten sie beim Putzen gestört, oder so.

Irgendwann wurde mir langweilig und irgendwie kam ich auf den Gedanken mir die Jacke und den Pullover auszuziehen. Wie gesagt: es war kalt draußen. Keine Ahnung wie ich auf den Gedanken kam. War wahrscheinlich meine Art der Langeweile vor der Tür zu entgehen. Ich wollte ja von dem Mädel nichts, deswegen konnte sie mir ja herzlich egal sein. Vielleicht war es auch meine Art zu sagen: Klimakatastrophe? Merk ich nix von! Is‘ doch hübsch schattig hier!

Auf was für Gedanken kommt man als Jugendlicher? Heute beschweren sich alle über die Dummheit der Jugend, aber bei solchen Aktionen merkt man doch: Wir waren kein Stück besser! Okay, wir sind noch nach draußen gegangen und hockten nicht nur in der Bude oder im Einkaufszentrum rum. Wir hatten noch Ideale und T-Shirts, die auch bei 5-10 Grad noch wärmten. Nich so wie heute, wo ständig alle mit so Pelzjacken und so rumrennen. Schämen die sich eigentlich nicht? Alle reden von der Klimakatastrophe, Erderwärmung und so und die tragen so dicke Jacken. Die haben wenigstens ne Klimakatastrophe, wir hatten sowas ja früher nicht.

Ich schweife ab…

Ob sie eigentlich jemals ihr Aquarium fertig geputzt hat? Und was wohl der Vater gedacht hat?

P.S.: Lieber Zyniker, blogg doch auch einen Schwank aus deiner Jugend.

3 Gedanken zu „Erst Nebel, dann isses kalt“

  1. soweit ich mich an diesen Joe und Lara erinnere (oder hieß Sie vielleicht doch eher Silvia und hat heute Mann und Kind?) war dies der letzte Abend an dem die beiden sowas wie zusammen waren, den just im gleichen Augenblick sortierte ein fleißiger (Achtung; Ironie) Bundespost ([/Ironie])-Mitarbeiter einen Brief ein, den diese Joe am nächsten Tag erhalten sollte und einen Schlußstrich zog…
    …und die Moral von der Geschicht‘: Putzt deine Freundin lieber das Aquarium als deinen … naja, so halt… dann ist da was nicht in Ordnung… 😀

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