Die deutsche Sprache ist für mich…

Die deutsche Sprache ist für mich „Segen“ und „Fluch“ – gelegentlich.

Wie dieser Satz schon impliziert, gehören literarische Werke (zum Beispiel Gedichte oder auch allgemein Klassiker) für mich zum Segen dieser Sprache. Jahrzehnte und Jahrhunderte haben großartige Werke hervorgebracht, von denen die meisten als Weltliteratur gelten und da ist man natürlich stolz auf seine Muttersprache. Auch wenn einem nicht alles so sehr zusagt. Wo ich dann schon bei einem Teil des Fluches, den die Sprache für mich bedeutet, wäre:

Ebenfalls „hoch“ angesiedelt, neben der Sprache der Poeten, ist die Sprache der Wissenschaft, von der mich das wenigste begeistert. Bei vielen, gerade philosophischen, Texten brauche ich mehr als nur einen Anlauf, um sie zu verstehen. Sätze, die mehr als sechs Zeilen eines Textes umfassen, werden einfach irgendwann unübersichtlich und schwer verständlich und so ist es auch kaum verwunderlich, dass ich bei der Arbeit an solchen Texten das Sprichwort „deutsche Sprache – schwere Sprache“ durchaus verstehen kann. Wenn jemand so spräche, wie die meisten Wissenschaftler schreiben, wäre er so gut wie jedem unsympathisch der, außerhalb eines Vortrages oder ähnlichem, mit ihm redete.

Allgemein ist gesprochene Sprache eine ganz andere Sache als geschriebene. Beim Sprechen rutscht so gut wie jedem der eine oder andere Anglizismus einfach so aus dem Mund, ohne dass es den Sprecher selbst oder den Hörer stören würde. An sich ist das nichts Schlimmes. Sprachen ändern und vermischen sich, nur krempeln sich mir und auch vielen anderen regelmäßig die Fußnägel um, wenn jemand etwas „downloadet“ oder „geowned“ wird („downloaden“ wird von meinem Schreibprogramm nicht mal als falsch gekennzeichnet). Aber manch einer übertreibt es doch maßlos mit den Anglizismen oder äußerst seltsamen Wortneuschöpfungen.

Ich persönlich versuche da ein gesundes Mittelmaß zwischen „Insidern“ und „Implikationen“ zu finden und meine Gedanken, Gefühle und Meinungen so auszudrücken, dass mich jeder versteht.

Ein weiterer Teil des Segens sind für mich so gut wie sämtliche Dialekte der deutschen Sprache (natürlich bis auf die eine oder andere Ausnahme). Viele mögen jetzt denken „schön und gut, aber das haben andere Sprachen doch auch“ und ich gebe zu, sie haben recht, aber die Spielarten des Deutschen sind, soweit ich weiß, die vielfältigsten. Neben Tonfällen und Aussprache fällt mir gerade keine Sprache ein, deren einzelne Untergruppen völlig verschiedene Worte für ein und dasselbe Ding benutzen. Da hätten wir zum Beispiel das „Oachkatzerl“ (keine Garantie auf richtige Schreibung) und das „Eichhörnchen“ oder „Feudel“ und „Wischlappen“. Durch das Wissen um diese unterschiedlichen Sprachgemeinschaften können durchaus interessante Aussagen entstehen wie diese:

„Ich habe eine neue Freundin: sie kommt aus Magdeburg, aber keine Angst – sie spricht Hochdeutsch!“

Manchmal aber, wenn der „mitteldeutsche Würgelaut“ durchbricht, die Völker dann zu „Völkorn“ (das lässt sich einfach nicht gut so schreiben, wie man es spricht) werden, erkennt man dann aber doch die Herkunft.

Und wenn nun jemand meint, Dialekte wären zu nichts gut, dann doch wenigstens zur geografischen Bestimmung des Lebensraumes des Sprechers.

Vorhin meinte jemand zu mir, die deutsche Sprache ließe so gut wie keine Zweideutigkeiten zu. Wie ich aber festgestellt habe, stimmt das nur dann, wenn man Sprachspiele anderer Sprachen in unsere übersetzen will. Denn sonst kämen folgende Fragen gar nicht erst auf:

Wie soll sich der Bauer verhalten, wenn seine Frau sagt: ‚Sieh zu, dass du Land gewinnst!!‘?“,

„Was machen die Fahrer von Automatikwagen in einem Schaltjahr?“,

„Heißen Teigwaren Teigwaren, weil sie vorher Teig waren?“,

„Darf man in einem Weinkeller auch mal lachen?“,

„Kommen kleine Leute nach einer Steuererhöhung eigentlich noch an ihr Lenkrad?“

„Ist es bedenklich, wenn im Park ein Goethe-Denkmal durch die Bäume schillert?“

Und solche Zweideutigkeiten sind doch durchaus manchmal ein Segen – vor allem, wenn man gerade einen schlechten Tag hatte.

Ein Gedanke zu „Die deutsche Sprache ist für mich…“

  1. Ich stimme Dir zu, dass die gesprochene Sprache oft eine ganz andere ist als die geschriebene. Wenn einzelne Worte oder Redewendungen von Dialekten usw. sich in die deutsche Sprache „einschleichen“ und man daraus die Herkunft des Sprechenden herleiten kann, finde ich das nicht schlecht. Auch „Völkorn“ kann das Leben und die Sprache bereichern.

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