Mein schreckliches 10. Semester

So als Gegenbewegung zu Artikeln, wie STUDIENANFÄNGER ERZÄHLEN – Mein hartes erstes Semester, hier ein kleiner Bericht darüber, was einen noch so erwarten kann, wenn man die ersten Semester überlebt habt. Ich hab ja auch oft genug mit den niedrigeren Semestern zu tun und daher ist es für mich nichts neues, dass sich kaum jemand wirklich damit auseinandersetzt, was er da eigentlich studiert. Da wird mal munter nach „interessant“ klingenden Studiengängen gesucht und sich scheinbar munter beworben.

Gut, auch ich hab mir unter meinem Studium zu Anfang etwas anderes vorgestellt, aber das hat wohl jeder angehende Lehrer. Bei den Abschlüssen, die einem nicht von Anfang an sagen, was man damit später mal machen wird, wie zum Beispiel Bachelor und Magister, sollte man aber meinen, dass man sich vorher mal drum kümmert, was man so die nächsten 3-4 Jahre eigentlich machen wird. Dachte ich zumindestens, mittlerweile wurde ich da eines besseren belehrt und mich erstaunen nur noch Fragen wie: „Bleibt der Stundenplan jetzt so, oder muss ich den jede Woche neu machen?“
Da wundert es einen nur noch bedingt, dass man viele spätestens nach dem ersten Semester nicht mehr wiedersieht. Aber eigentlich wollte ich ja über mein 10. Semester schreiben. Zweistellige Semesterzahlen sehen ja schon ziemlich böse aus und mein letztes Semester wird es auch nicht sein. Außerdem sollte ich mittlerweile doch so einiges gewohnt sein. Bin ich auch, denn überraschen tut mich fast nichts mehr, im Gegenteil: Ich kenn schon fast alles irgendwie. StudentInnen im Hauptstudium, die kein geordnetes Referat hinbekommen, Seminare, die völlig überfüllt sind, Seminare, die zwar jedes Jahr einen neuen Titel, aber eigentlich immer gleiche oder zumindest sehr ähnliche Inhalte haben, die xte Hausarbeit zu irgendeinem abgehobenen Thema, welches mir für meinen späteren Beruf so gar nichts bringt – all das kenne ich mittlerweile schon zur Genüge. Und um ehrlich zu sein vergeht einem mit der Zeit einfach die Lust und ja, ein bisschen tritt man sich selbst dafür, dass man immer noch studiert. Die wirklich interessanten Seminare kann ich schon seit Ewigkeiten an einer Hand abzählen, ebenso diejenigen, denen ich einen wirklichen Nutzen abgewinnen konnte. Und glaubt mir, ich hatte jede Menge Zeit, um über die Studieninhalte zu reflektieren.

In manchen Bereichen, zum Beispiel Wirtschaft, verstehe ich bis heute meistens nur Bahnhof und irgendwie ist die Mischung aus schlechten Referaten und verwirrenden oder verworrenen Dozentenfragen nur bedingt dafür geeignet diesen Umstand zu ändern. Mittlerweile sehne ich mich fast nach den anstrengenden Lektüreseminaren (zu jeder Woche einen Text lesen und ein Excerpt anfertigen), die ich früher immer verflucht habe. Aber man hat dabei wenigstens halbwegs was gelernt und mitgenommen. Mittlerweile gibt es eigentlich nur noch Referat+Hausarbeit als Möglichkeit einen Leistungsschein zu erwerben oder solche völlig bescheuerten Konstruktionen wie „Referat, 3 unangekündigte Kurzklausuren und Hausarbeitsentwurf bis Mitte des Semesters“. Also quasi die Varianten 08/15 und „tickt ihr noch ganz sauber?“. Der Austausch und Dialog bleibt dabei meistens auf der Strecke oder verlegt sich auf die Kaffeepausen und immer seltener werdenden Feierabendbierchen. Auch irgendwie kein Studentenleben, oder?

Natürlich gibt und gab es auch immer wieder Dozenten, die das Ruder rumgerissen haben und es auch immer noch halbwegs rumreißen. Allerdings werden diese auch immer weniger und mit uns Lehrämtern kann eh kaum noch jemand etwas anfangen. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich im gerade anliegenden Praktikumsbericht über etwas schreiben muss, von dem ich nun wahrlich gar keine Ahnung habe: Leistungskontrollen. Wäre ja schön, wenn sowas mal von der Didaktikerin des Instituts behandelt worden wäre. wurde es aber nicht. Wenn ich mir alles, was wirklich wichtig ist, selbst anlesen muss, dann kann ich es mir ja eigentlich auch sparen zur Uni zu gehen.

Beim Schreiben dieses Textes drängt sich ja förmlich die Frage auf, warum ich das alles eigentlich noch mache, vor allem da mir regelmäßig ganz anders wird, wenn ich daran denke wie viel Streß noch im Referendariat und im Berufsalltag auf mich wartet. Also, warum mach ich das alles noch? Ganz einfach, ich kann es meinen Eltern nicht antun jetzt aufzuhören um ein zynischer Buchhändler in Irland oder zumindest Meppen zu werden!

Okay, das stimmt jetzt nicht wirklich, ich gebe es zu. Ich höre einfach nicht auf, weil ich trotz allem noch Lehrer werden will und außerdem wirklich zu kurz vor’m Ende des Studiums bin. Die haben mich bisher nicht untergekriegt, dann schaffen die das jetzt auch nicht mehr. Und außerdem sind da die paar wirklich interessanten Seminare, die ich eigentlich nicht missen will. Und zu guter letzt kann ich mir als Lehrer immer noch recht gut das Grundkapital für meine Buchhandlung aufbauen, selbst wenn diese nur das Luftschloß bleibt, welches sie seit Ewigkeiten ist.

So viel zu dem Thema zu dieser späten Stunde.

3 Gedanken zu „Mein schreckliches 10. Semester“

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